Vitamin-B12-Mangel

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Was ist ein Vitamin-B12-Mangel?

Definition

Vitamin B12 ist lebensnotwendig und u. a. an der Zellteilung, der Blutbildung, der DNA-Synthese sowie am Abbau von Fettsäuren und Aminosäuren wie Homocystein beteiligt.

Ein Vitamin-B12-Mangel wird durch eine jahrelange unzureichende Zufuhr des Nährstoffs oder durch eine mangelhafte Aufnahme im Magen-Darm-Trakt verursacht. Bekannt ist Vitamin B12 vor allem als kritischer Nährstoff für Veganer*innen, da es in ausreichenden Mengen nur in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Besonders stark von der Mangelerkrankung betroffen sind auch ältere Menschen.

Manche Patient*innen mit Vitamin-B12-Mangel entwickeln mit der Zeit eine megaloblastäre Anämie (gestörte Bildung der roten Blutkörperchen) und verschiedene neuropsychiatrische Symptome (z. B. Depression, Fatigue, Demenz), die bleibende Schäden hinterlassen können. Deshalb ist es wichtig, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und die Behandlung schnell zu beginnen. Die megaloblastäre Anämie durch Vitamin-B12-Mangel aufgrund einer bestimmten Form der Magenschleimhautentzündung bezeichnet man auch als perniziöse Anämie (Morbus Biermer).

Symptome

Zu Beginn zeigen sich in der Regel keine Beschwerden, es dauert meist einige Jahre, bevor die ersten Symptome durch einen Vitamin-B12-Mangel auftreten.

Mit der Zeit entwickeln sich typische Symptome der Blutarmut wie Müdigkeit, Erschöpfung und Atembeschwerden bei Belastung. Neurologische Beschwerden können auftreten, z. B. Taubheitsgefühl an den Händen und Füßen, Kribbeln und ein unsicherer Gang, der das Sturzrisiko vor allem bei älteren Menschen erhöht. Bei unbehandeltem Vitamin-B12-Mangel kann das Krankheitsbild in einer Querschnittlähmung enden.

Psychiatrische Symptome sind u. a. Persönlichkeitsveränderung, Gedächtnisstörung und Depression. Bei einer Entzündung der Magenschleimhaut (im Fall einer perniziösen Anämie) kommt es zu Verdauungsbeschwerden, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Aufstoßen, Völlegefühl und Durchfall. Es können sich eine Hunter-Glossitis zeigen (rote, brennende Zunge) und eine Hyperpigmentierung (Verdunkelung der Haut) der Hände und Füße.

Patient*innen mit Vitamin-B12-Mangel haben eine um 60 % erhöhte Rate an funktionellen Einschränkungen im Alltag.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen eines Vitamin-B12-Mangels sind zum einen eine unzureichende Zufuhr des Nähstoffs und zum anderen eine verminderte Aufnahme des Vitamins im Magen-Darm-Trakt.

Eine unzureichende Zufuhr ist die Hauptursache der Mangelerkrankung bei Menschen, die sich vegan ernähren. Auch bei Personen, die sich vegetarisch ernähren, kann ein Vitamin B12-Mangel auftreten. Bei Neugeborenen ist der Mangel meist durch die Mutter bedingt, wenn diese nicht ausreichend mit Vitamin B12 versorgt ist. Beim Kind führt ein schwerer, unerkannter Vitamin-B12-Mangel zu unumkehrbaren neurologischen Schäden und einer dauerhaften Entwicklungsstörung.

Eine verminderte Aufnahme von Vitamin B12 kann folgende Ursachen haben:

  • Atrophische Gastritis (Magenschleimhautentzündung, Autoimmunerkrankung)
  • Medikamente, die die Aufnahme von Vitamin B12 hemmen (z. B. Metformin, Protonenpumpenhemmer [PPI, Säureblocker]).
  • Achlorhydrie (Fehlen von Magensäure im Magensaft)
  • Magen- und Darmoperationen (z. B. Entfernung von Magen oder Dünndarm)
  • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und des Dünndarms (z. B. Zöliakie, Morbus Crohn)

Weitere Risikofaktoren sind ein hohes Alter, vegane (vegetarische) Lebensweise, bakterielle Überwucherung im Dünndarm, Parkinson-Erkrankung und Langzeitbehandlung mit den Medikamenten Metformin, Antazida, H2-Blocker oder Protonenpumpenhemmer.

Häufigkeit

  • Veganer*innen sind nach einigen Jahren ohne Substitution (Ausgleich des Mangels durch Vitamin-B12-Präparate) regelhaft betroffen.
  • Etwa 1 von 5.300 Neugeborenen hat einen Vitamin-B12-Mangel.
  • In einer Bevölkerungsstudie mit Menschen über 65 Jahre im Raum Augsburg lag ein Vitamin-B12-Mangel bei mehr als 27 % der Teilnehmer*innen vor, bei den teilnehmenden 85- bis 93-Jährigen waren es sogar mehr als 37 %.

Untersuchungen

Wenn aufgrund der typischen Symptome der Verdacht auf einen Vitamin-B12-Mangel besteht, werden verschiedene Blutuntersuchungen vorgenommen. Außer dem Vitamin-B12-Spiegel im Blut können noch andere wichtige Blutwerte kontrolliert werden. So können weitere Mangelzustände und mögliche Folgeerkrankungen erkannt werden.

Je nach Ursache und Beschwerdebild schließen sich evtl. weitere Untersuchungen an:

  • Bei Verdacht auf eine Magenschleimhautentzündung: Endoskopie des Magens
  • Bei Verdacht auf bakterielle Fehlbesiedelung: Atemtest
  • Bei neurologischen Beschwerden: weitere neurologische Untersuchungen
  • Untersuchungen des Knochenmarks oder der Bauchspeicheldrüse

Behandlung

Ziele der Behandlung: Den Vitamin-B12-Mangel durch Ergänzungspräparate ausgleichen (Substitution), damit sich die Blutarmut zurückbilden und die Beschwerden bessern können; Folgeerkrankungen des Mangels vermeiden.

Die Substitution kann parenteral (durch Injektion oder Infusion) oder in Form von Tabletten erfolgen. Patient*innen mit irreversiblen Ursachen für einen Vitamin-B12-Mangel benötigen eine lebenslange Substitution.

Verlaufskontrollen

7 Tage nach Therapiebeginn wird eine Kontrolle der Blutwerte und evtl. der neurologischen Symptome durchgeführt. Anschließend finden für 3 Monate alle 4 Wochen weitere Verlaufskontrollen statt. Bei gutem Ansprechen auf die Therapie reichen später halbjährliche oder jährliche Kontrollen aus.

Autorin

  • Ulrike Boos, Redakteurin von Deximed, Freiburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Vitamin-B12-Mangel. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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