Atemwegserkrankungen durch das Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19)

Atemwegserkrankungen durch das Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19)

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Was ist COVID-19?

COVID-19 ist eine durch das SARS-CoV-2-Virus ausgelöste Erkrankung, die meist die oberen Atemwege betrifft und auch schwer verlaufen kann.

Symptome

Bei der Omikron-Variante beträgt die Inkubationszeit durchschnittlich 3 Tage.

Symptome von COVID-19 können Fieber, Husten, Schnupfen, Atemnot, Halsschmerzen, starker Nachtschweiß, Abgeschlagenheit und Müdigkeit sein. Auch Kopf- und Gliederschmerzen sowie Durchfall und Bauschmerzen können vorkommen. Selten kommt es auch zu Hautveränderungen, wie z. B. Nesselsucht.

Bei Infektionen mit der derzeit kursierenden Omikron-Variante kommt es im Vergleich zu früheren Virusvarianten eher zu Halsschmerzen und nur selten zu Geschmacks- und Geruchsverlust. Der obere Nasen-Rachen-Raum ist häufiger betroffen als die Lungen.

Der Verlauf kann sehr unterschiedlich sein: Symptomlose Verläufe kommen ebenso vor wie seltener schwere Lungenentzündungen.

Infektionen mit der Omikron-Variante verlaufen generell milder, und schwere Verläufe sind deutlich seltener als bei früheren Varianten. Deutlich weniger Menschen benötigen eine Krankenhausbehandlung, und die Sterblichkeit ist viel geringer.

Ursachen

Ursache ist eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus. Derzeit kursieren verschiedene Versionen der Omikron-Variante.

Infektionsquelle sind infizierte Personen mit oder ohne Symptomatik (35 % aller Infizierten). Hauptübertragungsweg ist das Einatmen virushaltiger Flüssigkeitspartikel (Aerosole), die beim Atmen, Husten, Sprechen, Singen und Niesen entstehen.

Ein längerer Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen kann die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole erhöhen. Im Freien ist die Ansteckungsgefahr sehr gering.

Häufigkeit

Der frühere Verlauf als Pandemie ist in ein endemisch-wellenförmiges Geschehen übergegangen. Die Häufigkeit entspricht der anderer Infektionen der oberen Atemwege (Erkältungsinfekte). Das heißt, dass COVID-19 vermutlich in Zukunft fortwährend auftritt und es zusätzlich immer wieder zu Erkrankungswellen, wahrscheinlich im Herbst und Winter, kommt.

Genauere Informationen zu den Infektionszahlen finden Sie im BMG-Pandemieradar.

Untersuchungen

Wenn Sie vermuten, dass Sie an COVID-19 erkrankt sind, können Sie zunächst selbst einen Antigen-Schnelltest durchführen. Meist hat er aber keine Konsequenz für die Behandlung. Eine unkomplizierte COVID-19-Erkrankung wird genauso behandelt wie ein anderer Infekt der oberen Atemwege (Erkältung), nämlich nur mit Mitteln zur Linderung der Beschwerden.

Sollten Sie einer Risikogruppe angehören, können Sie zunächst einen Schnelltest durchführen. Folgen Sie hierzu genau der Gebrauchsanweisung des Tests. Ist dieser positiv, nehmen Sie Kontakt mit Ihrer Hausarztpraxis auf. Falls er negativ ist, aber Sie sich trotzdem schlecht fühlen, sollten Sie ebenfalls ärztlichen Rat einholen.

Eine sichere Diagnose kann nur mit einem PCR-Test gestellt werden. Besonders wichtig ist dies bei schweren Symptomen (z. B. Atemnot) oder Verschlechterung von Atembeschwerden oder wenn Sie einer Risikogruppe angehören bzw. in einem medizinischen Beruf oder in einer Pflegeeinrichtungen arbeiten. Auch wenn Sie engen Kontakt zu gefährdeten Personen haben, sollte eine PCR-Testung erfolgen.

Bei schwerer Lungenentzündung werden weitere Lungenuntersuchungen durchgeführt, z. B. ein Röntgenbild, eine Computertomografie oder eine Ultraschalluntersuchung.

