Harnwegsinfekt bei Kindern

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Was ist ein Harnwegsinfekt bei Kindern?

Definition

Harnwegsinfekte (HWI) sind meist bakterielle Infektionen der Harnwege und gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen bei Kindern. Sie werden je nach betroffenem Abschnitt in obere und untere Harnwegsinfekte eingeteilt. Untere Harnwegsinfekte betreffen die Harnröhre und Harnblase (Blasenentzündung/Zystitis) und sind meist weniger schlimm als obere HWI, also Entzündungen der Harnleiter oder des Nierenbeckens (Pyelonephritis). Von einer wiederkehrenden HWI spricht man bei ≥ 2 Episoden innerhalb von 6 Monaten und ≥ 3 Episoden im zurückliegenden Jahr.

Symptome

Die Symptome eines Harnwegsinfektes bei Kindern sind vom Alter abhängig und in vielen Fällen wenig aussagekräftig. Charakteristisch sind Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen. Kinder mit Harnwegsinfekt gehen meist häufiger als gewöhnlich zur Toilette.

Wenn es sich um einen oberen Harnwegsinfekt handelt, haben die betroffenen Kinder häufig Schmerzen in der seitlichen Bauchregion. Unspezifische Symptome können Fieber, Trinkschwäche, Erbrechen oder Durchfall sein. Da Kinder die Beschwerden meist erst ab einem Alter von 3–4 Jahren selbst beschreiben können, bleibt der Infekt bei Kleinkindern und Neugeborenen oft lange unklar. Insbesondere Neugeborene sind bei einem Harnwegsinfekt mitunter schwer krank.

Ursachen

Eine Infektion entsteht besonders bei oberen Harnwegsinfektionen meist, wenn Bakterien von der Haut im Genitalbereich über die Harnröhre in die Harnblase gelangen. Der häufigste Erreger ist das Darmbakterium E. coli.

Bei komplizierten und im Krankenhaus übertragenen Harnwegsinfekten finden sich häufig auch andere Erreger. Pilz- oder Virusinfektionen sind extrem selten.

In manchen Fällen, insbesondere bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten, kann eine angeborene Fehlbildung der Harnwege zu einem erhöhten Risiko führen.

Häufigkeit

Harnwegsinfekte gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen im Kindesalter und stellen die häufigste Ursache für Fieber ohne klinisch ersichtlichen Grund bei Säuglingen dar. Fieber bei Neugeborenen ist in 9–15 % der Fälle auf eine Infektion der Harnwege zurückzuführen.

Mädchen sind außer in der Neugeborenenphase häufiger betroffen als Jungen, da die weibliche Harnröhre kürzer und somit anfälliger für aufsteigende Keime ist. Bis zum Alter von 6 Jahren leiden über 7 % der Mädchen und 1,6 % der Jungen an mindestens einem Harnwegsinfekt. Bis zum Alter von 16 Jahren steigt der Anteil auf 11,3 % der Mädchen und 3,6 % der Jungen.

