Blut im Urin
Blut im Urin
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Was ist Blut im Urin?
Definition
Wenn sich der Urin plötzlich rot färbt, kann das erschreckend sein. Roter Urin hat viele mögliche Ursachen – die Vermischung mit Blut ist eine. Die Blutungsquelle kann im Harntrakt liegen: oben angefangen bei den Nieren, hinab über die Harnleiter, die Harnblase, bis zur Harnröhre. Vereinzelt mischt sich auch Blut aus den Geschlechtsorganen oder dem Anus in den Urin. Bei Frauen kann Menstruationsblut den Urin blutig färben.
Nicht nur Blut färbt den Urin rot, sondern auch einige Speisen, z. B. rote Beete und Brombeeren. Auch verschiedene Medikamente und Eisen- oder Vitaminpräparate verändern die Farbe des Urins. Wird wenig Flüssigkeit getrunken, nimmt der konzentrierte Urin ebenfalls eine dunkle Farbe an. Auch einige seltene Stoffwechselerkrankungen (z. B. Porphyrien) sorgen für einen roten Urin. Vorübergehend können auch körperliche Anstrengung oder Fieber zu Blut im Urin führen.
Makrohämaturie bezeichnet deutlich sichtbares Blut im Urin. Die Farbe kann je nach Ursache der Blutung von hellrot bis dunkelbraun/schwarz variieren und sollte immer abgeklärt werden.
Blut im Urin geht nicht zwingend mit einer sichtbaren Rotfärbung einher. Die Anzahl der roten Blutkörperchen oder des roten Blutfarbstoffs im Urin kann so gering sein, dass der Urin eine unauffällige Farbe hat (Mikrohämaturie). Ein solcher Befund kann zufällig bei einer Routineuntersuchung mittels Urinteststreifen auffallen.
Häufigkeit
- Blut im Urin ist der Grund für 5–10 % der Überweisungen in eine Facharztpraxis für Urologie.
- Weltweit leiden zwischen 2 und 30 % der Menschen an einer nicht sichtbaren Hämaturie; diese tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf.
- Bei Kindern und Jugendlichen ist Blut im Urin seltener (1,5–2 %).
Was kann die Ursache sein?
Makrohämaturie
Die häufigsten Ursachen, die bei Erwachsenen zu einem sichtbar rot verfärbten Urin führen (Makrohämaturie), sind Harnwegsinfektionen, Erkrankungen der Prostata und Nieren. Blut im Urin kann auch ein Zeichen für ein Steinleiden oder eine Verletzung des Harntrakts im Rahmen eines Unfalls sein.
Die wichtigsten möglichen Ursachen sind:
- Harnwegsinfektion (Nierenbecken- oder Harnblasenentzündung)
- Erkrankungen der Prostata (Infektion, gutartige Hyperplasie, Krebs)
- Seltene Infektionen, die auch die Harnwege betreffen (Schistosomiasis, Tuberkulose).
- Verletzungen (Niere, Harnleiter, Harnblase, Harnröhre u. a.)
- Nierenkrankheiten (z. B. Glomerulonephritis)
- Nieren-/Harnsteine
- Krebs (der Nieren, der Prostata oder der Harnblase)
- Bestimmte Blutkrankheiten (Hämophilie, Sichelzellenanämie) oder manche Autoimmunkrankheiten (z. B. Granulomatose mit Polyangiitis)
- Verfärbungen durch die Ansammlung von Myoglobin (Substanz der Muskelzellen) oder Hämoglobin (roter Blutfarbstoff), genannt Myoglobinurie oder Hämoglobinurie
- Medikamente (u. a. ACE-Hemmer, Allopurinol, Cyclophosphamid, Lithium, Furosemid, Thiazide, orale Kontrazeptiva oder Antibiotika)
- Körperliche Anstrengung
- Fieber
Mikrohämaturie bei Erwachsenen
- Die nicht sichtbaren Fälle von Blut im Urin (Mikrohämaturie) gehen manchmal auf Messfehler oder andere nicht behandlungsbedürftige Ursachen zurück.
