Wahnhafte Störung

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Was ist eine wahnhafte Störung?

Definition

Eine wahnhafte Störung ist eine psychische Störung mit Wahnsymptomen, die länger bestehen bleiben. Die Wahnsymptome sind ihr Hauptmerkmal. Teils sind sie die einzigen Beschwerden.

Symptome 

Bei einem Wahn entwickelt der erkrankte Mensch eine unverrückbare, falsche Überzeugung. Der Inhalt des Wahns widerspricht der Erfahrung von gesunden Mitmenschen. Mehr noch: Oft lässt er sich handfest widerlegen. Doch die erkrankte Person hält starr an ihrer Überzeugung fest – selbst dann, wenn sie mit einem Gegenbeweis konfrontiert wird. Außerdem fühlt sie sich gesund und nicht behandlungsbedürftig.

Es gibt viele mögliche Wahninhalte: 

  • Beeinträchtigungswahn und Verfolgungswahn: Wahrnehmung der Umgebung als feindselig, bedrohend, beleidigend
  • Hypochondrischer Wahn: Wahnhafte Überzeugung, schwerkrank zu sein.
  • Eifersuchtswahn: Wahnhafte Überzeugung, betrogen oder hintergangen zu werden.
  • Liebeswahn: Wahnhafte Überzeugung, von einem Menschen geliebt zu werden.
  • Schuldwahn: Wahnhafte Überzeugung, sich schuldig gemacht zu haben.
  • Größenwahn: wahnhafte Selbstüberschätzung bzw. Selbstüberhöhung
  • Verarmungswahn: wahnhafte Überzeugung einer finanziellen Notsituation bzw. Verschuldung
  • Beziehungswahn: Ereignisse und Beobachtungen werden auf die eigene Person bezogen (z. B. wahnhafte Überzeugung, dass andere über einen sprechen).
  • Körperbezogener Wahn: z. B. wahnhafte Überzeugung eines üblen Körpergeruchs oder eines Befalls durch Insekten oder Parasiten (Dermatozoenwahn)
  • Religiöser Wahn: Beispielsweise die Überzeugung, von Gott gesandt zu sein.
  • Wenn mehrere Wahnideen und Elemente verknüpft werden, spricht man von einem systematisierten Wahn.

Meist setzen die Symptome unmerklich ein und nehmen dann zu. Sie treten häufiger in der zweiten Lebenshälfte auf, und halten mindestens einen Monat, meist aber deutlich länger, z. T.  auch lebenslang, an. Trotz der Wahnphänomene kann die Person ihren Alltag bewältigen. Sie verhält sich nicht offensichtlich ungewöhnlich.

Ursachen 

Die Ursachen der wahnhaften Störung sind nicht geklärt. Beteiligt sind vermutlich Umweltfaktoren und eine genetische Anfälligkeit (Prädisposition). Vermutet wird außerdem, dass es den Patient*innen schwerfällt, mehrdeutige bzw. widersprüchliche Situationen auszuhalten (Ambiguitätsintoleranz), oder dass sie dazu neigen, voreilige Schlussfolgerungen zu ziehen. Auch die Persönlichkeit könnte eine Rolle spielen.

Die Anfälligkeit ist erhöht, wenn verwandte Personen bereits an einer wahnhaften Störung erkrankt sind. Die Anfälligkeit steigt außerdem mit dem Alter.

Häufigkeit

Es wird geschätzt, dass etwa 1 von 500 Menschen betroffen ist. Pro Jahr erkranken bis zu 3 von 100.000 Menschen neu. Im höheren Lebensalter sind wahnhafte Störungen häufiger.

Untersuchungen

In der Hausarztpraxis

Das Arztgespräch ist oft schwierig, weil die Betroffenen sich weder krank noch behandlungsbedürftig fühlen. Noch dazu ergibt die Untersuchung meist keinen auffälligen Befund. Einige Dinge können für eine organische, also körperliche Ursache der Beschwerden sprechen, und damit gegen eine wahnhafte Störung. Dazu zählen etwa:

  • Akuter Beginn
  • Ausfall einzelner Hirnregionen (z. B. Lähmungen bestimmter Körperregionen)
  • Bewusstseinsstörungen (z. B. Benommenheit)
  • Epileptische Anfälle
  • Schwere Denkstörungen innerhalb kurzer Zeit 
  • Verwirrtheit
  • Optische Halluzinationen
  • Erstarren, Verstummen, zwanghaftes Wiederholen von Bewegungen
  • Bewegungsstörungen zusammen mit Erregungszuständen (Katatonie)
  • Schwankender Verlauf mit schwankenden psychischen Symptomen
  • Schlechtes Ansprechen auf Behandlung
  • Fieber
  • Austrocknung (Exsikkose)

Organische Ursachen müssen daher ausgeschlossen werden, sodass die Diagnose gestellt werden kann. Dazu kann eine Blutentnahme sinnvoll sein.

Es müssen aber auch weitere mögliche Ursachen ausgeschlossen werden: 

  • Einnahme oder Missbrauch von Medikamenten und Substanzen
  • Grunderkrankungen des Körpers
  • Schizophrenie
  • Depression
  • Andere psychische Störungen, die die Symptome besser erklären können.

Bei Spezialist*innen

Bei einem Verdacht auf eine wahnhafte Störung erhält die betroffene Person eine Überweisung an Psychiater*innen. Diese können weitere Untersuchungen durchführen. In einigen Fällen sind Untersuchungen sinnvoll, um mögliche organische oder substanzbedingte Ursachen abzuklären.

Wenn die Gefahr besteht, dass die betroffene Person sich oder andere Menschen in akute Gefahr bringt (akute Selbst- oder Fremdgefährdung), ist eine stationäre psychiatrische Einweisung möglich. Die Einweisung kann, wenn nötig, gegen den Willen der Person erfolgen. Weitere Informationen finden Sie im Artikel Akute Eigen- und Fremdgefährdung. 

Behandlung

Medikamente

Es können zwei verschiedene Medikamentenklassen verwendet werden:

  • Antipsychotika (auch Neuroleptika genannt; Medikamente gegen Störungen mit veränderter Wahrnehmung des Ich und der Umwelt, also Psychosen)
  • Antidepressiva (Medikamente gegen Depressionen)

Wie gut Antipsychotika und Antidepressiva wirken, ist unklar. Vor der Behandlung mit einem Antipsychotikum oder bestimmten Antidepressiva sollte ein EKG gemacht werden (Messung der elektrischen Herzaktivität).

Psychotherapie

Der zweite Pfeiler der Behandlung ist eine Psychotherapie. Verschiedene Behandlungsansätze sind möglich:

  • Psychoedukation (Aufklärung über psychische Erkrankungen)
  • Kognitive Verhaltenstherapie
  • Psychodynamische Therapieansätze, z. B. Mentalization Based Therapy (MBT)

Auch zur Wirksamkeit einer Psychotherapie gibt es allerdings kaum Daten.

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