Borreliose nach Zeckenstich

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Was ist Borreliose?

Definition

Die Borreliose (oder Lyme-Borreliose) ist eine Infektion mit Bakterien des Stammes Borrelia. Sie wird durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen.

Die Erkrankung ist mit unterschiedlichen Symptomen verbunden. Sie wird in verschiedene Stadien unterteilt: Eine lokale Infektion der Haut um die Einstichstelle herum, eine allgemeine Infektion des Organismus, die sich im Nervensystem oder in den Gelenken bemerkbar macht, und eine späte Phase der Infektion, die zu Hautveränderungen oder Nervenbeteiligungen führt.

In allen Stadien der Erkrankung werden Antibiotika verabreicht. Nur so kann ein Fortschreiten und Ausbreiten der Infektion sicher verhindert werden.

Symptome

Frühes Stadium: lokale Hautinfektion

Die Borreliose beginnt in den meisten Fällen (ca. 80–90 %) mit der Wanderröte (Erythema migrans). Hierbei tritt rund 1 Woche (3–30 Tage) nach einem Zeckenstich ein typischer roter, ringförmiger Hautausschlag von mindestens 5 cm Durchmesser auf, der sich von der Einstichstelle aus langsam ausbreitet (in die Peripherie „wandert“, daher die Bezeichnung Wanderröte) und im Zentrum häufig abblasst. Der Hautausschlag kann aber auch weniger typisch erscheinen.

Die Wanderröte muss unterschieden werden von einer unspezifischen lokalen Entzündungsreaktion, die nach jedem Insektenstich in den ersten Tagen auftreten kann. Nicht immer wird der Zeckenstich selbst bemerkt. Dann kann die Wanderröte der erste Hinweis auf eine Borreliose sein.

In seltenen Fällen und bevorzugt bei Kindern kann sich ein sog. Borrelien-Lymphozytom bilden. Das ist ein rot-bläuliches, schmerzunempfindliches Knötchen am Ohrläppchen, an der Brustwarze oder im Genitalbereich.

Ringförmiger Hautausschlag nach einem Zeckenstich
Ringförmiger Hautausschlag nach einem Zeckenstich

Frühes Stadium: Streuung des Erregers im gesamten Organismus

Wird die Borreliose nicht behandelt, können sich die Bakterien über die Blutbahn auf andere Teile des Körpers ausbreiten und nach einigen Wochen bis Monaten zu Beschwerden am Nervensystem, an den Gelenken oder am Herzen führen. Den Symptomen dieses Stadiums geht häufig eine Wanderröte voraus. In etwa der Hälfte der Fälle bildet sich keine Wanderröte aus, teilweise bleibt die Rötung auch unbemerkt. In solchen Fällen sind die Beschwerden der bakteriellen Ausbreitung die ersten Zeichen einer Borreliose.

Die Infektion des Nervensystems äußert sich bei Kindern häufig als Hirnhautentzündung mit Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und einem steifen Nacken. Angegriffene Nervenwurzeln können auch Schmerzen verursachen. Typisch ist überdies eine Lähmung des Gesichtsnerven (Fazialisparese) mit hängendem Augenlid und Mundwinkel, nicht selten auf beiden Seiten.

Neben dem Nervensystem können auch die Gelenke betroffen sein, meist in Gestalt eines einzelnen geschwollenen, überwärmten und schmerzhaften Gelenks, z. B. des Kniegelenks.

Selten verursacht die Borreliose auch eine Entzündung des Herzbeutels oder des Herzmuskels. Hinweise darauf sind allgemeine Erschöpfung und Schmerzen in der Brust. Ebenfalls selten äußert sich die Borreliose in diesem Stadium durch mehrere Hautrötungen, die über den ganzen Körper verteilt sind.

Spätphase

Erkrankte Personen, die im Frühstadium nicht oder nicht richtig behandelt wurden, können längerfristig an Symptomen leiden. Das klassische Krankheitsbild des Spätstadiums sind bleibende Hautveränderungen (Acrodermatitis chronica atrophicans). Sie beginnen meist an den Beinen und führen zu bläulich-roten Verfärbungen sowie zu dünner und rissiger Haut an diesen Stellen. Auch die Gelenk- und die Hirnhautentzündung des frühen Stadiums können in seltenen Fällen über lange Zeit anhalten. Insbesondere eine neurologische Spätmanifestation gilt es zu vermeiden.

Ursachen

Borreliose wird durch eine Infektion mit bestimmten Bakterien (Borrelien) verursacht, die durch Zeckenstiche übertragen werden.

Borrelien vermehren sich in vielen Tieren in freier Wildbahn wie auch in Haus- und Nutztieren. Die blutsaugenden Zecken nehmen die Bakterien während der Blutmahlzeit in sich auf und verbreiten sie auf demselben Weg auch weiter.

