Speicheldrüsenentzündung (Sialadenitis)
Speicheldrüsenentzündung (Sialadenitis)
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed. Mehr erfahren
Was ist eine Speicheldrüsenentzündung?
Definition
Die Sialadenitis ist eine Entzündung der Speicheldrüsen. Sie verläuft akut oder chronisch.
Der Mensch hat rechts und links jeweils drei große Speicheldrüsen. Die größte ist die Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis). Sie liegt am Kieferwinkel vor dem Ohr. Die anderen Drüsen sind die Unterkieferspeicheldrüse (Glandula submandibularis) und die Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis). Beide haben einen gemeinsamen Ausführungsgang unterhalb der Zunge.
Meistens entzündet sich die Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis). Seltener erkrankt die Glandula submandibularis (Unterkieferspeicheldrüse). Am seltensten betroffen ist die Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis).
Symptome
Akute Speicheldrüsenentzündung
Die betroffene Speicheldrüse schwillt akut an. Bei einer Entzündung durch Bakterien ist oft nur eine Seite betroffen. Bei Viren sind es meist beide Seiten. Es kann sich Eiter bilden. Die Schwellung ist meist schmerzhaft, bei den Mahlzeiten nehmen Schmerz und Schwellung zu. Auch das Kauen tut oft weh. Die Beschwerden können dazu führen, dass die erkrankte Person den Kiefer nicht mehr richtig öffnen kann (Kieferklemme). Eventuell tritt auch Fieber auf.
Chronische Speicheldrüsenentzündung
Die erkrankte Person leidet unter einer wiederkehrenden Schwellung. Sie tritt oft nach dem Essen auf. Zwischen den Mahlzeiten geht die Schwellung meist zurück. Sie kann auch wiederholt vollständig abklingen. Oft hat die Schwellung eine feste Konsistenz. Es kann zu einer schmerzhaften Funktionsstörung des Kiefergelenks bzw. der Kaumuskulatur kommen. Das äußert sich möglicherweise durch eine Bewegungseinschränkung im Kiefergelenk, Kopfschmerzen und Nackenschmerzen. Das Gelenk kann hörbar klicken. Tumorerkrankungen führen eher nicht zu Schmerzen.
Ursachen
Akute Speicheldrüsenentzündung
Die akute Sialadenitis betrifft meist die Glandula parotis. Etwas seltener erkrankt die Glandula submandibularis. Der Auslöser sind meistens Bakterien wie Staphylokokken und Streptokokken. Auch Viren kommen infrage. Am häufigsten handelt es sich um das Mumps-Virus. Weitere mögliche Viren sind das Coxsackie-Virus, das Zytomegalie-Virus (CMV) und das Epstein-Barr-Virus (EBV). Männer erkranken häufiger als Frauen.
Die Erreger gelangen oft direkt aus dem Mund in die betroffene Speicheldrüse, teils auch über Blut und Lymphe. Das Risiko einer Entzündung steigt, wenn die betroffene Person unter Flüssigkeitsmangel leidet oder die Ausführungsgänge der Speicheldrüsen verlegt sind. Denn dann bleibt das Sekret länger als üblich in der Drüse.
Chronische Speicheldrüsenentzündung
Meistens ist die Ursache für die chronische Sialadenitis, dass ein Speicheldrüsengang verlegt ist (Obstruktion). In einigen Fällen geht die akute Form in eine chronische Form über.
- Entzündung durch Obstruktion
- Steine, Einengungen, Narbenbildung und Fremdkörper
- Tumore können von außen auf den Speicheldrüsengang drücken. Tumore der Glandula parotis sind meistens gutartig (benigne). Tumore der Glandula submandibularis sind häufig bösartig (maligne).
- krankhafte Bindegewebsvermehrungen (Sklerosierung) mit Beteiligung von IgG4-Antikörpern des Immunsystems (Küttner-Tumor)
- Entzündung ohne Obstruktion
- Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom (führt oft zu trockenen Augen und einem trockenen Mund) und die Sarkoidose (Bindegewebserkrankung, in vielen Organen möglich)
- Lymphome (bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems)
- Entzündung durch Behandlungen
- Radiojodbehandlung, bei einem Schilddrüsentumor
- Bestrahlung zur Krebstherapie
Risikofaktoren
Es gibt einige Dinge, die das Risiko erhöhen, eine Sialadenitis zu bekommen:
- Flüssigkeitsmangel
- Mangelernährung
- Immunschwäche
- Chronische Erkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, Nierenerkrankungen, HIV
- Sjögren-Syndrom
- Medikamente, z. B.:
- Anticholinergika (z. B. gegen Harninkontinenz)
- Antihistaminika (gegen Allergien)
- Antipsychotika (gegen Psychosen)
- Antidepressiva (gegen Depressionen)
- Betablocker (gegen einige Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
- Schlechte Mundhygiene
- Bekannte Speichelsteine
- Häufiges Erbrechen, etwa bei Bulimia nervosa oder Anorexia nervosa
Häufigkeit
