Tuberkulose

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Was ist Tuberkulose?

Definition

Tuberkulose ist eine durch Tuberkelbakterien (Mycobacterium tuberculosis) verursachte Infektionskrankheit. Sie kann so unterschiedliche Organe und Gewebe infizieren wie Knochen, Gehirn oder Harnwege. In den meisten Fällen aber befällt sie die Lunge. Patient*innen mit Lungentuberkulose haben einen hartnäckigen Husten über mehrere Wochen, bei dem immer mehr Sekret abgehustet wird. Sie bekommen Fieber, schwitzen nachts ungewöhnlich stark und nehmen auffällig viel an Gewicht ab.

Nur die aktive Form der Lungentuberkulose, die manchmal „offene Tuberkulose“ genannt wird, ist ansteckend. Alle anderen Organmanifestationen der Tuberkulose sowie die latente Lungentuberkulose, bekannt auch als „geschlossene Tuberkulose“, sind nicht infektiös.

Symptome 

Es wird unterschieden zwischen einem Ausbruch der Symptome innerhalb des ersten Jahres nach Infektion (sog. Primärtuberkulose) oder später im Leben (sog. reaktivierte Tuberkulose).

Insgesamt tritt Tuberkulose am häufigsten als Lungentuberkulose in Erscheinung (zu 65 %). Folgende Symptome kommen typischerweise im Verbund vor:

  • Länger als 3 Wochen andauernder Husten mit zunehmendem Auswurf, dem in seltenen Fällen Blut beigemischt ist.
  • Fieber, starkes Schwitzen während der Nacht, sodass der Schlafanzug gewechselt werden muss.
  • ein ungewollter Gewichtsverlust um mehrere Kilogramm sowie eine Verschlechterung des Allgemeinzustands
  • Seltenere Symptome sind Brustschmerzen und Atemnot.

Nach der Lunge sind am häufigsten die Lymphknoten bei Tuberkulose betroffen (20 %). Selten kommt es zu einer Infektion der Wirbelsäule oder anderer Knochen, die sich durch schmerzhafte Brüche ohne passenden Unfallhergang bemerkbar macht, oder Infektionen der Gelenke, Harnwege, des Gehirns und der umhüllenden Häute von Lunge, Bauchorganen oder Gehirn. Andere Organe als die Lunge sind insgesamt selten betroffen und wenn, dann häufiger bei Frauen und kleinen Kindern.

Ursachen

Die Tuberkelbakterien (Mycobacterium tuberculosis) kommen in mehreren Unterarten vor. Sie breiten sich beim Husten, Niesen oder Sprechen über Tröpfchen in der Luft aus. Die Tröpfchen können sich minuten- bis stundenlang in der Luft halten. Die Ansteckungswahrscheinlichkeit hängt dabei von der Bakterienkonzentration in der Luft und der Dauer des Kontakts ab.

Nicht alle Personen, die sich mit Tuberkelbakterien anstecken, erkranken. Nur 5–10 % der Infizierten entwickeln eine aktive Tuberkulose, ca. die Hälfte im Lauf der nachfolgenden 2 Jahre, die andere Hälfte später. Die anderen tragen das Bakterium in sich, ihr Immunsystem schafft es aber, die Infektion unter Kontrolle zu halten. Man spricht dann von einer latenten Infektion.

Geraten die Tuberkelbakterien über Tröpfchen in die Lunge, werden sie dort von Fresszellen, einer bestimmten Zellart unseres Immunsystems, aufgenommen. Überlebende Bakterien vermehren sich in den Zellen langsam weiter, sodass sich ein lokaler Primärherd (auch Primärkomplex genannt) bildet. Von der Ansteckung bis zur Bildung eines Primärkomplexes dauert es 3–8 Wochen. Nach einigen Wochen werden die Bakterien durch das Immunsystem zerstört. Manchmal verbleiben einige lebensfähige Bakterien in der Lunge oder in anderen Organen und können später eine Reaktivierung und aktive Erkrankung auslösen.

Risikofaktoren

Besonders gefährdet sind Kleinkinder, geschwächte Ältere, Menschen, die an chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Nierenerkrankung leiden, Personen mit medikamentös oder HIV-bedingter Immunschwäche und Schwangere. 

Weitere Risikofaktoren für eine Tuberkulose sind AlkoholmissbrauchDrogenabhängigkeit, Armut, Unterernährung, Obdachlosigkeit und unzureichende Gesundheitsversorgung. 