Untersuchungen

  • Die Diagnose nur anhand der Beschwerden zu stellen, ist vor allem bei Kleinkindern schwierig, da die Symptome eines Harnwegsinfektes sehr unspezifisch sein können und je nach Alter unterschiedlich gut beschrieben werden.
    • Besonders bei Neugeborenen kann es neben Trinkschwäche und Ge­wichtsverlust zur Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht/Ikterus) kommen.
    • Bei Säuglingen und Kleinkindern tritt hohes Fieber, ggf. in Kombination mit Erbrechen und/oder Durchfall auf. Manchmal wird von den Eltern ein veränderter Uringeruch wahrgenommen.
    • Kinder und Jugendliche leiden unter neu einsetzendem Einnässen nach erreichter Harnkontinenz, Unterbauch- und/oder Flankenschmerzen sowie häufigem und schmerzhaftem Wasserlassen.
  • Bei einem HWI der oberen Harnwege ist häufig der Allgemeinzustand beeinträchtigt. Neben Fieber kann der Bauch besonders im Nierenbereich klopf- und druckempfindlich sein.
  • Neben der Temperaturmessung und einer Erhebung des allgemeinen körperlichen Befundes erfolgt eine gezielte Suche nach Genitalveränderungen (z. B. Vorhautverengung und Schamlippenverklebung) oder anderen möglichen Ursachen für die Blasenfunktionsstörungen (z. B. Spina bifida occulta).
  • Mit einem Urinteststreifen kann ein Harnwegsinfekt schnell und relativ sicher nachgewiesen werden.
  • Durch eine mikroskopische Untersuchung des Urins können Bakterien und weiße Blutkörperchen nachgewiesen werden.
  • Eine Urinkultur, in der Bakterien über mehrere Tage wachsen, kann auf typische Bakterien getestet werden.
  • Mithilfe einer Blutuntersuchung können bei Bedarf Entzündungsparameter bestimmt werden.
  • Vor allem bei schwerer Erkrankung sowie bei Neugeborenen und Säuglingen kann eine Blutkultur auf Bakterien untersucht werden.
  • Bei einem fieberhaften Harnwegsinfekt werden Niere und Blase mittels Ultraschall untersucht. Dabei erfolgt auch die Kontrolle, ob eine Harnabflussstörung oder eine angeborene Fehlbildung vorliegt, die das Risiko einer erneuten Infektion erhöht.
  • Weitere Spezialuntersuchungen sind eine kontrastmittelunterstützte Ultraschalluntersuchung, eine Röntgendarstellung der Blase vor und während des Wasserlassens zum Erkennen eines vesikoureteralen Reflux (VUR). Darunter versteht man ein Zurückfließen des Urins von der Blase in die Nieren.
  • Unter bestimmten Umständen können ggf. MRT oder CT nötig sein.

Behandlung

  • Neugeborene und Kleinkinder mit einer schweren Erkrankung werden in der Regel stationär im Krankenhaus behandelt.
  • Eine Harnwegsinfektion bei Kindern wird in erster Linie mit Antibiotika behandelt. Bei Verdacht auf eine Nierenbeckenentzündung soll schnell eine Therapie eingeleitet werden, weil die Nieren von Kindern leicht dauerhaft geschädigt werden können.
  • Wenn lediglich Bakterien im Urin nachgewiesen werden, ohne dass Symptome vorliegen (asymptomatische Bakteriurie), sind Antibiotika in der Regel nicht nötig. Auch bei jugendlichen Mädchen mit unkomplizierten unteren Harnwegsinfekten ohne Komplikationen kann unter engmaschiger Kontrolle vorerst abgewartet werden. Gehen die Symptome innerhalb von 48 Stunden nicht zurück, wird die Antibiotikatherapie eingeleitet.
  • Abhängig vom Alter des Kindes, der Lokalisation des Infektes und der Art der Bakterien stehen verschiedene Präparate zur Verfügung. Meist verschwinden die Beschwerden innerhalb weniger Tage, ansonsten sollte erneut eine ärztliche Untersuchung erfolgen.
  • In den meisten Fällen handelt sich bei einer Harnwegsinfektion um eine einmalige Erkrankung, aber oft und insbesondere bei Mädchen treten erneute Infektionen auf. Wenn sich diese Harnwegsinfektionen häufen, sollte ein individuelles Vorgehen besprochen werden. In manchen Fällen kann eine vorbeugende Antibiotikagabe notwendig sein.
  • Bei einer Nierenbeckenentzündung nach häufigen Infektionen besteht das Risiko von Nierenschäden. In diesem Fall wird das Kind genauer untersucht, um Fehlbildungen des Harntraktes auszuschließen, die weitere gefährliche Infektionen zur Folge haben können.
  • Ein Harnwegsinfekt ist nicht ansteckend. Für die Kinder ist jedoch körperliche Schonung empfohlen, also kein Besuch von Kindergarten/Schule. Während der Infektion besteht zudem Sportverbot.
  • Viel Trinken und häufiges Wasserlassen können die Heilung beschleunigen.

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Harnwegsinfektion bei Kindern. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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