Halluzinationen

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Was sind Halluzinationen?

Eine Halluzination ist eine Sinnestäuschung ohne äußere Einflüsse auf das Sinnesorgan. Betroffene hören oder sehen beispielsweise Dinge, die in Wirklichkeit nicht existieren. Halluzinationen können alle fünf Sinne betreffen, also das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen.

  • Akustische (auditive) Halluzinationen: Dies umfasst das Hören von Geräuschen (wie Musik, Schritte oder Pfeifen) und Stimmen. Letztere sind meistens inhaltlich negativ, können wie ein Dialog erscheinen, etwas kommentieren oder Befehle geben. Manchmal hört man auch nur einzelne Wörter oder unverständliches Gemurmel.
  • Optische (visuelle) Halluzinationen: Man sieht z. B. Lichtblitze, Muster, Gegenstände, Personen, Tiere oder ganze Szenen.
  • Geruchs- und Geschmackshalluzinationen: Diese empfinden die meisten Betroffenen als unangenehm. Sie gehen oft mit einer Angst vor Vergiftung einher.
  • Körperhalluzinationen: Dazu zählen verschiedene innere und äußere Körperempfindungen. Man kann z. B. das Gefühl haben, angefasst zu werden oder selbst jemanden oder einen Gegenstand anzufassen. 

Bei Pseudohalluzinationen sind sich die Betroffenen darüber bewusst, dass ihre Wahrnehmung nicht der Realität entspricht. Abzugrenzen sind Halluzinationen von Wahnvorstellungen. Das sind feste Überzeugungen und Fehlbeurteilungen der Realität, von denen Betroffene sich auch durch Gegenbeweise und Argumente nicht abbringen lassen.

Was kann die Ursache sein?

Häufige Ursachen

Psychoseähnliche Symptome in der Allgemeinbevölkerung

  • Studien deuten darauf hin, dass vorübergehende Halluzinationen ohne psychische Erkrankung in der Allgemeinbevölkerung häufig vorkommen. Sie verursachen nur geringe Einschränkungen im Alltag und werden meist als kontrollierbar erlebt. Auslöser können u. a. Trauer, Verluste, Traumata, Schlafmangel oder starke Erschöpfung sein. Auch Halluzinationen beim Einschlafen oder Aufwachen sind möglich.

Psychiatrische Erkrankungen

  • Schizophrenie: Halluzinationen sind neben Wahnvorstellungen das häufigste Symptom bei Schizophrenie. Am häufigsten treten akustische Halluzinationen auf. 16–72 % der Erkrankten haben optische Halluzinationen. Grundsätzlich kann es zu allen Arten von Halluzinationen, auch gleichzeitig, kommen.
  • Akute vorübergehende psychotische Störungen: Dies ist eine Gruppe verschiedener Störungen, die mit Symptomen wie Wahn, Verwirrtheit, Halluzinationen sowie Konzentrations- und Verhaltensstörungen einhergehen. Typisch ist, dass die Symptome plötzlich auftreten, sich zum Teil innerhalb von Stunden untereinander abwechseln und die Erkrankung selbst nur von kurzer Dauer (unter 3 Monate) ist. Häufig tritt die Störung nach einer akuten Belastung, wie einem Trauma oder Verlust, auf.

Organische/körperliche Erkrankungen

  • Demenz: Halluzinationen sind ein häufiges Symptom bei verschiedenen Formen der Demenz, insbesondere bei der Demenz mit Lewy-Körpern (ca. 80 % haben optische Halluzinationen) und der Parkinson-Krankheit-Demenz (optische Halluzinationen bei ca. 20 %). Es kann sich um Pseudohalluzinationen handeln, Betroffene empfinden diese häufig nicht als belastend und sie müssen deshalb nicht immer behandelt werden. Bei Parkinson können die Halluzinationen auch durch Medikamente, die zur Behandlung der Erkrankung eingesetzt werden, verursacht werden.
  • Delir und Alkoholentzugsdelir: Ein Delir ist ein akutes Syndrom, das mit verschiedenen Störungen des Bewusstseins einhergeht. Es kann z. B. durch Infektionen, Medikamente, neurologische Erkrankungen, einen Entzug oder nach einer Operation auftreten. Im Rahmen eines Alkoholentzugs kann es zu einem potenziell lebensbedrohlichen Entzugsdelir kommen. Beim Delir sind optische Halluzinationen am häufigsten, manchmal kombiniert mit Körperempfindungen.
  • Migräne mit Aura: 31 % der Betroffenen haben visuelle Halluzinationen während der Aura-Phase.

