Husten
Husten
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Was ist Husten?
- Husten ist ein Reflex des Körpers, mit dem Fremdkörper aus den Atemwegen herausbefördert werden sollen. Die Flimmerhärchen haben ebenfalls die Funktion, Fremdkörper und Schleim aus den Atemwegen nach oben zu befördern.
- Der Hustenreflex wird ausgelöst, wenn Staub, Fremdkörper, Schleim oder Eiter in die Atemwege gelangen oder eine Schleimhautentzündung vorliegt. Flimmerhärchen und Husten bilden gemeinsam wichtige Faktoren, um die Atemwege gegen Erkrankungen zu schützen.
- Wird Schleim abgehustet, spricht man von produktivem Husten.
- Zum Zwecke der Diagnose und therapeutischen Wahlmöglichkeiten wird Husten nach der Dauer eingeteilt:
- Husten, der seit etwa 2–3 Wochen besteht, wird als akut bezeichnet.
- Husten, der länger als 8 Wochen anhält, gilt als chronisch.
- Dazwischen spricht man von subakutem Husten.
- Rezidivierender (wiederkehrender) akuter Husten bezeichnet mehrmals im Jahr auftretende jeweils bis zu 2 Wochen anhaltende Episoden von Husten.
- Husten tritt häufig im Zusammenhang mit oder nach gewöhnlichen Atemwegsinfektionen auf. Husten zählt in der Hausarztpraxis zu den häufigsten Beratungsanlässen bei Erwachsenen.
- Weltweit leiden ca. 9,6 % der Menschen an chronischem Husten, in Europa 12,7 %.
- Im Winter tritt eine Häufung auf, diese unterliegt jedoch altersabhängigen und geschlechtsspezifischen Schwankungen.
Was kann die Ursache sein?
(Sub-)Akuter Husten
- Ab 2–3 Wochen Husten spricht man von subakutem Husten, davor von akutem Husten. Ursachen für subakuten Husten sind langsam abklingende virale, teils auch bakterielle Infekte (z. B. Keuchhusten).
Häufige Ursachen
- Erkältung und akute Bronchitis
- Eine Unterscheidung zwischen Erkältung und akuter Bronchitis ist kaum möglich.
- Sie stellen die häufigste Ursache von akutem Husten dar.
- Die Patient*innen haben Erkältungssymptome mit Schnupfen und Husten, evtl. Kopf- und Gliederschmerzen und fühlen sich abgeschlagen.
- Fieber ist möglich, aber meist nur gering.
- Nasennebenhöhlenentzündung
- Eine Rhinosinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) führt zu verstopfter Nase, einseitigem Kopf-, Gesichts- und Zahnschmerz sowie einseitiger Sekretion aus der Nase.
- Diese Infektion kann ebenfalls Husten auslösen, da Eiter/Schleim aus den Nebenhöhlen über die Nase in den Rachenraum gelangen kann und ausgehustet wird.
- Oft kommt es auch mit abschwellendem Nasenspray zu keiner Besserung.
- Lungenentzündung
- Eine Lungenentzündung (Pneumonie) tritt häufig bei älteren Menschen und bei Personen mit herabgesetztem Hustenreflex, z. B. Kleinkindern, auf.
- Sie kann durch eine bakterielle oder virale Infektion ausgelöst werden.
- Typische Symptome sind produktiver Husten, Fieber, ein geschwächter Allgemeinzustand und eine erhöhte Atem- und Herzfrequenz, wobei ältere Patient*innen oder Patient*innen mit einem verminderten Immunsystem teils unspezifische Symptome und kein Fieber zeigen.
- Grippe (Influenza)
- Typisch für eine echte Grippe (Influenza) ist der plötzliche Beginn mit hohem Fieber. Dazu kommen ein starkes Krankheitsgefühl sowie Muskel- und/oder Kopfschmerzen.