Am häufigsten erkranken Kinder und ältere Personen. Personen im mittleren Erwachsenenalter sind weniger oft betroffen. Mumps kommt heutzutage eher selten vor, da die Impfung gegen Mumps als Standardimpfung empfohlen ist. Chronische Entzündungen betreffen eher Erwachsene als Kinder. Das Sjögren-Syndrom betrifft ungefähr 1 von 200 Personen. Menschen mit einem Sjögren-Syndrom erkranken relativ oft an Speicheldrüsenentzündung.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
Der Mund wird untersucht. Möglicherweise lässt sich Sekret aus der entzündeten Drüse drücken. Das Sekret kann mit einem Abstrich weiter untersucht werden. Der Arzt oder die Ärztin tastet nach den Lymphknoten (z. B. am Hals). Möglicherweise wird die Patient*in zur Prüfung der Nervenfunktion gebeten, die Wangen aufzublasen oder die Zunge herauszustrecken. Eine Blutentnahme kann sinnvoll sein, um Anzeichen für eine Entzündung festzustellen. Möglicherweise wird eine Ultraschalluntersuchung gemacht.
Bei starken Beschwerden oder schwerem Verlauf erhält die betroffene Person eine Überweisung an eine HNO-Praxis. Gleiches gilt bei wiederkehrenden Beschwerden. Bei sehr schwerer Erkrankung ist eventuell eine sofortige Klinikeinweisung sinnvoll.
Bei HNO-Spezialist*innen
Spezialist*innen können die erkrankte Speicheldrüse mit Ultraschall untersuchen. Auch eine Endoskopie ist möglich. Dabei wird ein biegsamer Schlauch mit einer Lichtquelle und einer Kamera in den Speicheldrüsengang eingeführt. Das Prinzip ähnelt einer Magen- oder Darmspiegelung, nur ist das Endoskop deutlich filigraner. Weitere Untersuchungsmöglichkeiten gibt es in Form einer Computertomografie (CT). Manchmal wird der Gang mit einer Röntgenuntersuchung und Kontrastmittel dargestellt (Sialografie). In einigen Fällen wird der Speicheldrüsengang mit einer leicht radioaktiven Substanz dargestellt (Szintigrafie).
Behandlung
Medikamente
Allgemeines
Die Entzündung kann medikamentös behandelt werden. Falls die betroffene Person eine Grunderkrankung hat, muss diese eventuell parallel behandelt werden.
Antibiotikum
Bakterieninfektionen werden mit Antibiotika behandelt. Davor sollte eine Bakterienkultur angelegt werden. Damit lässt sich bestimmen, um welchen Erreger es sich handelt, und welches Antibiotikum gegen ihn wirkt. Mögliche Wirkstoffe sind beispielsweise Amoxicillin / Clavulansäure, Clindamycin und Flucloxacillin. Die Antibiotikatherapie dauert in der Regel 10 Tage. Antibiotika wirken nicht gegen Viren. Bei einer Virusinfektion werden nur die Symptome behandelt.
Küttner-Tumor
Erkrankungen mit IgG-4-Antikörpern sprechen sehr gut auf kortisonähnliche Medikamente an. Sie heilen in mehr als 90 % der Fälle aus.
Operation
Operation bei Abszess
Manchmal bildet sich ein eitergefüllter Hohlraum (Abszess) durch eine Infektion mit Bakterien. Bei der Operation wird der Abszess geöffnet und gesäubert.
Erstmalige Sialadenitis durch eine Obstruktion
Es wird zunächst eine konservative Behandlung empfohlen. Nach Bedarf erfolgt eine medikamentöse Behandlung (siehe oben). Mögliche zusätzliche Maßnahmen sind speichelanregende Mittel („Sialogoga”) wie Bonbons und Kaugummis, Flüssigkeitszufuhr, Mundspülungen und eine Drüsenmassage. Die Öffnung des Speicheldrüsengangs kann geweitet werden (Dilatation).
Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, gibt es folgende Möglichkeiten:
- Behandlung von Speichelsteinen und Strikturen mit einem Endoskop
- Steinzertrümmerung mit Stoßwellen
- Gangschlitzung (evtl. mit chirurgischer Wiederherstellung der Anatomie)
- Manchmal muss die gesamte Speicheldrüse entfernt werden (besonders bei einem Tumor).
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed.
Lesen Sie hier den vollständigen Originalartikel.
Die Inhalte auf team-praxis.de stellen keine Empfehlung bzw. Bewerbung der beschriebenen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Sie ersetzen nicht die fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Apotheker*in und dürfen nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Lesen Sie dazu mehr in unseren Haftungshinweisen.
In unserer Gesundheitsdatenbank suchen
Inhaltsverzeichnis anzeigenWissenswertes aus den hausärztlichen Praxen

Wissen, wann genug ist
Über Suchterkrankungen sprechen die meisten Menschen nicht gern.
Zum Beitrag

Juckende Augen und triefende Nasen: Hilfe bei Heuschnupfen
Leichte Symptome lassen sich oft durch einfache Maßnahmen lindern.
Zum Beitrag

Sind das die Wechseljahre?
Warum die Wechseljahre auch in der hausärztlichen Praxis Thema sind
Zum Beitrag