Die Durchseuchung der Zecken mit Borrelien unterscheidet sich je nach Region, eine Infektion mit Borrelien kann jedoch in ganz Deutschland auftreten. 

Zecken sind ab einer Temperatur von etwa 6 °C aktiv. Infektionen treten daher vor allem in den Sommermonaten auf.

Die Übertragung der Borrelien auf den Menschen erfolgt bei einem Zeckenstich in aller Regel erst nach 12 Stunden. Daher ist das frühzeitige Auffinden und Entfernen der Zecke nach einem Aufenthalt im Freien der wirksamste Schutz vor einer Infektion.

Häufigkeit

  • In Deutschland treten schätzungsweise 60.000–200.000 Erkrankungen pro Jahr auf.
  • Nach einem Zeckenstich lassen sich bei 2,6–5,6 % der Betroffenen Antikörper gegen Borrelien im Blut nachweisen. Nur ein kleiner Teil dieser Infizierten erkrankt. Insgesamt ist bei 0,3–1,4 % der Zeckenstiche mit Krankheitssymptomen zu rechnen.
  • Das heißt, bei 100 Personen mit Zeckenstich kommt es bei gerundet bis zu 5 Personen (5/100 = 5 %) zu einem Kontakt mit Borrelien und zur Bildung von Antikörpern.
  • Bei nur rund 1 Person kommt es zu Krankheitssymptomen (1 %).
  • Mindestens 95 Personen (95 %) erleben den Zeckenstich ohne jegliche Folgen.

Untersuchungen

  • Bei einem Zeckenstich ist es wichtig, die Zecke schnell von der Haut zu entfernen (s. u.).
  • Beobachten Sie die Einstichstelle über die nächsten 6 Wochen und suchen Sie ärztlichen Rat, wenn sich eine Rötung bildet, die den Kriterien einer Wanderröte entspricht. Auch Symptome wie Gelenkschmerzen und Zeichen einer Hirnhautentzündung sollten abgeklärt werden.
  • Einer Borreliose liegt ein Zeckenstich zugrunde, nicht immer ist ein solcher aber erinnerlich, vor allem wenn er an einer schwer einsehbaren Stelle lag.
  • Bei einer typischen Wanderröte sind keine weiteren Untersuchungen erforderlich.

Labor

  • Wenn aufgrund anderer Symptome der Verdacht auf Borreliose besteht, sollte eine Blutuntersuchung auf Antikörper erfolgen bzw. bei Verdacht auf eine Neuroborreliose zusätzlich eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquor). Nach 6–8 Wochen ist so gut wie bei allen Erkrankten eine Antikörperreaktion nachweisbar.
  • Diese Antikörper können viele Jahre im Blut und ggf. im Liquor nachweisbar bleiben und eignen sich nicht, den Erfolg der Therapie zu bewerten. Hinzu kommt, dass bis zu 25 % aller Menschen in Deutschland, die älter als 70 Jahre sind, positive Antikörpertests auf Borrelien im Blut haben; nur ein kleiner Teil dieser Personen war jemals an einer Borreliose erkrankt, viele hatten jedoch irgendwann Kontakt, und das eigene Immunsystem hat die Erreger selbst erfolgreich abgewehrt.
  • In bestimmten Fällen wird zusätzlich eine Bakterienkultur angelegt, um die Erreger nachzuweisen.

Behandlung

  • Zeckenstiche ohne weitere Krankheitssymptome werden nicht mit Antibiotika behandelt.
  • Gegen Borreliose in allen Stadien gibt es wirksame Antibiotika wie z. B. Doxycyclin und Amoxicillin. Bei der Wahl des Wirkstoffs werden neben dem Infektionsstadium das Patientenalter sowie eine mögliche Schwangerschaft berücksichtigt.
  • Doxycyclin sollte mit einem Abstand von 2–3 Stunden zu Nahrungs- und Arzneimitteln mit Aluminium, Kalzium, Magnesium, Eisen, Aktivkohle und Colestyramin (gegen erhöhte Blutfettwerte) eingenommen werden, da diese die Aufnahme von Doxycyclin beeinträchtigen können.
  • Die Länge der Behandlung hängt vom Krankheitsstadium ab. Bei einer Wanderröte sind in den meisten Fällen 10–14 Tage ausreichend, wenn weitere Symptome bestehen, erfolgt eine Behandlung über 21 Tage.
  • Bei Hautveränderungen in der Spätphase und bei Gelenkentzündungen wird die Einnahme von Antibiotika über 30 Tage empfohlen.
  • Eine Neuroborreliose wird 2–3 Wochen behandelt. In der Regel reicht die Einnahme von Tabletten, manchmal werden auch Infusionen empfohlen.
  • Liegen nach der antibiotischen Therapie weiterhin Symptome vor, hilft eine verlängerte Antibiotikatherapie wahrscheinlich nicht.
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