Gehören Sie einer Risikogruppe an?

Außerdem wird bei Ihrem Arzttermin auch erfragt, ob Sie einer Risikogruppe für einen schweren Verlauf von COVID-19 angehören. Dies betrifft:

  • Ältere Personen (steigendes Risiko ab etwa 60 Jahren)
  • Personen mit bestimmten Vorerkrankungen
    • chronische Lebererkrankungen
    • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
    • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (z. B. Herzinfarkt in der Vorgeschichte)
    • chronische Lungenerkrankungen (z. B. COPD)
    • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
    • chronische Nierenerkrankungen (besonders bei Dialyse)
    • neurologische und psychiatrische Erkrankungen (z. B. Demenz)
    • Down-Syndrom
    • Krebserkrankung
    • geschwächtes Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht, oder durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, wie Immunsuppressiva nach einer Organtransplantation)
    • sehr ausgeprägte Fettleibigkeit (Adipositas)
  • Armut, dunkle Hautfarbe* und eine Schwangerschaft können ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf einhergehen.

* Hierzu gibt es zahlreiche Daten aus Beobachtungsstudien im angelsächsischen Sprachraum, wo Persons of Colour häufig ärmer und gesundheitlich schlechter versorgt sind und deswegen auch häufiger an Grunderkrankungen leiden, die das Risiko erhöhen. Ob diese Daten 1:1 auf Deutschland und die Omikron-Variante übertragbar sind, ist unklar.

Behandlung

Medikamente

Behandlung zuhause

Erkrankte mit leichten erkältungsähnlichen Symptomen können sich zuhause auskurieren und lediglich Medikamente zur Beschwerdelinderung einnehmen, z. B. zur Fiebersenkung. Ältere Personen sollten hierfür Paracetamol anstelle von Ibuprofen verwenden.

Ambulante Behandlung bei erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf

Nirmatrelvir in Kombination mit Ritonavir (Paxlovid) kann bei Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf innerhalb von 5 Tagen nach Krankheitsbeginn eingesetzt werden. Es kann allerdings zu sehr schwerwiegenden Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten führen. Deshalb ist es wichtig, mit den behandelnden Ärzt*innen über Ihre Alltagsmedikamente zu sprechen.

Das Antivirusmedikament Remdesivir kann bei Personen mit einem Risiko für einen schweren Verlauf in den ersten 7 Tagen nach Symptombeginn eingesetzt werden. Diese Behandlung sollte in spezialisierten Zentren (Klinikambulanzen, Schwerpunktpraxen) oder in der Klinik durchgeführt werden.

Außerdem kann bei älteren und/oder vorerkrankten Personen mit einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19, die außerdem in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, zur Verhinderung eines Blutgerinnsels in den Beinen (Thrombose) eine Behandlung mit Heparin-Spritzen (niedermolekulares Heparin, NMH) erfolgen.

Behandlung in der Klinik

Patient*innen mit schweren Symptomen werden im Krankenhaus behandelt. Dort werden sie ausreichend mit Flüssigkeit versorgt und, falls erforderlich, bei der Atmung unterstützt und entsprechend möglicher anderer Symptome bzw. Komplikationen behandelt.

Bei schwerkranken COVID-19-Patient*innen wird das kortisonähnliche Medikament Dexamethason verabreicht. Außerdem gibt es weitere Medikamente, die nachweislich die Sterblichkeit an COVID-19 senken: IL-6-Rezeptor-Bocker und Baricitinib.

Komplikationen

Schwere Verläufe

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 kann bei einem geringen Teil der Betroffenen zu Komplikationen durch Blutvergiftung, Lungenentzündung, Lungenversagen, Blutgerinnsel (Thrombose und Lungenembolie), Herzschädigung und/oder Nierenversagen führen. Das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen ist erhöht.

Entzündliche Multiorganerkrankung (MIS-C)

Aus Ländern mit hohen Erkrankungszahlen wird von Fällen einer entzündlichen Multiorganerkrankung bei Kindern berichtet. Diese Erkrankung wird als Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C) bezeichnet. Sie ist insgesamt sehr selten und tritt bei Infektionen mit der Omikron-Variante und bei geimpften Kindern noch seltener auf.