- Bei älteren und mehrfach erkrankten Patient*innen kann eine stationäre Behandlung nötig sein, ansonsten sind nur im Einzelfall spezielle Medikamente sinnvoll.
- COVID-19
- Bei COVID-19 kommt es oft zu einem gleichzeitigen Auftreten von akutem Husten mit weiteren Symptomen wie Fieber, Atemnot und plötzlichem Riech- und Geschmacksverlust. Es sind jedoch auch asymptomatische Verläufe möglich.
- Die Therapie bezieht sich auf die vorherrschenden Symptome, nur bei einem schweren Verlauf bzw. einer Lungenentzündung ist eine zügige Behandlung im Krankenhaus erforderlich.
- Allergische Rhinosinusitis oder allergisches Asthma
- Sind allergische Erkrankungen (Atopien) wie Heuschnupfen (Rhinitis) oder Bindehautentzündung (Konjunktivitis) bekannt und bestand ein Kontakt mit möglichen Allergenen, sind auch eine allergische Rhinosinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) und allergisches Asthma in Betracht zu ziehen.
- Chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD)
- Bei einer plötzlichen Verschlechterung (Exazerbation) einer COPD kommt es ebenfalls zu Husten und verstärkter Atemnot. Auch die Menge und/oder die Zähflüssigkeit des abgehusteten Atemwegssekrets (Sputum) nimmt zu.
- Es kann zu einem Engegefühl in der Brust und gelegentlich zu Fieber kommen.
- Lungenödem
- Bei akuten Herzerkrankungen (Linksherzinsuffizienz, Blutdruckentgleisung) kann es zu einer Flüssigkeitsansammlung (Lungenödem) im Lungengewebe und in den Lungenbläschen mit Husten und Atemnot kommen.
Seltene Ursachen
- Keuchhusten (Pertussis)
- Charakteristisch für Keuchhusten (Pertussis) sind mehrere Wochen anhaltender Husten und Hustenattacken, die mit einem typischen Keuchen enden.
- Bei erwachsenen Patient*innen kommt es typischerweise zu Erbrechen nach dem Husten und nur geringem oder mäßigem Fieber.
- Pleuritis sicca
- Eine Pleuritis sicca ist eine trockene Entzündung von Rippenfell und Lungenfell mit stechendem, atemabhängigem Schmerz und trockenem Husten.
Chronischer Husten
Häufige Ursachen
- Upper Airway Cough Syndrom
- Das Upper Airway Cough Syndrom (Hustensyndrom der oberen Atemwege) umfasst eine anhaltende allergische Rhinitis (Heuschnupfen) und eine nichtallergische chronische Nasen-/Nasennebenhöhlenentzündung mit oder ohne Nasenpolypen.
- Typisch für das auch als sinubronchiales Syndrom oder Postnasal-Drip-Syndrom bekannte Syndrom sind u. a. eine laufende Nase, häufiges Räuspern, eine behinderte Nasenatmung sowie Riech- und Schmeckverlust.
- Chronische Rachen-/Kehlkopferkrankungen
- Zu diesen Erkrankungen zählen trockene Rachenentzündungen, Krebs, Komplikationen nach einer Operation und seltener Fisteln.
- Typisch ist der chronische Husten mit einer Änderung des Hustenklangs.
- Reizung des Ohrnervs
- Festsitzendes Ohrenschmalz, Fremdkörper, Entzündungen der Haut im Gehörgang sowie Tumore können sich auf den Ohrnerven auswirken und so zu Hustenreiz führen.
- Stimmbandfehlfunktion (Vocal Cord Dysfunction, VCD)
- Eine Vocal Cord Dysfunction ist eine Fehlfunktion der Stimmbänder, bei der sich diese vorübergehend verschließen und es zu Atemnot, Husten und pfeifendem Atem kommt.
- Eine Stimmbandfehlfunktion wird häufig mit Asthma verwechselt und deshalb auch als Pseudoasthma bezeichnet, sie kommt jedoch auch gleichzeitig mit Asthma vor.
