Burning-Mouth-Syndrom (BMS)
Burning-Mouth-Syndrom (BMS)
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Was ist das Burning-Mouth-Syndrom (BMS)?
Definition
Beim Burning-Mouth-Syndrom bestehen Missempfindungen, Schmerzen und Brennen an der Zunge und in der Mundhöhle. Die Beschwerden sind nicht durch andere Erkrankungen oder ärztliche Befunde erklärbar. Das Burning-Mouth-Syndrom ist eine chronische Schmerzerkrankung und wird zu den sog. somatoformen Störungen gerechnet. Dabei handelt es sich um Beschwerden, für die keine ausreichende körperliche Ursache gefunden werden kann.
Symptome
Beim Burning-Mouth-Syndrom treten brennende Schmerzen in der Mundhöhle unbekannter Ursache auf. Diese bestehen täglich mindestens 2 Stunden lang über mindestens 3 Monate.
Die Schmerzen treten meist beidseitig auf. Häufig ist der vordere Teil der Zunge betroffen. Zudem bestehen Missempfindungen, die als „wund“, „zusammenziehend“, „rau“, „klebrig“, „taub“ beschrieben werden. Betroffen ist nur die Mundhöhle und nicht das Gesicht. Mundtrockenheit und eine Veränderung des Geschmacksempfindens (häufig ein metallischer Geschmack im Mund) sind weitere Symptome.
Beim Essen oder Schlafen treten meist keine Schmerzen auf. Es kann aber eine Überempfindlichkeit gegenüber heißen oder scharfen Speisen vorliegen. Auch Sprechen, Stress und Müdigkeit können die Beschwerden verstärken. Der Schmerz kann zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führen.
Ursachen
Die Ursache der Erkrankung ist unbekannt. Vermutlich spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Eine mögliche Erklärung ist eine gestörte Funktion der für die Zunge verantwortlichen Gehirnnerven.
Häufig sind Frauen in den Wechseljahren betroffen. Der veränderte Hormonhaushalt führt u. a. zu einer verminderten Speichelproduktion. Dadurch kann es zu Mundtrockenheit und anderen Beschwerden kommen.
Das Burning-Mouth-Syndrom zählt zu den somatoformen Störungen. Verschiedene Veränderungen im Nervensystem führen vermutlich zu einer erhöhten Reizempfindlichkeit.
Das Burning-Mouth-Syndrom wird, wie andere chronische Schmerzerkrankungen auch, häufig von psychischen Störungen begleitet, wie Angststörungen, Depression oder Persönlichkeitsstörungen.
Andere Ursachen
Das Burning-Mouth-Syndrom ist eine Ausschlussdiagnose. Ähnliche Symptome können auch als Folge einer anderen Erkrankung auftreten. Dazu gehören:
- Schleimhauterkrankungen im Mund wie z. B. Pilzinfektionen (Candida), Lichen planus, Herpes simplex, Aphthen, Kontaktallergien
- Mangel an bestimmten Nährstoffen (v. a. Vitamin B12, Folsäure), Blutarmut
- Mundtrockenheit kann durch Bestrahlungen, Chemotherapie und bestimmte Medikamente ausgelöst werden.
- Erkrankungen wie Diabetes, Sjögren-Syndrom
- Schädigungen des Trigeminusnervs (Trigeminusneuralgie) oder anderer Gesichtsnerven
- Zähneknirschen kann zu Muskelspannungen und Reizungen des Gewebes in oder im Bereich der Mundhöhle führen.
Häufigkeit
Die Erkrankung betrifft 0,7–15 % der Bevölkerung. Sie tritt häufiger bei Frauen und vor allem in den Wechseljahren auf.
Untersuchungen
- Die Ärztin/der Arzt untersucht die Mundhöhle sorgfältig.
- Bei einer körperlichen Untersuchung wird nach möglichen Ursachen für die Beschwerden gesucht.
- Zusätzlich werden einige Blutuntersuchungen durchgeführt.
- Die Mundschleimhaut kann auf Pilze und Bakterien untersucht werden.
- Ggf. wird auch ein Allergietest durchgeführt, wenn der Verdacht auf eine Reaktion auf Lebensmittel, Zahnimplantate o. Ä. besteht.
- Beim Burning-Mouth-Syndrom sind die Ergebnisse der Untersuchungen unauffällig.
- Die Überweisung zu einem oder mehreren Fachärzt*innen ist häufig Teil der Diagnosestellung.
Behandlung
- Ziel der Therapie ist, die Symptome zu lindern. Über eine wirkungsvolle Behandlung des Burning-Mouth-Syndroms liegen nur wenige aussagekräftige Studien vor.
Medikamente
- Es gibt kein Medikament mit einer eindeutig belegten Wirksamkeit bei Burning-Mouth-Syndrom.
- Eine Besserung der Beschwerden lässt sich evtl. mit Alpha-Liponsäure erreichen.
- Auch Mundspülungen mit Capsaicin können helfen.
- Die lokale Anwendung von Clonazepam scheint ebenfalls wirksam zu sein. Hierbei handelt es sich um ein Medikament gegen Epilepsie, das beruhigend wirkt und zu Abhängigkeit führen kann.
Psychotherapie
- Die wenigen Studien, die bislang vorliegen, zeigen, dass eine kognitive Verhaltenstherapie sowohl kurz- als auch langfristig wirksam sein kann. Dies ist eine Art von Psychotherapie, die häufig bei somatoformen Schmerzstörungen eingesetzt wird.
Weitere Maßnahmen
- Mechanische Zungenprotektoren können eingesetzt werden.
- Auch Low-Level-Lasertherapie kann wirksam sein.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Burning-Mouth-Syndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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