Ohrenschmerzen

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Was sind Ohrenschmerzen?

Definition

Ohrenschmerzen (auch Otalgie genannt) können auf eine Erkrankung im Ohr hinweisen (primär). Es kann sich aber auch um Schmerzen handeln, die in die Ohrregion ausstrahlen und eine andere Ursache haben (sekundär).

Häufigkeit

  • Im Kleinkindalter
    • Die Hauptursache für Ohrenschmerzen ist oft nicht eine Mittelohrentzündung, sondern ein unter Spannung stehendes Trommelfell, weil der Druckausgleich beeinträchtigt wird.
    • Durch einen Schnupfen, der die Nasenschleimhaut zum Anschwellen bringt, wird die Paukenröhre, die die Nase mit dem Mittelohr verbindet und dadurch den Druckausgleich ermöglicht, in ihrer Funktion beeinträchtigt.
  • Jugendliche
    • Die häufigste Ursache für akute Ohrenschmerzen ist eine Otitis externa (Entzündung des äußeren Gehörgangs). Tritt häufig bei Schwimmer*innen auf.
  • Primäre Ohrenschmerzen sind häufiger als sekundäre.
  • Zu den häufigsten Ursachen für sekundäre Ohrenschmerzen zählen Erkrankungen der Zähne, Kieferprobleme, Beschwerden der Halswirbelsäule und Neuralgien (Nervenschmerzen).

Was kann die Ursache sein?

Häufige Ursachen (primär)

  • Akute Mittelohrentzündung (akute Otitis media, AOM)
    • Vorherrschende Symptome sind starke Ohrenschmerzen verbunden mit Fieber.
    • Sie treten oft nach einer Infektion der oberen Atemwege auf.
    • In den ersten drei Lebensjahren erkranken 2/3 aller Kinder an einer Mittelohrentzündung.
    • Bei der Untersuchung des äußeren Gehörgangs und des Trommelfells (Otoskopie) ist ein vorgewölbtes, gerötetes Trommelfell zu erkennen. Ein Trommelfellriss und Ausfluss aus dem Ohr können auftreten.
    • Meistens reichen Schmerzmittel aus, nur bei Risikofaktoren und schweren Verläufen sollte ein Antibiotikum gegeben werden.
  • Mittelohrentzündung mit Paukenerguss (seröse Otitis media, SOM)
    • Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr hinter dem intakten Trommelfell, das nicht entzündet ist.
    • Ohrenschmerzen und ein „Wattegefühl” im Ohr treten auf. Das Hörvermögen ist eingeschränkt, was bei Kindern zu einer verzögerten Sprachentwicklung führen kann.
    • Zu Beginn kann 3–4 Monate abgewartet werden – unter Beobachtung des Krankheitsverlaufs. In dieser Zeit sollten verschiedene Verfahren angewendet werden, um die Beschwerden zu mildern und den Druck im Innenohr auszugleichen, z. B. Valsava-Manöver, Politzer-Verfahren. Bei Risikofaktoren, wie Fehlbildungen im Gesichtsbereich, Sprachentwicklungsstörungen oder wenn nach 3–4 Monaten keine Besserung eintritt, wird ein operativer Eingriff empfohlen: Der Einsatz von Paukenröhrchen zur Belüftung des Mittelohrs oder eine Adenotomie, die Entfernung der Rachenmandeln.
  • Otitis externa
    • Eine Entzündung des äußeren Gehörgangs, wobei Trommelfell und Ohrmuschel mitbetroffen sein können.
    • Eine Otitis externa ist die häufigste Ursache für akute Ohrenschmerzen bei Jugendlichen, besonders bei Schwimmer*innen.
    • Der Gehörgang ist gerötet und geschwollen. Druckschmerz am Tragus (Knorpel vor dem Gehörgang) sowie Schmerzen beim Zug an den Ohrläppchen sind typisch.
    • Die Behandlung besteht aus einer Gehörgangsreinigung, örtlich wirkenden Medikamenten (z. B. Ohrentropfen mit Antibiotika) sowie Schmerzmitteln. Antibiotikatabletten sollten nur in Einzelfällen und bei einem komplizierten Verlauf eingenommen werden.
  • Ohrenschmalzpropf
    • Ohrenschmalz (Zerumen) hemmt das Wachstum von Bakterien und schützt den Gehörgang.
    • Es kann den Gehörgang aber auch verschließen und Beschwerden verursachen.
    • Zerumen kann durch spezielle Ohrentropfen weicher gemacht werden, damit es mit einer Ohrspülung oder durch Absaugen aus dem Gehörgang entfernt werden kann.
  • Fremdkörper im Gehörgang
    • Tritt am häufigsten bei kleinen Kindern auf, die sich Gegenstände ins Ohr stecken.
  • Barotrauma des Ohrs
    • Das Barotrauma ist ein Drucktrauma des Mittelohrs und des Trommelfells, das bei einer gestörten Funktion der Ohrtrompete (z. B. bei Schnupfen) durch schnelle Druckänderung entsteht.
    • Beim Tauchen kommt es häufig zum Barotrauma. Beim Fliegen sind Kinder häufiger betroffen als Erwachsene.
    • Die meisten Verletzungen infolge eines Barotraumas heilen spontan aus.
  • Erysipel (Wundrose)
    • Das Erysipel ist eine der häufigsten Hautinfektionen.
    • Diese meist mit Fieber und Schüttelfrost einhergehende, bakterielle Infektion mit typischerweise scharf begrenzter Rötung kann auch im Bereich des Ohres auftreten.
    • Das Risiko wird durch Piercings erhöht.
    • Behandelt wird die Erkrankung mit Antibiotika.
  • Zoster oticus
    • Die Gürtelrose (Zoster) ist ein schmerzhafter Hautausschlag, der durch das Windpocken-Virus (Varizella-Zoster-Virus) verursacht wird. Dieses schlummert nach einer früheren Windpocken-Infektion in  Nervenknoten, z. B.  am gesichtsnerv (Nervus trigeminus) Unter bestimmten Umständen, z. B. bei einer Schwächung des Immunsystems, können die Viren wieder aktiv werden.
    • Beim Zoster oticus treten die Gürtelrose-Bläschen am Ohr auf und verursachen starke Schmerzen, ggf. ist das Gehör beeinträchtigt.
    • Behandelt wird die Erkrankung mit Virustatika, das sind Medikamente, die gegen Viren wirken.
  • Trommelfellverletzungen (z. B. beim tiefen Tauchen, durch einen Schlag aufs Ohr, durch Wattestäbchen)

