Polymyalgia rheumatica
Polymyalgia rheumatica
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Was ist Polymyalgia rheumatica (PMR)?
Definition
Polymyalgia rheumatica ist wie die Arteriitis temporalis wahrscheinlich eine Erscheinungsform einer sog. Riesenzellarteriitis, einer Entzündung der großen Blutgefäße (Schlagadern). Polymyalgia rheumatica (PMR) ist eine entzündliche rheumatische Erkrankung, die schwer zu diagnostizieren ist, da sich die Symptome stark unterscheiden können. Am häufigsten treten beidseitige Schulterschmerzen auf.
Arteriitis temporalis (AT) ist eine Entzündung der Blutgefäße des Kopfes, die am häufigsten die Schläfenarterie (A. temporalis) betrifft. Typisch für diese Krankheit sind neu auftretende starke Kopfschmerzen, Schmerzen beim Kauen und Sehstörungen.
Symptome
Die Krankheit entwickelt sich oft über einige Tage bis Wochen. Häufig klagen Betroffene über Fieber, Übelkeit, Müdigkeit, Schwäche, Niedergeschlagenheit, Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust.
Bei der Polymyalgia rheumatica (PMR) leiden Patient*innen meist an Schmerzen und Steifheit in den Schultern und/oder Hüften, manchmal auch im Nacken. Morgensteifigkeit ist ein typisches Symptom. Diese ist oft so ausgeprägt, dass die Betroffenen Probleme haben, aus dem Bett zu kommen, sich anzuziehen und/oder ihre Arme über den Kopf zu heben. Einige berichten auch über leicht ausgeprägte Gelenkentzündungen in Knien oder Händen. Häufig besteht begleitend eine depressive Verstimmung.
Ursachen
Beide Erkrankungen sind wahrscheinlich auf eine chronische Entzündung der Arterienwände (Arteriitis) zurückzuführen. Der Grund, weshalb diese Entzündung auftritt, ist nicht genau geklärt, es wird davon ausgegangen, dass Antikörper gegen körpereigene Strukturen gebildet werden, die dann eine Entzündung dieser Strukturen auslösen. Dies ist ein Beispiel für eine sog. Autoimmunerkrankung. Es wird angenommen, dass sowohl äußere (wahrscheinlich Infektionen) als auch erbliche Faktoren zur Entstehung der Krankheit beitragen.
Einige Betroffene leiden gleichzeitig an PMR und AT. 30–70 % der Patient*innen mit Arteriitis temporalis zeigen auch Symptome der Polymyalgie („Vielmuskelschmerz“). 40–50 % der Patient*innen mit Polymyalgia rheumatica haben auch Arteriitis temporalis.
Häufigkeit
Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 3,5 von 100.000 Einwohnern neu an diesen Krankheiten. Fast alle Patient*innen sind älter als 50 Jahre, im Durchschnitt liegt der Krankheitsbeginn um das 70. Lebensjahr. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Untersuchungen
- Wie bereits erwähnt, ist die Diagnose PMR oft schwer zu stellen. Verschiedene andere, meist ebenfalls sog. rheumatische Krankheiten, gehen mit sehr ähnlichen Beschwerden einher.
- Insbesondere bei Patient*innen über 50 Jahre mit beidseitigen Schulterschmerzen und erhöhten Entzündungswerten (BSG oder CRP) sollte an PMR gedacht werden.
- Die Diagnosestellung geht zunächst hauptsächlich von der Krankengeschichte und zusätzlich dem Ausschluss anderer Krankheiten mit ähnlichen Symptomen aus.
- Die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) ist in der Regel deutlich erhöht. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit normalisiert sich nach der Behandlung schnell und stellt, zusammen mit einer Verbesserung der Symptome, ein gutes Maß für die Wirksamkeit einer Behandlung dar.
- Der CRP-Wert (ein weiterer Entzündungsmarker) ist ebenfalls häufig erhöht, was jedoch auch bei vielen anderen Erkrankungen der Fall ist.
- Zum Ausschluss anderer Erkrankungen wird das Blut auch auf Autoantikörper (ANCA und ANA) untersucht.
- Bildgebende Verfahren können Entzündungen der Schultergelenke aufzeigen.
Behandlung
- Je nach Beschwerden und Stadium der Erkrankung kann die Therapie ambulant oder in einer Klinik erfolgen.
- Kortisontabletten werden eingesetzt, um die chronische Entzündung zu stoppen. Häufig ist eine deutliche Verbesserung der Erkrankung schon wenige Stunden nach Beginn der Behandlung zu beobachten.
- Dosierung und Dauer der Kortison-Therapie werden individuell angepasst.
- Die Kortison-Dosis muss stufenweise über einen längeren Zeitraum wieder reduziert werden, und es ist sehr wichtig, den Anweisungen der Ärzt*innen Folge zu leisten, um schwerwiegende Nebenwirkungen zu vermeiden.
- Für einige Patient*innen kann eine niedrig dosierte (5–10 mg) Erhaltungsbehandlung mit einem Kortisonpräparat über ein paar Jahre hinweg indiziert sein, weil die Symptome wiederkehren oder sich auf konstantem Niveau halten.
- Neben Kortison können auch spezielle andere sog. immunsuppressive (das Immunsystem dämpfende) Medikamente hilfreich sein. Bei PMR kann Methotrexat eingesetzt werden, wenn Rückfälle auftreten oder eine lange Kortisontherapie zu Nebenwirkungen führt.
Verlaufskontrollen
- Es ist wichtig, regelmäßige Verlaufskontrollen wahrzunehmen – zum einen, um die Wirksamkeit der Therapie zu kontrollieren, aber auch um mögliche Nebenwirkungen der Kortisoneinnahme frühzeitig zu erkennen.
- Bei Anzeichen von Nebenwirkungen oder neu aufgetretenen oder zunehmenden Beschwerden sollten Sie sich zeitnah bei Ihrer Arztpraxis melden.
- Die Einnahme von Kortison erhöht das Risiko von Geschwüren und Blutungen im Magen-Darm-Trakt, insbesondere in Kombination mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR). Ggf. ist es sinnvoll, als Schutz zusätzlich sog. Protononenpumpenhemmer anzuwenden.
- Da die langfristige Anwendung von kortisonhaltigen Medikamenten das Risiko für die Entwicklung von Osteoporose erhöht, ist es meist ratsam, ergänzend regelmäßig Kalzium und Vitamin D einzunehmen. Körperliche Aktivität ist zudem wichtig zur Vorbeugung von Osteoporose.
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