- Ebenso wie bei der Makrohämaturie können aber auch Infektionen (z. B. Blasen- oder Niereninfektion), Harnsteine, eine Nierenerkrankung oder ein Tumor zugrunde liegen.
- Eine Mikrohämaturie wird manchmal im Rahmen einer Routine- oder Vorsorgeuntersuchung festgestellt. Wenn keine weiteren Symptome bestehen, wird eine Kontrolluntersuchung mittels Urinteststreifen angeraten.
- In 2 von 3 Fällen bleibt die Ursache unbekannt. In Fachkreisen spricht man von einer „persistierenden isolierten nicht-sichtbaren Hämaturie“, wenn 2 von 3 Proben eines Urinschnelltests positiv sind, Störfaktoren berücksichtigt wurden und keine zusätzlichen Hinweise auf eine auslösende Erkrankung bestehen.
Mikrohämaturie bei Kindern
- Mögliche Ursachen bei Kindern sind Verletzungen/Unfall, Harnwegsinfektionen, Steinleiden, vermehrte Kalziumausscheidung (Hyperkalzurie) oder angeborene Fehlbildungen der Niere oder Harnwege. Nur äußerst selten ist eine Krebserkrankung der Grund.
- Auch bei Kindern können Mikrohämaturien ohne Krankheitswert sein.
Untersuchungen
- Im ärztlichen Gespräch wird die Krankengeschichte (Anamnese) erhoben.
- Viele der möglichen Erkrankungen verursachen typische Symptome, z. B. Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen bei einer unkomplizierten Blasenentzündung. Auch eine Prostataentzündung bei Männern oder Harnleitersteine verursachen neben der Hämaturie typische Schmerzen.
- Blut im Urin kann mit einem Urinschnelltest nachgewiesen werden. Wenn keine weiteren Befunde (z. B. Proteinurie) oder Symptome vorliegen, sollte die Urinuntersuchung zunächst mit zeitlichem Abstand wiederholt werden, bevor weitere diagnostische Schritte eingeleitet werden
- Blut im Urin gehört zu den frühen Befunden bei Blasenkrebs und sollte daher bei folgenden Risikofaktoren abgeklärt werden:
- höheres Alter (> 35 Jahre)
- männliches Geschlecht
- (früheres) Rauchen
- beruflicher Kontakt zu aromatischen Aminen/Anilin-Derivaten
- Therapie mit Cyclophosphamid
- Blasenkrebs in der Familie
- Aufenthalt in einem Bilharziose-Gebiet (v. a. in den Tropen)
- Liegen keine Risikofaktoren für eine bösartige Erkrankung vor, ist ein abwartendes Verhalten mit einer jährlichen ärztlichen Untersuchung (u. a. Blutdruckmessung, Untersuchung auf Proteinurie) möglich.
- Patient*innen mit Blut im Urin bei bekanntem Nierenleiden, Bluthochdruck und anderen auffälligen Parametern in der Urinuntersuchung sollten an eine nephrologische Praxis überwiesen werden.
Labor
- Laboruntersuchungen von Blut und Urin liefern weitere Hinweise über die Funktion der Niere, mögliche Entzündungsgeschehen oder Krankheitserreger.
- Die Form der roten Blutkörperchen im Urin kann helfen, den Ursprung der Blutung herauszufinden (mikroskopische Untersuchung).
Bildgebende Untersuchungen
- Bei Bedarf kommen unterschiedliche bildgebende Verfahren zur Anwendung wie Ultraschall, CT, MRT oder MR-Urografie.
Behandlung
- Blut im Urin allein ist in der Regel nicht behandlungsbedürftig. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache.
- Infektionen werden in vielen Fällen mit Antibiotika behandelt.
- Harnleitersteine gehen in einigen Fällen von selbst ab. Ansonsten können sie je nach Lage und Größe mit verschiedenen Verfahren entfernt werden.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hämaturie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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