Nekrotisierende Otitis externa
Nekrotisierende Otitis externa
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Was ist eine nekrotisierende Otitis externa?
Definition
Eine nekrotisierende Otitis externa ist eine Komplikation einer Gehörgangsentzündung (Otitis externa). Sie entsteht meist durch eine Infektion mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa, das in Boden, Gewässern und Sanitäranlagen vorkommt. Die Entzündung breitet sich aus: in Knorpel, Knochen und andere Strukturen. Bei einer Nekrose gehen Zellen zugrunde. Die Erkrankung kann lebensbedrohlich verlaufen.
Symptome
Es handelt sich um eine schwere Erkrankung. Betroffene Personen leiden meist unter einer anhaltenden Otitis externa: Der Gehörgang ist entzündet, und das trotz Behandlung. Betroffene haben einen eitrigen Ausfluss aus dem Ohr (Otorrhö). Sie haben starke Ohrenschmerzen, besonders nachts. Die Schmerzen strahlen bis zum Kiefergelenk aus, auch das Kauen schmerzt. Außerdem entstehen Kopfschmerzen im Bereich der Schläfe. Normalerweise entwickelt sich anhaltendes Fieber mit einer Temperatur von mehr als 39 °C. Das Fieber kann aber auch fehlen, etwa im höheren Alter und bei einer Immunschwäche. Möglicherweise leiden Betroffene unter einer Hörminderung.
Weitere Beschwerden können auftreten: Einige Betroffene können den Kiefer nicht mehr richtig schließen (Kiefersperre). Auch eine Lymphknotenschwellung am Hals ist möglich (zervikale Lymphadenopathie). Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu Schluckstörungen (Dysphagie), Heiserkeit und einer einseitigen Lähmung der Gesichtsmuskeln durch eine Schädigung des Fazialisnervs (Nervus facialis) kommen. Eine Ausbreitung der Infektion innerhalb des Schädels beeinträchtigt Nerven- und Hirnfunktionen und kann zu Verwirrung und Orientierungsstörungen führen.
Ursachen
In der Regel hatten erkrankte Personen in letzter Zeit bereits eine Otitis externa – zunächst ohne eine Nekrose. Sie war chronisch, vielleicht aber auch akut. Die Ursache der Entzündung sind Krankheitserreger – mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 % das Bakterium Pseudomonas aeruginosa. Seltener sind aber auch z. B. Staphylococcus-aureus-Bakterien, Pilze oder mehrere Erreger zugleich die Ursache. Die Erreger können sich im Knorpel des Gehörgangs ausbreiten. Dann dringen sie durch feine Spalten im Knorpel. So können sie sich weiter ausbreiten. Solche Infektionen können verschiedene Strukturen erreichen:
- die Ohrspeicheldrüse (Parotis)
- das Kiefergelenk
- den Knochen, der das Innenohr umgibt (Felsenbein, Teil des Schläfenbeins)
- umliegendes Weichteilgewebe, z. B. Muskel- und Fettgewebe
Bei dieser schweren Entzündung stirbt Gewebe ab (Nekrose).
90 % der Betroffenen haben einen Diabetes mellitus. Das liegt daran, dass Diabetes die Durchblutung in kleinen Adern stört. Pseudomonas-Bakterien verursachen eine Entzündung der Blutgefäße (Vaskulitis). So verschärfen sie die Durchblutungsstörung, die zur Nekrose führt.
Es gibt Risikofaktoren, die die Anfälligkeit für eine nekrotisierende Otitis externa erhöhen:
- Chronische Gehörgangsentzündung (Otitis externa) oder Mittelohrentzündung (Otitis media)
- Diabetes mellitus
- Hohes Alter
- Immunschwäche, z. B. aufgrund einer HIV-Infektion oder einer Chemotherapie
- Lange Antibiotikatherapie
Häufigkeit
Jede 10. Person erkrankt mindestens einmal im Leben an einer gewöhnlichen Otitis externa. Diese Erkrankung betrifft oft Kinder. Das liegt vermutlich daran, dass Kinder besonders oft schwimmen gehen. Wasserkontakt erhöht das Risiko für eine Otitis externa.