Drogen und Medikamente

  • Illegale Drogen: Substanzen wie LSD, „Pilze“, Ketamin, Kokain und Amphetamin können verschiedene Formen von Halluzinationen verursachen. Zum Teil ist dies auf die akute Wirkung der Substanz zurückzuführen und auf den Zeitraum der Wirkung begrenzt. Regelmäßiger Konsum kann jedoch Psychosen mit anhaltenden Wahnvorstellungen und Halluzinationen auslösen.
  • Cannabis: Auch häufiger Cannabiskonsum in hohen Dosen kann zu einer substanzinduzierten Psychose mit Halluzinationen führen.
  • Medikamente: U. a. bei Medikamenten gegen ADHS, Malaria und Parkinson wurden Halluzinationen als mögliche Nebenwirkung festgestellt.

Seltene Ursachen

Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?

Lassen Sie Halluzinationen ärztlich abklären, wenn sie erstmals auftreten, wiederholt vorkommen oder den Alltag beeinträchtigen.

Bei folgenden Warnzeichen ist sofortige medizinische Hilfe notwendig:

  • Suizidgedanken oder Aufforderungen zur Selbstverletzung durch Stimmen
  • Aggressives Verhalten oder Gefahr für andere Personen
  • Starke Unruhe, Angst oder Panik
  • Verdacht auf Delir, Vergiftung oder Entzug
  • Plötzlich auftretende Halluzinationen zusammen mit Symptomen wie Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, Fieber oder Krämpfen

Betroffene können manchmal nicht selbst erkennen, dass sie Hilfe benötigen. Oder sie sind aufgrund weiterer Symptome nicht mehr dazu in der Lage, selbst Hilfe zu rufen. Zögern Sie als Angehörige*r deshalb im Zweifelsfall nicht, den Rettungsdienst (Tel. 112) oder die Polizei (Tel. 110) zu rufen.

Untersuchungen

Die Abklärung von Halluzinationen beginnt meist in der Hausarztpraxis. Ziel ist es, die Ursache zu finden und zwischen psychischen, neurologischen, körperlichen und substanzbedingten Auslösern zu unterscheiden.

Während des Arztgesprächs wird u. a. erfragt, seit wann die Halluzinationen bestehen, welche Sinneswahrnehmungen betroffen sind (z. B. Hören, Sehen oder Fühlen), wie häufig die Beschwerden auftreten und ob mögliche Auslöser oder Begleitsymptome vorliegen. Auch Vorerkrankungen, aktuelle Medikamente, Alkohol- oder Drogenkonsum sowie belastende Lebensereignisse können für die Abklärung wichtig sein.

Anschließend folgt eine körperliche sowie eine orientierende neurologische und psychische Untersuchung. Dies dient dazu, mögliche körperliche Erkrankungen, neurologische Störungen, Bewusstseins- oder Gedächtnisprobleme sowie weitere psychische Erkrankungen zu erkennen bzw. auszuschließen.

Wenn notwendig können anschließend weitere Untersuchungen veranlasst werden. Dies können Blutuntersuchungen, Drogentests, Seh- und Hörtests, bildgebende Untersuchungen des Gehirns (MRT oder CT), EEG bei Verdacht auf Epilepsie oder eine weiterführende psychiatrische Diagnostik sein. Wenn die Untersuchungen nicht in der Hausarztpraxis durchgeführt werden können, erfolgt eine Überweisung in eine Fachpraxis, wie z. B. Neurologie, Psychiatrie oder Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.

Bei akuten psychotischen Zuständen, schwerer Verwirrtheit, Delir, Vergiftungen oder bei Eigen- oder Fremdgefährdung ist eine sofortige Vorstellung bzw. Einweisung in eine Klinik erforderlich.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Sind die Halluzinationen Nebenwirkungen von Medikamenten oder substanzbedingt, lassen sie meist nach Absetzen oder Vermeiden der auslösenden Substanz nach. Bei vielen Ursachen steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund, wodurch sich auch die Halluzinationen bessern. Allerdings muss nicht jede Halluzination behandelt werden. Wenn die Wahrnehmungen keinen Leidensdruck verursachen und keine Gefahr darstellen, können Aufklärung und regelmäßige ärztliche Kontrollen ausreichend sein.

In schweren Fällen kann eine (kurzzeitige) stationäre Behandlung notwendig sein. In solchen Situationen stehen die Sicherung der betroffenen Person und die rasche Therapie im Vordergrund.

Autorin

  • Marina Bierbrauer, Online- und Medizinredakteurin, Las Palmas de Gran Canaria

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Halluzinationen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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