Herzmuskelerkrankung

SARS-CoC-2 kann, wie viele Viren, eine Herzmuskelentzündung verursachen. Wenn Sie von einer COVID-19-Erkrankung wieder genesen sind, sollten Sie vor einer Wiederaufnahme von Leistungssport den Rat Ihrer Hausärztin/Ihres Hausarztes einholen.

Post COVID/Long COVID

Manche COVID-19-Erkrankte leiden auch nach ihrer Genesung von der akuten Erkrankung unter langwierigen Beschwerden. Beschwerden länger als 4 Wochen nach einer Infektion werden als Long COVID bezeichnet. Beschwerden, die mehr als 12 Woche anhalten, werden Post COVID genannt.

Lange Erholungszeiten sind auch nach anderen Virusinfektionen keine Seltenheit. Besonders nach einer schweren Lungenerkrankung oder einer Behandlung auf einer Intensivstation sind lange Erholungszeiten generell nicht ungewöhnlich.

Zu Symptomen von Long COVID können u. a. Müdigkeit, geringe körperliche Belastbarkeit, Muskelschwäche, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Haarausfall, Angst/Depression und Konzentrationsstörungen (sog. „Brain Fog“ = Hirnnebel) gehören. Auch Fieber, Husten, Hautausschläge, Atemnot bei Belastung, Brustenge, Schwindel und weitere Symptome können vorkommen. Bei manchen Betroffenen besteht ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle, Herzerkrankungen, Diabetes mellitus, psychiatrische Erkrankungen und eine Verschlechterung der Lungenfunktion. Selten kommt es zu einem chronischen Erschöpfungssyndrom.

Derzeit gibt es noch keine verlässlichen Daten über den Anteil der Erkrankten mit Langzeitfolgen. Vermutlich liegt die Häufigkeit im einstelligen Prozentbereich. Bei Kindern ist Long COVID/Post COVID deutlich seltener als bei Erwachsenen.

Spezielle Tests oder Untersuchungsmethoden, um Long COVID/Post COVID festzustellen, gibt es nicht. Um andere Erkrankungen auszuschließen, können aber Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung gemessen werden. Zusätzlich können einfache Bluttests wie Blutbild, Entzündungswerte, Nierenwerte, Schilddrüsenwerte, Leberwerte und eine Urinuntersuchung angeordnet werden. Wenn sich kein Hinweis auf eine ernste Erkrankung ergibt, wird die Hausärztin/der Hausarzt in den meisten Fällen zunächst einmal abwarten, wie sich die Beschwerden entwickeln.

Eine spezielle Behandlung gibt es nicht. Die Therapie orientiert sich am Beschwerdebild.

Siehe auch die Patientenleitlinie Post COVID/Long COVID und das Informationsportal des RKI zu Long COVID.

Autorin

  • Marlies Karsch-Völk, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, München

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19), respiratorische Erkrankung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. RKI. Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) zu akuten Atemwegserkrankungen und COVID-19. Stand: 22.10.2024 (letzter Zugriff am 11.11.2024) www.rki.de
  2. RKI. SARS-CoV-2: Virologische Basisdaten sowie Virusvarianten. Stand 18.11.2022 www.rki.de
  3. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). S1-Leitlinie Long/ Post-COVID - Living Guideline. AWMF-Leitlinie Nr. 020-027, Stand 30.05.2024. register.awmf.org
  4. RKI. Hinweise zur Testung von Patienten auf SARS-CoV-2. Stand 02.05.2023 www.rki.de
  5. Report of the WHO-China Joint Mission on Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) 16-24 February 2020 (letzter Zugriff am 03.03.2020). www.who.int
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  7. Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). S3-Leitlinie Empfehlungen zur Therapie von Patienten mit COVID-19 - Living Guideline (Version 10). AWMF-Leitlinie Nr. 113-001, Stand 23.09.2024. register.awmf.org
  8. arznei-telegramm. Im Blickpunkt-ANTIVIRALE MITTEL FÜR DIE FRÜHTHERAPIE BEI COVID-19? a-t 2022; 53: 1-5. www.arznei-telegramm.de
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