Die nekrotisierende Otitis externa ist deutlich seltener. Ältere Menschen mit Diabetes mellitus sind häufiger betroffen als andere. Auch HIV-Infizierte und Menschen mit einer Immunschwäche erkranken öfter. Die Häufigkeit ist in Ländern mit einem warm-feuchten Klima erhöht. Dort breiten sich Erreger leichter aus.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
Zunächst fragt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach Ihren Beschwerden. Dann wird das Ohr untersucht. Typischerweise sind im Gehörgang neben starker Rötung und Schwellung rötliche, körnige Stellen zu sehen (Granulationsgewebe). Dieser Befund kann bei Personen mit einer Immunschwäche fehlen. Da auch der Gesichtsnerv geschädigt werden kann, wird die Funktion der Gesichtsmuskeln untersucht.
Bei Unklarheit kann eine Blutentnahme sinnvoll sein. Außerdem kann Ohrensekret zum Nachweis von Bakterien im Labor untersucht werden. Im Sekret finden sich fast immer Pseudomonas-Bakterien.
Bei Spezialist*innen/in der Klinik
Bei einer anhaltenden Otitis externa erhält die erkrankte Person eine Überweisung an eine HNO-Praxis. Wenn der Verdacht auf eine nekrotisierende Otitis externa vorliegt, sollten die Patient*innen sofort eingewiesen werden. Im Krankenhaus werden weitere Untersuchungen durchgeführt:
- Gewebeprobe (Biopsie): Eine ist eine Biopsie des Granulationsgewebes im Gehörgang. Damit kann ein Tumor ausgeschlossen werden.
- FDG-PET: Man kann nicht von außen bestimmen, wie weit sich die Infektion in den Knochen ausgebreitet hat. Dazu eignet sich am besten eine Positronenemissionstomografie, bei der die Person eine schwach radioaktive Substanz gespritzt bekommt (FDG-PET). Die Substanz macht eine Entzündung im Knochen sichtbar.
- Computertomografie (CT)
- Magnetresonanztomografie (MRT)
- Alternativ Szintigrafie (weitere Bildgebung mit einem radioaktiven Marker)
Behandlung
Antibiotika
Die Bakterien bekämpft man mit mindestens einem Antibiotikum. Einige Antibiotika kommen infrage. Gegen Pseudomonas wirken beispielsweise Ciprofloxacin und Ceftazidim. Die Deutsche Gesellschaft für HNO-Heilkunde empfiehlt eine Kombinationstherapie mit beiden Wirkstoffen. Die Patientin/der Patient erhält Ciprofloxacin und Ceftazidim zunächst durch eine Nadel in einer Vene. Danach sollte man die Behandlung mit Ciprofloxacin-Tabletten weiterführen. Die Therapie sollte mindestens 6 Wochen dauern.
Lokale Behandlung
Bei der Lokaltherapie wird die betroffene Körperregion direkt behandelt. Zur lokalen Behandlung gehören:
- Gründliche Säuberung und Desinfizierung des Gehörgangs
- Anwendung von Antibiotika und Antiseptika direkt am Ohr. Antiseptika sind Mittel gegen Bakterien auf der Haut. Zunächst verwendet man möglicherweise antibiotikahaltige Gaze oder streifenförmige Kompressen.
- Abgestorbenes (nekrotisches) Gewebe sollte entfernt werden.
Operation
Eiter kann sich ansammeln (Abszess). Abszesse sollten mit einer Operation behandelt werden. Gleiches gilt für abgestorbenes und vom Knochen gelöstes Knochengewebe (Knochensequester).
Autor
- Vincent Kranz, Cand. med., Hamburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Otitis externa, nekrotisierende. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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