Seltene Ursachen (primär)

  • Myringitis
    • Die Myringitis ist eine Sonderform der akuten Mittelohrentzündung, bei der sich schmerzhafte Bläschen auf dem Trommelfell bilden.
    • Die Erkrankung tritt begleitend bei ca. 5 % der Fälle von akuter Mittelohrentzündung bei Kindern unter zwei Jahren auf. Sie kann aber auch bei älteren Kindern und Erwachsenen vorkommen.
    • Behandelt wird eine Myringitis genauso wie eine akute Mittelohrentzündung.
  • Mastoiditis
    • Eine Entzündung des Warzenfortsatzes des Schläfenbeins, die in Folge einer Mittelohrenzündung entstehen kann. Da die Erkrankung im empfindlichen Kopf- und Halsbereich auftritt, kann es zu teils schwerwiegenden Komplikationen kommen.
    • Da eine Mastoiditis in der Regel von Bakterien verursacht wird, ist eine Antibiotikatherapie angezeigt. Zudem werden Medikamente zur Schmerzlinderung verabreicht.
  • Cholesteatom („Knocheneiterung”) bei chronischer Mittelohrentzündung
    • Von einer chronischen Mittelohrentzündung spricht man, wenn die Entzündung länger als drei Monate andauert.
    • Dies kann zur Bildung eines sog. Cholesteatoms, einer Ansammlung von Gewebe im Bereich des Mittelohrs, das dort Schäden verursacht (z. B. Knochenabbau) führen. 
    • Bei einem Cholesteatom ist fast immer eine Operation notwendig.
  • Nekrotisierende Otitis externa
    • Die Erkrankung ist eine seltene Komplikation der Otitis externa. Die Entzündung breitet sich in Knorpel, Knochen und andere Strukturen aus. Bei einer Nekrose geht Gewebe zugrunde. Die Erkrankung kann lebensbedrohlich verlaufen.
    • Meist liegt eine Immunschwäche vor und/oder ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus.
  • Gehörgangsfurunkel
    • Eine eitrige und sehr schmerzhafte Entzündung eines Haarbalges im äußeren Gehörgang, die durch Bakterien verursacht wird.
    • Zur Behandlung wird der Furunkel aufgestochen, damit der Eiter abfließen kann. Bei Allgemeinsymptomen wie z. B. Fieber kann eine Antibiotikatherapie erforderlich sein.
  • Perichondritis
    • Eine meist bakterielle Entzündung, die sich auf den Ohrknorpel ausbreitet.
    • Symptome sind eine schmerzhafte Schwellung und Rötung der Ohrmuschel, oft begleitet von einer Lymphknotenentzündung, Fieber und Abgeschlagenheit.
    • Behandelt wird die Erkrankung mit Antibiotika.
  • Verschiedene Krebserkrankungen im Mund-Nasen-Rachen-Bereich