- Chronische Bronchitis/COPD
- Eine chronische Bronchitis entsteht durch das Einatmen von die Atemwege reizenden Stoffen, z. B. Rauch, und führt zu anhaltendem Husten mit Auswurf. Sie kann eine Vorstufe einer COPD mit einer permanenten Atemwegsblockade sein.
- Bei COPD kommt es zusätzlich zu Atembeschwerden sowie verlängertem und pfeifendem Ausatmen.
- Asthma
- Asthma ist durch Anfälle von Atemnot und Husten charakterisiert, die insbesondere nachts und am frühen Morgen auftreten.
- Asthma steht oft im Zusammenhang mit Auslösern wie Allergenen, Atemwegsinfekten oder körperlicher Belastung.
- Husten als Asthmaäquivalent
- Husten als Asthmaäquivalentwird auch als Cough-Type-Asthma oder asthmoider Husten bezeichnet und ist die häufigste oder zweithäufigste Ursache für chronischen Husten, wenn Bildgebung und Lungenfunktionstests unauffällig sind.
- Es handelt sich um einen trockenen Husten, bei dem im Gegensatz zu anderen Asthmaformen die typischen Symptome wie Atemnot und pfeifender Atem fehlen.
- Eosinophile Bronchitis
- Eine eosinophile Bronchitis zeigt abgesehen von chronischem trockenem Husten keine spezifischen Symptome, ist aber in bis zu 13 % der Fälle die Ursache für chronischen Husten.
- Als Eosinophilie bezeichnet man eine Erhöhung der Zahl an eosinophilen Granulozyten im Blut, die als Form der weißen Blutkörperchen an der Immunabwehr beteiligt sind.
- Medikamenteninduzierter Husten
- Auch durch die Einnahme von Arzneimitteln (z. B. ACE-Inhibitoren) kann als mögliche Nebenwirkung Husten auftreten.
- Gastroösophagealer Reflux (GERD)
- Gastroösophagealer Reflux ist der Fachausdruck für den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre.
- Typisch dafür sind Schmerzen hinter dem Brustbein (Sodbrennen), Aufstoßen und ein trockener, nichtproduktiver Husten, der oft in der Nacht oder nach dem Essen auftritt.
- Tuberkulose
- Tuberkulose bezeichnet eine Infektion mit Mycobacterium tuberculosis.
- Es kommt klassischerweise zu Husten mit zunehmendem Auswurf, Gewichtsabnahme, Fieber und Nachtschweiß.
- Somatisches Husten-Syndrom bzw. Husten-Tic
- Das somatische Husten-Syndrom wurde früher als psychogener Husten bezeichnet und ist eine Ausschlussdiagnose, wenn keine direkte körperliche Ursache für den Husten gefunden werden kann.
- Dabei äußern sich psychische Belastungen in Form von Husten.
- Die Patient*innen beschäftigen sich überproportional mit dem Husten und messen ihm eine große Bedeutung zu.
- Lungenkrebs
- Eines der typischen Symptome von Lungenkrebs ist chronischer Husten, zum Teil mit auch blutigem Auswurf.
- Weitere Symptome sind Brustschmerzen, Atemnot, wiederkehrende Lungenentzündungen sowie allgemeine Krankheitszeichen wie Müdigkeit, ungewollter Gewichtverlust und Nachtschweiß.
- Chronischer idiopathischer (Ursache unbekannt) bzw. therapierefraktärer (spricht nicht auf Therapie an) Husten
- Bei bis zu 46 % der Patient*innen bleibt die Ursache des Hustens unklar bzw. bringt die Behandlung der vermuteten Ursache keine Besserung.
- Zugrunde liegt vermutlich ein verstärkter Hustenreflex, der schon bei unterschwelligen Reizen zum Husten führt.
