Fibromyalgiesyndrom

Fibromyalgiesyndrom

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Was ist das Fibromyalgiesyndrom?

Definition

Das Fibromyalgiesyndrom/Fibromyalgie ist ein Symptomkomplex, der durch chronische Schmerzen in Muskeln, Knochen und Gelenken mit Schlafstörungen und Erschöpfungsneigung gekennzeichnet ist. Den Beschwerden liegt keine organische Ursache zugrunde, die Beschwerden sind ungefährlich im Sinne einer normalen Lebenserwartung.

Fibromyalgie wird umgangssprachlich auch als „Weichteilrheuma“ bezeichnet.

Symptome

Typische Symptome sind anhaltende Schmerzen in Muskeln, Knochen und Gelenken, die sich über den Körper ausbreiten können. Der Schmerzcharakter ist individuell unterschiedlich, z. B. brennend, dumpf, schneidend, bohrend.

Patient*innen mit Fibromyalgie fühlen sich oft erschöpft, wenn sie morgens aufwachen. Der Schlaf wird dabei als nicht erholsam beschrieben. Patient*innen berichten von allgemeiner Müdigkeit mit Erschöpfungsneigung und Konzentrationsstörungen. Auch leiden Patient*innen oft unter Kopfschmerzen sowie Schmerzen und Krämpfen im Unterleib.

Die Beschwerden können wechselhaft sein und insbesondere durch Stress und Wetterveränderungen verstärkt werden.

Ursachen

Die genaue Ursache ist bisher unbekannt. Es wird davon ausgegangen, dass viele verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Vermutlich führt eine genetische Veranlagung im Zusammenspiel mit biologischen, psychischen und sozialen Faktoren zur Entwicklung der Krankheit. Dies wird als „Bio-Psycho-Soziales Modell“ bezeichnet.

Es ist möglich, dass Veränderungen des Nervensystems im Rahmen der Schmerzverarbeitung zu Symptomen führen, sodass Schmerzen intensiver empfunden werden. Veränderungen betreffen möglicherweise auch die Vermittlung von biochemischen Botenstoffen, die Reize zwischen Nervenzellen vermitteln, Funktionen des sympathischen Nervensystems oder kleine Nervenfasern.

Es gibt auch Faktoren, die mit einem Fibromyalgiesyndrom assoziiert sind:

Häufigkeit

  • Die Erkrankung tritt in allen Altersgruppen auf, beginnt aber häufig zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr.
  • International liegt die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten der Erkrankung zwischen 0,4 und 8,8 %.
  • In Deutschland sind etwa 1,5 Millionen Menschen betroffen.
  • Frauen erkranken häufiger an Fibromyalgie als Männer.

Untersuchungen

Die Diagnose wird nach bestimmten Kriterien festgelegt und beruht in erster Linie auf der Anamnese, der ärztlichen Untersuchung und dem Ausschluss körperlicher Erkrankungen.

In die Diagnosekriterien werden Fragebögen einbezogen, um Symptome, Schmerzorte und Symptomschwere abzufragen. Das Ergebnis kann die Diagnosestellung unterstützen. Es gibt allerdings keinen Test, der ein Fibromyalgiesyndrom eindeutig feststellt oder beweist.

Die deutsche Leitlinie, die Handlungsempfehlungen für Ärzt*innen darstellt, empfiehlt die modifizierten Diagnosekriterien des American College of Rheumatology (ACR) von 2010. Die Untersuchung von sog. druckschmerzhaften Körperstellen („Tender Points“) wird darin nicht mehr empfohlen.

Fibromyalgie-Fragebogen

Der Fragebogen erfragt bestimmte Schmerzorte und weitere eventuell vorliegende Symptome:

Schmerzorte

  • Kiefer jeweils links/rechts
  • Schultergürtel jeweils links/rechts
  • Oberarm jeweils links/rechts
  • Unterarm jeweils links/rechts
  • Nacken
  • Oberer Rücken
  • Unterer Rücken
  • Brust
  • Bauch
  • Hüfte/Gesäß jeweils links/rechts
  • Oberschenkel jeweils links/rechts
  • Unterschenkel jeweils links/rechts

Weitere Symptome

  • Tagesmüdigkeit
  • Morgenmüdigkeit/nicht erholsamer Schlaf
  • Probleme beim Denken oder Gedächtnis
  • Schmerzen oder Krämpfe im Unterbauch
  • Depression
  • Kopfschmerz

Körperliche Untersuchung/Blutuntersuchung

Neben der körperlichen Untersuchung mit Inspektion der Haut und werden die neurologischen und orthopädischen Befunde erhoben.

