Lichen planus in der Mundhöhle

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Was ist Lichen planus in der Mundhöhle?

Definition

Lichen planus ist eine chronisch entzündliche Autoimmunerkrankung. Es handelt sich um eine Haut- und Schleimhauterkrankung, die in einigen Fällen in der Mundhöhle auftritt – in der Fachsprache wird die Erkrankung in diesem Fall als oraler Lichen planus (OLP) bezeichnet. Im Gegensatz zu der Variante der Erkrankung, die Hautveränderungen bewirkt, halten die Veränderungen in der Mundhöhle deutlich länger an. Der orale Lichen planus kann allein oder gleichzeitig mit Lichen planus der Haut oder Genitalschleimhaut auftreten.

Symptome

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Lichen planus in der Mundhöhle

Die Erkrankung entwickelt sich oft langsam und kann lange Zeit ohne Symptome verlaufen.

Die Veränderungen der Schleimhäute in der Mundhöhle können unterschiedliches Aussehen aufweisen. Sie treten meist beidseitig auf. Am häufigsten zeigt sich die Erkrankung als ein Netz von weißen Linien (netzartige Form) oder Flecken an der Innenseite der Wangen oder auf der Zunge. Gleichzeitig können in der Mundhöhle rote Bereiche und/oder wunde Stellen (erosive Form) vorkommen. Die netzartige Form ist am leichtesten zu erkennen und verursacht am wenigsten Beschwerden. Die erosive Form ist dagegen am schmerzhaftesten. Schleimhautveränderungen können auch auf dem Zahnfleisch, den Lippen, dem Mundboden und am Gaumen vorkommen. Schmerzen und brennende Beschwerden können auftreten. Die Beschwerden verschlimmern sich häufig nach dem Essen und Trinken.

Bei vielen Betroffenen mit oralem Lichen planus treten auch Flechten an der Genitalschleimhaut oder auf der Haut auf.

Ursachen

Die eigentliche Ursache des oralen Lichen planus ist nicht bekannt, es handelt sich aber um eine Autoimmunerkrankung. Zudem besteht eine Verbindung zu Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Auch Hepatitis C scheint das Risiko für die Erkrankung zu erhöhen.

Häufigkeit

Oraler Lichen planus kommt bei 0,1–4 % der Bevölkerung vor, am häufigsten bei älteren Frauen. Die Erkrankung tritt in der Regel erstmals im Alter von 30–60 Jahren auf.

Untersuchungen

  • Zur Diagnose werden die Schleimhautveränderungen begutachtet, evtl. auch unter dem Mikroskop.
  • Zur Bestätigung der Diagnose kann ein Stück Gewebe aus dem betroffenen Bereich der Schleimhaut entnommen und untersucht werden (Biopsie), um die Erkrankung von anderen Krankheiten unterscheiden zu können.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist es, die Beschwerden zu lindern. Da die Erkrankung bei weniger als 20 % der Betroffenen vollständig verschwindet, ist die Behandlung von einem oralen Lichen planus langwierig.

Medikamente

  • Zur lokalen Schmerzlinderung kann Lidocain 2 % Mundgel aufgetragen werden (4- bis 8-mal täglich eine erbsengroße Menge).
  • Die erste Wahl bei der Therapie ist lokal angewandtes Kortison, z. B. als Haftgel, das auf die betroffenen Stellen aufgetragen wird.
  • Alternativ können sog. Calcineurininhibitoren (z. B. Tacrolimus) angewendet werden.
  • Wenn die Behandlung nicht ausreichend wirkt, kann Kortison auch in die Schleimhaut gespritzt werden.
  • Bei starken Beschwerden können Kortisontabletten zum Einnehmen verschrieben werden. Alternativ können auch andere Medikamente eingesetzt werden, die das Immunsystem unterdrücken (sog. Immunsuppressiva).

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

  • Auch eine photodynamische Therapie oder eine Behandlung mit Laser können die Beschwerden lindern.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Oraler Lichen planus (OLP). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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