Seltene Ursachen
- Bronchiektasie
- Wenn die Bronchien, also die zweiteilige Fortsetzung der Luftröhre, irreversibel (kann nicht rückgängig gemacht werden) erweitert sind und eine entzündliche Wandverdickung aufweisen, spricht man von einer Bronchiektasie.
- Dabei kommt es zu Husten mit voluminösem Auswurf und teilweise dem Aushusten von Blut.
- Lungenfibrose
- Bei einer Lungenfibrose kommt es zu einer Vermehrung von Bindegewebe, wodurch das eigentliche Organgewebe verhärtet und in seiner Funktion eingeschränkt wird.
- Typische Symptome sind Atemnot bei Belastung und ein charakteristisches Rasseln beim Atmen.
- Sarkoidose
- Sarkoidose ist eine entzündliche Erkrankung, bei der sich knötchenartige Veränderungen des Gewebes, vor allem in der Lunge und den Lymphdrüsen im Brustkorb, bilden.
- Es treten Husten, Atembeschwerden, Brustschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. Auch Haut, Leber, Nieren, Augen, Nerven oder das Herz können betroffen sein.
Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?
- Bei Husten und schlechtem Allgemeinzustand und/oder zusätzlichen Symptomen wie hohem Fieber sollten Sie sich ärztlich untersuchen lassen.
- Weitere Warnzeichen können Atemnot, blutiger Husten und eine Veränderung der Art des Hustens sein.
- Auch bei lang anhaltendem Husten (über mehrere Wochen) sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen.
Untersuchungen
- Ihnen werden eventuell Fragen zur Dauer des Hustens, zu anderen Symptomen (z. B. Fieber) und zum Vorhandensein von (blutigem) Auswurf gestellt.
- Es werden Vorerkrankungen abgefragt sowie mögliche eingeatmete Giftstoffe und eingenommene Medikamente.
- Rauchen und Passivrauch werden ebenfalls in jeder Untersuchung bei Husten abgefragt.
- Eventueller Cannabiskonsum ist relevant, da Cannabisraucher*innen häufiger husten und vielfach über Luftnot, pfeifende Atmung und Schmerzen im Brustkorb klagen.
- Dazu kommen patientenspezifische Faktoren wie Alter, Gebrechlichkeit und die Zugehörigkeit zu einer Tuberkulose-Risikogruppe.
- Im Rahmen der körperlichen Untersuchung wird die Atmung untersucht und ein Lungenfunktionstest durchgeführt.
- Ihr Rücken wird abgeklopft, um eventuelle Verdichtungen in der Lunge nachzuweisen.
- Lunge und Herz werden auf ungewöhnliche Geräusche abgehört, die den Verdacht einer Erkrankung nahelegen könnten.
- Mund, Hals, Rachen und Nase werden auf Auffälligkeiten untersucht.
- Der Blutdruck wird gemessen und die Lymphknoten werden abgetastet.
- Bei chronischem Husten wird eine Röntgenaufnahme von Lunge/Brustkorb gemacht.
- Bei Bedarf können weitere bildgebende Untersuchungen wie Ultraschall oder Computertomografie eingesetzt werden.
- Bei unklarer Diagnose oder Anzeichen einer schwerwiegenden Erkrankung erfolgt eine Überweisung an Lungenfachärzt*innen oder in ein Krankenhaus.
Behandlung
- Ziel der Untersuchungen ist es, harmloses von schwerwiegendem, behandlungsbedürftigem Husten abzugrenzen und zugrunde liegende Erkrankungen zu erkennen.
- Bei ungefährlichem Husten wie im Fall von Erkältungen ist bis auf eventuelle Schmerzmittel meist keine medikamentöse Therapie nötig.
- Ansonsten ist die Behandlung von der jeweiligen Ursache abhängig und kann von lediglich Beschwerdenlinderung bis hin zu Antibiotika oder weiteren Medikamenten reichen.
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