Prostatavergrößerung, gutartige

Prostatavergrößerung, gutartige

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Was ist eine gutartige Prostatavergrößerung?

Definition

Eine gutartige Zunahme des Gewebes in der Prostata wird medizinisch als benigne Prostatahyperplasie (BPH) bezeichnet. Im Laufe der Zeit kann die Größenzunahme der Prostata bei manchen Patienten zu einer Harnabflussstörung führen. Dies liegt daran, dass die Harnröhre durch die Prostata hindurch verläuft und bei Wachstum der Prostata eingeengt wird.

Symptome

Im Frühstadium treten oft noch keine Symptome auf, die Entdeckung der Prostatavergrößerung erfolgt zufällig in der urologischen Praxis oder in einer Ultraschalluntersuchung. Typische Symptome im Verlauf sind ein verzögerter Beginn beim Wasserlassen, unterbrochenes Wasserlassen (Harnstottern), das Gefühl, stark pressen zu müssen, sowie ein schwacher Harnstrahl. Manche Patienten leiden unter häufigem Wasserlassen mit jeweils nur geringen Mengen. Nicht selten besteht nach dem Toilettengang immer noch ein Harndrang, und Urin kann noch ungewollt nachtropfen. Auch in der Nacht können die Betroffenen einen Harndrang verspüren. Zusammengefasst spricht man dann von Symptomen des unteren Harntrakts (engl. Lower Urinary Tract Symptoms, LUTS). Ist die Prostata deutlich vergrößert, kann es zu Abflussstörungen kommen. Eventuell verbleibt Restharn in der Blase. Dadurch kommt es leichter zu Harnwegsinfekten oder Blasenentzündungen mit brennenden Schmerzen beim Wasserlassen. Manchmal fällt die Prostatavergrößerung erst durch einen plötzlichen Harnverhalt auf, das heißt, der Patient kann kein Wasser mehr lassen trotz stark gefüllter Blase und Unterbauchschmerzen.

Ursachen

Die Ursache für die Vergrößerung ist hormonell und noch nicht komplett geklärt. Die Bildung von Testosteron ist Grundvoraussetzung für eine BPH. Entzündungsprozesse und weitere Erkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes mellitus führen zu einer zunehmenden Verschlechterung.

Die Beschwerden entstehen, weil die Harnröhre von der Blase durch die Prostata verläuft. Wenn die Prostata sich zunehmend vergrößert, wird die Harnröhre zusammengedrückt, was zu einer Harnabflussstörung und den o. g. Beschwerden führt. Zusätzlich kann es durch nicht vollständig entleerten Harn und das vermehrte Pressen zu einer überaktiven Blase kommen mit sehr häufigem Harndrang. 

Häufigkeit

Eine BPH ist eine häufige Erkrankung des Mannes in höherem Alter. 30 % der Männer über 50 haben eine behandlungsbedürftige Prostatahyperplasie mit Beschwerden.

Untersuchungen

Untersuchung der Prostata
Untersuchung der Prostata

In der Praxis werden Ihnen einige Fragen zu Ihren Beschwerden gestellt werden sowie zu Begleiterkrankungen und evtl. Familienanamnese. Wichtig ist, alle Symptome anzugeben und mit Ihren Ärzt*innen zu besprechen, auch wenn das Ihnen erst schwerfällt.

Der Urin wird überprüft werden auf Blut oder Entzündungszeichen meist mithilfe eines Urinstix. Im Blut werden oft die Nierenwerte bestimmt und Begleiterkrankungen wie Diabetes evtl. ausgeschlossen. Umstritten ist die Bestimmung des PSA-Wertes. Dieser stiegt sowohl bei gutartiger Prostatavergrößerung als auch bei Prostatakrebs an.  Allein durch eine erstmalige Bestimmung ist daher keine Unterscheidung zwischen gutartiger Vergrößerung und Krebs möglich. Er kann aber hilfreich sein bei Verlaufs- oder Therapiekontrollen sowie in Zusammenschau mit einem auffälligen Ultraschallbefund.

Bei der ärztlichen Untersuchung kann die Prostata mit einem Finger im Enddarm ertastet werden. Auf diese Weise können u. U. Anhaltspunkte dafür gewonnen werden, ob eine gutartige Prostatavergrößerung vorliegt oder weitere Untersuchungen notwendig sind, z. B. um Prostatakrebs auszuschließen. Bei einer vollen Harnblase lässt sich die Blase im unteren Bauchraum ertasten.

Im Ultraschall können die Nieren, Blase und Prostata dargestellt werden. Die Prostata kann ausgemessen werden und evtl.  der Restharn in der Blase nach Wasserlassen bestimmt werden. Auch ein Aufstau des Urins bis in die Nieren kann ausgeschlossen werden.