Weitere Ursachen für Ohrenschmerzen (sekundär)

  • Probleme mit dem Kiefergelenk
  • Erkrankungen der Zähne (z. B. Karies)
  • Rachenentzündung (Pharyngitis) und Mandelentzündung (Tonsillitis)
  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
  • Speicheldrüsenentzündung (Sialadenitis)
  • Neuralgien (Nervenschmerzen): Die typischen einschießenden Schmerzen können auch im Bereich des Ohrs auftreten.
  • Arteriitis temporalis: Eine rheumatische Erkrankung, die vor allem Schmerzen im Kopfbereich und Schmerzen beim Kauen verursacht.

Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?

  • Wenn Sie Ohrenschmerzen haben.
  • Wenn zusätzlich Fieber auftritt.
  • Wenn der Allgemeinzustand stark beeinträchtigt ist.
  • Bei Entzündungszeichen der Ohrmuschel: Schwellung Rötung, Überwärmung
  • Bei Schwellung, Rötung und Druckschmerzhaftigkeit hinter dem Ohr
  • Wenn Blut, Eiter oder eine andere Flüssigkeit aus dem Ohr austritt.
  • Wenn ein Fremdkörper im Ohr steckt.

Untersuchungen

Das Alter der Patient*innen weist häufig schon auf die unterschiedlichen Ursachen von Ohrenschmerzen hin. Wichtige Hinweise können sein:

  • Beginn, Dauer, Stärke und Verlauf der Symptome (Schmerzqualität, Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl)
  • Hörminderung, Ohrgeräusche, Schwindel, Ausfluss aus dem Ohr
  • Vorhergehende Infektionen der Atemwege, vorhergehende Behandlungen, frühere Ohrbeschwerden
  • Bekannte Begleit- und Grunderkrankungen

Bei Säuglingen oder im Allgemeinzustand beeinträchtigten Kleinkindern sowie bei Personen, die sich nur eingeschränkt mitteilen können, sollte eine Ganzkörperuntersuchung erfolgen, um etwaige Grunderkrankungen feststellen zu können. Ansonsten folgt eine Untersuchung des Ohrs:

  • Läuft Flüssigkeit (Blut, Eiter, Schleim) aus dem Ohr?
  • Ist die Ohrmuschel gerötet oder geschwollen?
  • Hat sich die Ohrmuschel verändert?
  • Gibt es Schwellungen, Entzündungen oder Blutergüsse, die auf einen Unfall hinweisen können?

Bei der Inspektion des Gehörgangs und des Trommelfells (Otoskopie) wird grundsätzlich das gesunde Ohr zuerst untersucht. So hat man einen Vergleich zum erkrankten Ohr.

Auch die Mundhöhle und die Nase werden untersucht. Die Tastuntersuchung (Palpation) des Ohres, des Gesichts und ggf. der Halswirbeläule kann Erkenntnisse über die schmerzhaften Stellen, Schwellungen oder krankhafte Veränderungen liefern. Mit speziellen Tests kann das Hörvermögen in der HNO-Praxis überprüft werden.

Selten sind weitere Untersuchung wie z. B. Bluttests oder bildgebende Verfahren (MRT, CT) angezeigt.

Behandlung

Die Behandlung ist von der Art der Erkrankung abhängig.

Autorin

  • Ulrike Boos, Redakteurin von Deximed, Freiburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Ohrenschmerzen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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  5. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Ohrenschmerzen. AWMF-Leitlinie Nr. 053-009, Stand 2014. awmf.org
  6. Thomas JP, Berner R, Zahnert T, Dazert S. Strukturiertes Vorgehen bei akuter Otitis media. Dtsch Arztebl Int 2014;111(9): 151–60. DOI: 10.3238/arztebl.2014.0151 www.aerzteblatt.de
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  8. Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie. Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018. AWMF-Leitlinie 082-006. S2k, Stand 2017. Update 2018. register.awmf.org
  9. Orphanet. Ramsay-Hunt-Syndrom. Letzter Zugriff 19.03.23. www.orpha.net
  10. Ratiopharm. Fachinformation Fiebersaft für Kinder 20 mg/ml. Stand Januar 2018. Letzter Zugriff 20.03.23. www.ratiopharm.de
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