Arteriitis temporalis
Arteriitis temporalis
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Was ist Arteriitis temporalis?
Definition
Arteriitis temporalis (AT) ist eine Entzündung der Blutgefäße (eine sog. Riesenzellarteriitis), die am häufigsten die Schläfenarterie (A. temporalis) betrifft, aber auch andernorts im Körper vorkommt. Es wird vermutet, dass Polymyalgia rheumatica (PMR) und Arteriitis temporalis (AT) verschiedene Formen der gleichen Krankheit darstellen. Sie haben u. a. einige Symptome gemeinsam und weisen ähnliche Entstehungsmechanismen auf.
Typisch für Arteriitis temporalis sind neu auftretende starke Kopfschmerzen und Schmerzen beim Kauen. Sehstörungen bestehen ebenfalls oft. Die Betroffenen fühlen sich meist zusätzlich erschöpft und krank.
Symptome
Die Krankheit entwickelt sich oft über einige Tage bis Wochen. Häufig klagen Betroffene über Fieber, Übelkeit, Müdigkeit, Schwäche, Niedergeschlagenheit, Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust.
Die wichtigsten Symptome der Arteriitis temporalis sind einseitige, starke Kopfschmerzen in der Schläfe, die sich beim Husten oder Kauen verstärken, und Sehstörungen (Doppelbilder, verschwommenes Sichtfeld oder einseitige Verminderung des Sehvermögens) in bis zu 30 % der Fälle. Die Patient*innen haben das Gefühl, als würde etwas die Augen verdecken. Im schlimmsten Fall kann sich ein dauerhafter Verlust des Sehvermögens entwickeln. Häufig wird auch eine Empfindlichkeit der Kopfhaut angegeben, und es treten Schmerzen beim Kauen auf.
Ursachen
Beide Erkrankungen sind wahrscheinlich auf eine chronische Entzündung der Arterienwände (Arteriitis) zurückzuführen. Der Grund, weshalb diese Entzündung auftritt, ist nicht genau geklärt, es wird davon ausgegangen, dass Antikörper gegen körpereigene Strukturen gebildet werden, die dann eine Entzündung dieser Strukturen auslösen. Dies ist ein Beispiel für eine sog. Autoimmunerkrankung. Es wird angenommen, dass sowohl äußere (wahrscheinlich Infektionen) als auch erbliche Faktoren zur Entstehung der Krankheit beitragen.
Manche Betroffene leiden gleichzeitig an Polymyalgia rheumatica und Arteriitis temporalis: 30–70 % der Patient*innen mit Arteriitis temporalis zeigen auch Symptome der Polymyalgie. 40–50 % der Patient*innen mit Polymyalgia rheumatica haben auch Arteriitis temporalis.
Häufigkeit
Die Arteriitis temporalis tritt in der Regel nach dem 50. Lebensjahr auf. Im Durchschnitt liegt der Krankheitsbeginn um das 70. Lebensjahr. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 3,5 von 100.000 Einw. neu.
Untersuchungen
- Die Diagnose Arteriitis temporalis kann gestellt werden, wenn drei oder mehr der folgenden Kriterien erfüllt sind:
- Einsetzen der Krankheit nach dem 50. Lebensjahr
- neuartige oder neu auftretende Kopfschmerzen
- Schmerzen an der Schläfenarterie bei Berührung und/oder niedriger Puls
- erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit
- Veränderungen der Schläfenarterie, die durch Gewebeprobe nachgewiesen werden.
- Andere mögliche Ursachen für die Beschwerden sollten ausgeschlossen werden.
- In Blutuntersuchungen werden Entzündungsmarker gemessen. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und/oder der CRP-Wert sind typischerweise erhöht.
- Zum Ausschluss anderer Erkrankungen wird das Blut auch auf Autoantikörper (ANCA und ANA) untersucht.
- Da bei Befall der Schläfenarterie dieses Gefäß entzündlich verändert ist, lassen sich diese Auffälligkeiten in einer Ultraschalluntersuchung oder im MRT meist feststellen.
- Gelingt dies nicht, besteht aber dennoch der Verdacht auf eine AT, dann kann es sinnvoll sein, eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) des Blutgefäßes für eine genaue Untersuchung im Labor zu entnehmen. Die Probe wird durch einen kleinen chirurgischen Eingriff unter örtlicher Betäubung entnommen. Eine Mikroskopie der Gewebeprobe kann typische Veränderungen aufzeigen.
Behandlung
- Ein schneller Behandlungsbeginn ist wichtig, um einen bleibenden Sehverlust zu verhindern. Die Patient*innen werden meist stationär im Krankenhaus behandelt.
- Kortison wird eingesetzt, um die Entzündung zu hemmen. Da bleibende Augenschäden, die bis zur Erblindung reichen können, verhindert werden sollen, ist die Dosis für Arteriitis temporalis höher als bei Polymyalgia rheumatica. Wenn bereits Sehstörungen auftreten, wird Kortison anfangs über Infusionen in die Blutbahn verabreicht. Später werden Kortisontabletten verwendet.
- Häufig ist eine deutliche Verbesserung der Erkrankung schon wenige Stunden nach Beginn der Behandlung mit Kortison zu beobachten. Die Dosis muss stufenweise reduziert werden, und es ist sehr wichtig, die Anweisungen der Ärzt*innen zu befolgen, um schwerwiegende Nebenwirkungen zu vermeiden.
- Für einige Patient*innen kann eine niedrig dosierte (5–10 mg) Erhaltungsbehandlung über ein paar Jahre hinweg indiziert sein, weil die Symptome wiederkehren oder auf konstantem Niveau anhalten.
- Neben Kortison können auch spezielle andere sog. immunsuppressive (das Immunsystem dämpfende) Medikamente hilfreich sein. Für Arteriitis temporalis ist der Wirkstoff Tocilizumab zugelassen; seine Anwendung ist jedoch nur nach Ausschluss bestimmter Risikofaktoren erlaubt. Während der Behandlung sollten regelmäßig die Leberwerte im Blut kontrolliert werden. Der Einsatz sollte erwogen werden, wenn Rückfälle auftreten oder eine lange Kortisontherapie zu Nebenwirkungen führt.
Verlaufskontrollen
- Es ist wichtig, regelmäßige Verlaufskontrollen wahrzunehmen – zum einen, um die Wirksamkeit der Therapie zu kontrollieren, aber auch um mögliche Nebenwirkungen der Kortisoneinnahme frühzeitig zu erkennen.
- Bei Anzeichen von Nebenwirkungen oder neu aufgetretenen oder zunehmenden Beschwerden sollten Sie sich zeitnah bei Ihrer Arztpraxis melden.
- Die Einnahme von Kortison erhöht das Risiko von Geschwüren und Blutungen im Magen-Darm-Trakt, insbesondere in Kombination mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR). Ggf. ist es sinnvoll, als Schutz zusätzlich sog. Protononenpumpenhemmer anzuwenden.
- Da die langfristige Anwendung von kortisonhaltigen Medikamenten das Risiko für die Entwicklung von Osteoporose erhöht, ist es meist ratsam, ergänzend regelmäßig Kalzium und Vitamin D einzunehmen. Körperliche Aktivität ist zudem wichtig zur Vorbeugung von Osteoporose.
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