Ein Basislabor ergänzt die Diagnosestellung:

Psychologisches Screening

Darüber hinaus wird ein Screening auf vermehrte seelische Symptombelastung (Angst und Depression) empfohlen.

Diagnosestellung

Normalbefunde stützen die Diagnose Fibromyalgiesyndrom. Auffälligkeiten in Anamnese, Untersuchung und Blutwerten sind Hinweise auf andere zugrunde liegende Erkrankungen und sollten weiter abgeklärt werden.

Wenn durch eine gründliche ärztliche Untersuchung und die gewonnenen Informationen eine schwere Erkrankung ausgeschlossen werden kann, sind weiterführende Untersuchungen – insbesondere eine Bildgebung – nicht empfohlen, denn Überdiagnostik und -therapie mit dem Fokus auf körperliche Ursachen können eine Rolle als Krankheitsverstärkung spielen.

Mögliche andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen

Behandlung

Das Behandlungsziel ist es, die Symptomatik zu reduzieren. Schmerzen sollen verringert werden und die Schlafqualität verbessert werden, sodass Arbeitsfähigkeit und Alltagsbewältigung erhalten bleibt. Die Symptome kann man lindern, die Erkrankung selbst lässt sich meist nicht direkt heilen.

Eine optimale Behandlung erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Die Behandlung sollte auf das Schmerzniveau und die Funktion der einzelnen Patient*innen sowie Begleitumstände wie Depressionen, Müdigkeit und Schlafstörungen zugeschnitten werden.

Medikamente

Medikamente haben in der Regel nur geringe Auswirkungen bei Fibromyalgie. Der Einsatz von klassischen Schmerzmitteln wird nicht empfohlen. Amitryptilin ist ein trizyklisches Antidepressivum und wirkt sich in niedriger Dosierung positiv auf Schmerzen, Schlaf und Wohlbefinden aus, es wird als sog. „Co-Analgetikum“ verordnet. In höherer Dosierung wird es als Mittel bei Depressionen eingesetzt.

Bei Patient*innen mit diagnostizierter Angststörung oder Depression können bestimmte Medikamente vorübergehend sinnvoll sein (Pregabalin, Duloxetin).

Nicht empfohlen werden Opioidpräparate, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Muskelrelaxanzien oder Beruhigungsmittel.

Multimodale Schmerztherapie

Die sog. multimodale Therapie verfolgt einen multidisziplinären Ansatz und hat sich bei der Behandlung der Fibromyalgie bewährt. Diese besteht aus einer Kombination von mindestens einem aktivierenden Verfahren mit mindestens einem psychotherapeutischen Verfahren. Das Programm soll mindestens 24 Therapiestunden umfassen.

Aktivierende Verfahren

  • Ausdauertraining mit geringer bis mittlerer Intensität (z. B. schnelles Spazierengehen, Walking, Fahrradfahren bzw. Ergometertraining, Tanzen, Aquajogging), 2–3 x pro Woche über mindestens 30 min
  • Wassergymnastik (Flexibilitäts-, Koordinations- und Kräftigungsübungen) mit geringer bis mittlerer Intensität mit einer Häufigkeit von 2–3 x pro Woche über mindestens 30 min
  • Trockengymnastik (Flexibilität-, Koordinations- und Kräftigungsübungen) mit geringer bis mittlerer Intensität 2–3 x pro Woche über mindestens 30 min

Psychotherapeutische Verfahren

  • Kognitive Verhaltenstherapie oder Patientenschulung

Komplementäre Verfahren

  • Qi-Gong, Tai-Chi oder Yoga
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