Hyperparathyreoidismus
Hyperparathyreoidismus
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Was ist ein Hyperparathyreoidismus?
Definition
Die vier Nebenschilddrüsen, auch als Epithelkörperchen oder Glandulae parathyreoideae bezeichnet, liegen meist in unmittelbarer Nachbarschaft zu den beiden oberen und unteren Polen der Schilddrüse und produzieren das sog. Parathormon (PTH). Dieses Hormon ist für die Regulierung des Kalziumspiegels im Blut verantwortlich. Beim Hyperparathyreoidismus produzieren die Nebenschilddrüsen zu viel dieses Botenstoffes, wodurch übermäßig Kalzium aus den Knochen freigesetzt wird.
Symptome
Die meisten Patient*innen zeigt zunächst keine Symptome. Liegen Symptome vor, sind sie oft nur milde ausgeprägt und nicht besonders typisch. Sie können sich z. B. in Form von Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen, Verdauungsstörungen, vermehrtem Harndrang und starkem Durst äußern.
Da das PTH den Abbau von Kalzium aus dem Skelett fördert, kann es im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf zu Knochenbrüchen infolge von Knochenschwund (Osteoporose) kommen. Infolge der erhöhten Kalziumausscheidung über die Nieren weisen erkrankte Personen in ihrer Krankheitsgeschichte häufig auch Nierensteine auf. Zudem können Knochenschmerzen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Atemstörungen auftreten.
Ursachen
Eine Überproduktion der Nebenschilddrüsen wird in mehr als 80 % der Fälle aufgrund eines gutartigen Tumors, eines sog. Adenoms ausgelöst. In 5–20 % ist eine Nebenschilddrüsenvergrößerung oder sehr selten (< 1 %) ein Karzinom die Ursache für die erhöhte Hormonausschüttung. Man spricht dabei von einem primären Hyperparathyreoidismus (pHPT).
Beim sekundären Hyperparathyreoidismus (sHPT) kommt es aufgrund eines Kalziummangels, der durch eine andere Erkrankung, z. B. eine Nierenschwäche, ausgelöst wird, zu einem erhöhten Bedarf an Parathormon, das die Nebenschilddrüsen dann vermehrt produzieren.
Von einem tertiären HPT spricht man bei einer irreversiblen Überstimulation von PTH im Rahmen eines anhaltenden sekundären HPT.
Häufigkeit
Etwa 0,1–0,3 % der Bevölkerung leiden an einer autonomen PTH-Überproduktion (pHPT). Der primäre Hyperparathyreoidismus tritt gehäuft nach dem 50. Lebensjahr auf und ist bei Frauen 3-mal häufiger als bei Männern. Da die Erkrankung oft ohne Symptome auftritt, ist sie wahrscheinlich unterdiagnostiziert.
Die Häufigkeit des sekundären Hyperparathyreoidismus hängt vor allem von der chronischen Niereninsuffizienz ab. Ein sHPT tritt bei nahezu allen Patient*innen mit Niereninsuffizienz im Endstadium auf.
Untersuchungen
- Da sich der primäre Hyperparathyreoidismus oft nur durch wenige und unspezifische Symptome äußert, ist er üblicherweise schwer zu diagnostizieren. In den meisten Fällen sind es zufällige Befunde, die den Verdacht auf diese Erkrankung lenken.
- Zeigt die körperliche Untersuchung die entsprechenden Symptome, können eventuell vorhandene Fälle in der Familie bzw. eine vorhandene chronische Nierenschwäche und/oder Vitamin-D-Mangel Hinweise auf eine pHPT oder sHPT geben.
- Zur Sicherung der Verdachtsdiagnose werden Parathormon, Kalzium, Phosphat und weitere Werte im Blut und Urin bestimmt.
- Eine Ultraschalluntersuchung des Halses und der Nieren sollte durchgeführt werden.
- Manchmal sind weitere Untersuchungen nötig, z. B. eine nuklearmedizinische Untersuchung (Szintigrafie) zur Darstellung der Nebenschilddrüsen oder eine Knochendichtemessung.
Behandlung
- Liegt eine milde und asymptomatische Form der Erkrankung vor, kann es unter Umständen ausreichend sein, jährlich Laborkontrollen, eine Knochendichtemessung sowie eine Bildgebung der Nieren durchführen zu lassen.
- Außerdem ist es wichtig, auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten (2,5–3 Liter pro Tag) und genügend Kalzium mit der Nahrung aufzunehmen (800–1.000 mg pro Tag), weil ein ernährungsbedingter Kalziummangel wiederum zu einem Anstieg des Parathormons führen kann.
- Falls ein Vitamin-D-Mangel vorliegt, sollte dieser ausgeglichen werden.
- Mithilfe von Medikamenten kann die PTH-Bildung und -Sekretion reduziert werden.
- Auch bei asymptomatischen Krankheitsverläufen wird mittlerweile meist eine Operation empfohlen, besonders wenn der Kalziumspiegel im Blut und im Urin sehr hoch bzw. die Knochendichte reduziert ist, oder die Patient*innen unter 50 Jahre alt sind.
- Bei Patient*innen mit Symptomen ist die Behandlung der Wahl immer die Entfernung der Nebenschilddrüsen.
- Bei der Operation, die u. U. auch minimalinvasiv erfolgen kann, wird das betroffene Gewebe entfernt.
- In ausgewählten Fällen kann auch eine Radiofrequenzablation erfolgen, ein Verfahren, bei dem erkranktes Gewebe durch große Hitze zerstört wird.
- Der sekundäre HPT wird durch die Behandlung der Grunderkrankung therapiert; bei der Behandlung der Folgeprobleme an Nieren und Knochen können Medikamente eingesetzt werden.
- Bei schweren Verläufen kann auch hierbei ein operativer Eingriff erforderlich sein.
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