Häufigkeit

Weltweit ist Tuberkulose eine häufige Erkrankung. Im Jahr 2021 gab es schätzungsweise 10,6 Mio. neue Tuberkulosefälle, rund 1,6 Mio. Menschen starben an Tuberkulose. Ein Großteil der weltweiten Tuberkulosefälle trat in Ländern der Südhalbkugel auf, allein 26 % davon in Indien. Insgesamt soll 1/3 der Weltbevölkerung infiziert sein.

2020 wurden in Deutschland 4.127 neue Tuberkulosefälle gemeldet.

Untersuchungen

  • Im ärztlichen Gespräch werden die Symptome und evtl. Risikofaktoren für Tuberkulose erfragt.
  • Bei der körperlichen Untersuchung wird die Lunge abgehört und das Gewicht gemessen.
  • Bei Verdacht auf Tuberkulose erfolgt eine einfache Röntgenuntersuchung des Oberkörpers. Die Röntgenaufnahme zeigt bei der Lungentuberkulose einen charakteristischen Befund.

Labor

  • Um einen verdächtigen Befund zu bestätigen und um die nötige Therapie zu planen, wird das Auswurfsekret im Labor untersucht. Im Bronchialschleim können die Bakterien nachgewiesen werden. Zudem wird eine mögliche Resistenz der Bakterien gegen Antibiotika überprüft.
  • Ggf. wird eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie) durchgeführt, um Bronchialschleim zu gewinnen.
  • Ein Bluttest (sog. IGRA) kann sowohl eine aktive als auch eine latente Tuberkulose anzeigen.
  • Der früher häufig durchgeführte Tuberkulin-Hauttest wurde weitestgehend durch den zuverlässigeren Bluttest ersetzt. Bei Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahren wird der Hauttest jedoch weiterhin eingesetzt.
  • Blut- und Hauttest können nicht zwischen einer latenten und einer aktiven Tuberkulose unterscheiden und dienen daher nur der Ergänzung der Diagnostik.
  • Zusätzlich wird eine Blutuntersuchung durchgeführt.

Screening

  • Menschen, die in bestimmte Gemeinschaftseinrichtungen wie Pflegeeinrichtungen, Unterkünfte für Menschen ohne festen Wohnsitz, Einrichtungen für Geflüchtete, Asylsuchende und Spätaussiedler*innen oder Justizvollzugsanstalten aufgenommen werden, müssen eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, dass sie nicht an einer ansteckungsfähigen Lungentuberkulose erkrankt sind.
  • In Deutschland wird in bestimmten Bereichen Beschäftigten, die längere Zeit in Ländern mit hoher Tuberkuloserate verbracht haben oder die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit einem Infektionsrisiko ausgesetzt sind, eine Untersuchung auf Tuberkulose empfohlen.

Behandlung

  • Die überwiegende Mehrzahl der Tuberkulosefälle in Deutschland wird im Krankenhaus diagnostiziert und behandelt.
  • Während der Behandlung werden regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt, um den Verlauf zu beurteilen.

Medikamente

  • Tuberkulose wird mit speziellen Antibiotika behandelt, die teilweise nur bei Tuberkulose zum Einsatz kommen. Die Behandlung besteht aus einer Kombination von verschiedenen antibiotischen Substanzen (u. a. Rifampicin, Isoniazid).
  • In der Regel werden 8 Wochen lang 4 Antibiotika gegeben, gefolgt von 4 Monaten mit 2 Antibiotika. Die Behandlung kann ggf. auf insgesamt 9 Monate verlängert werden.
  • Alle Medikamente der Standardtherapie sollten von Beginn an gleichzeitig nüchtern und möglichst 30 min vor dem Frühstück eingenommen werden.
  • Es ist sehr wichtig, die Behandlung vollständig durchzuführen, selbst wenn Sie sich wieder gesund fühlen, denn nur so lässt sich verhindern, dass die Erkrankung erneut ausbricht. Die korrekte Durchführung der Therapie ist auch wichtig, um die Entwicklung von Resistenzen zu vermeiden (Bakterien, gegen die keine Antibiotika mehr helfen).
  • Bei Personen mit einem erhöhten Risiko wird auch eine latente Tuberkulose mit Antibiotika behandelt, sodass einem späteren Ausbrechen der Krankheit vorgebeugt wird.

Nebenwirkungen

  • Die verwendeten Medikamente können verschiedene Nebenwirkungen haben. Insbesondere bei Patient*innen mit Lebererkrankungen werden regelmäßige Kontrollen der Leberwerte empfohlen.
  • Wenn Isoniazid eingesetzt wird, sollte zusätzlich Vitamin Beingenommen werden, um einer Störung der Nervenfunktion vorzubeugen.
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