Überweisung zu Spezialist*innen

Eine Überweisung zur urologischen Praxis ist nur in bestimmten Fällen notwendig, wenn die Symptome besonders ausgeprägt sind, die Therapie keine Wirkung zeigt oder weitere Abklärungen erfolgen sollen. Die Urolog*innen können dann eventuell verschiedene Untersuchungen durchführen, z. B.:

  • Transrektale Sonografie: Ein Ultraschall, wobei die Sonde durch den Enddarm eingeführt wird. Dies kann zu einer genauen Messung der Prostatagröße notwendig sein oder um eine Gewebeprobe (Biopsie) durchzuführen.
  • Biopsie: Eine Gewebeprobe aus der Prostata, um in unklaren Fällen ein Prostatakarzinom auszuschließen. Dazu wird meist mittels einer transrektalen Sonografie unter lokaler Betäubung eine Nadel wenige Millimeter weit in die Prostata geführt. Die Gewebeproben werden später unter dem Mikroskop untersucht.
  • Zystoskopie: Bei dieser Untersuchung wird unter lokaler Betäubung ein dünner Schlauch mit Kamera durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. So können krankhafte Veränderungen im Harnleiter und der Blase erkannt werden.
  • Urodynamik oder Blasendruckmessung: Untersuchung zur Unterscheidung bei schwachem Harnstrahl oder Restharn, ob ursächlich eine Prostatavergrößerung oder eine Unterfunktion der Blasenmuskulatur verantwortlich ist.

Behandlung

Die Behandlung zielt darauf ab, Beschwerden zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und Komplikationen vorzubeugen.

Falls kein hoher Leidensdruck besteht, kann mit den Ärzt*innen ein zunächst abwartendes Vorgehen mit regelmäßigen Kontrollen besprochen werden.

Medikamentöse Therapie

Wenn Sie Beschwerden aufgrund einer BPH haben, gibt es Medikamente, die die Prostata verkleinern können oder zu einer Entspannung der Blasen- und Prostatamuskulatur führen.  Dadurch kommt es in vielen Fällen bereits zu einer Linderung der Beschwerden und einer Verlangsamung des Prostatawachstums, sodass kein operativer Eingriff notwendig ist.

Phytotherapie (pflanzliche Medikamente): nur möglich bei Patienten mit leichten Beschwerden.  Hieru gibt es wenige wissenschaftliche Daten, deshalb können pflanzlich Medikamente nicht allgemein empfohlen werden. Bei Betroffenen, die das wünschen, können z. B. Sägepalmenextrakte eingesetzt werden. Für diese wurde in Studien eine Wirksamkeit beschrieben.

Alpha-1-blocker: Sie bewirken über eine Rezeptorblockade eine Entspannung der Muskulatur am Blasenhals und in der Prostata, sodass der Urin leichter abfließen kann. Der Effekt tritt rasch ein, und gerade bei sehr häufigem Harndrang kommt es zu einer deutlichen Besserung. Das Medikament beeinflusst allerdings nicht die Größe der Prostata und verlangsamt nicht das Wachstum. Wie bei jedem Medikament können auch Nebenwirkungen auftreten. Bei Alphablockern wurden vor allem Schwindel, Müdigkeit, Kopfschmerzen und niedriger Blutdruck beschrieben.  Beispiele für Wirkstoffe sind Tamsulosin, Doxazosin, Terazosin oder Alfuzosin.

5-Alpha-Reduktase-Hemmer: Diese blockieren die Umwandlung und damit auch Wirkung von Testosteron. Es kommt zum Absterben von Prostatazellen und damit zu einer Verkleinerung der Prostata. Dabei kann in einem Zeitraum von 6–12 Monaten die Prostatagröße um bis zu 30 % verringert werden. Eine Besserung der Symptome ist aber erst nach mehreren Monaten zu erwarten. Mögliche Nebenwirkungen sind sexuelle Funktionsstörungen. Sollten Sie Veränderungen bemerken, sprechen Sie bitte mit ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Beispiel für Wirkstoffe sind Finasterid oder Dutasterid.

Seltener eingesetzt werden Muskarinrezeptor-Antagonisten wie Oxybutynin oder Solifenacin, die gut wirken gegen Symptome wie häufiges Wasserlassen oder Inkontinenz. Tadalafil, ein Phosphodiesterasehemmer, ist in der Wirkung mit den Alpha-1-Blockern vergleichbar und wird auch bei Erektionsstörungen eingesetzt.

Oft wird auch eine Kombination aus den oben aufgeführten Medikamenten benutzt.

Operative Therapie

Eine Operation ist Therapie der Wahl, wenn Sie unter häufigen Harnwegsinfektionen leiden, es wiederholt zum Harnverhalt gekommen ist oder ein Aufstau bis in die Nieren besteht. Auch wiederholt blutiger Urin oder Veränderungen in der Harnblase (Steine oder Ausstülpungen der Schleimhaut) sind ein Grund zur Operation. Dabei gibt es heutzutage viele unterschiedliche Verfahren, die letztendlich alle die Verkleinerung der Prostatagröße bezwecken.

Das Standardverfahren ist die sog. transurethrale Prostataresektion (TUR-P), bei der die Operateur*innen ein dünnes, biegsames Rohr in die Harnröhre einführen und Teile der Prostata, die den Abfluss behindern, entfernen. Es können auch andere Techniken wie Laser, Gefäßverödung oder Hitze je nach individueller Situation eingesetzt werden.

Autorin

  • Angelika Eisenried, Dr. med, Fachärztin für Allgemeinmedizin, München

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Benigne Prostatahyperplasie (BPH). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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