Somatoforme Körperbeschwerden
Somatoforme Körperbeschwerden
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Was sind somatoforme Körperbeschwerden?
Definition
Somatoforme Beschwerden kommen in fast allen medizinischen Bereichen vor. Man spricht auch von funktionellen oder nichtspezifischen Körperbeschwerden. Die Erkrankung ist dadurch gekennzeichnet, dass Betroffene ihre Ärzt*innen wiederholt aufgrund körperlicher (organischer) Beschwerden aufsuchen, die bereits umfassend untersucht wurden, ohne dass Anzeichen einer zugrunde liegenden körperlichen Erkrankung zu finden wären. Eine Variante der Krankheit ist, wenn die körperlichen Befunde nicht schwerwiegend genug sind, um die Probleme der Betroffenen und ihre Ängste zu erklären. Der Schweregrad umfasst ein Spektrum, das von ganz leichten Fällen, die nur schwer von normalen Varianten zu unterscheiden sind, bis zu Krankheitsbildern reicht, die mit völliger Erwerbsunfähigkeit verbunden sind.
Symptome
Die Symptome gehören in der Regel zu einer dieser Gruppen:
- Schmerzen (z. B. Kopf- und Rückenschmerzen)
- Symptome von verschiedenen Organsystemen (z. B. Herz/Kreislauf, Darm), wie Herzklopfen, Schwindel, Verdauungsstörungen, sog. vegetative Symptome
- Müdigkeit, chronische Erschöpfung und subjektiv verringerte Belastbarkeit
Derartige Beschwerden werden häufig auch als funktionelle Beschwerden oder Symptome bezeichnet. In diese Gruppe gehören u. a. das Reizdarmsyndrom, die Fibromyalgie und das chronische Erschöpfungssyndrom.
Funktionelle Symptome sind Symptome, deren Ursprung nicht mit einer organischen Erkrankung in Zusammenhang gebracht werden kann. Sie sind als körperliche Symptome definiert, die nicht auf Grundlage einer bekannten und definierten somatischen (körperlichen) Störung erklärt werden können.
Ursachen
Es gibt kein einheitliches Erklärungsmodell für somatoforme Störungen. Individuelle Faktoren spielen bei der Entstehung eine große Rolle. Dazu gehören genetische Faktoren, Persönlichkeitsstruktur, psychosoziale Belastungen, Traumata, Körperbewusstsein und daraus folgende körperliche Symptome und Erkrankungen. Die Symptome werden auch durch soziale und kulturelle Faktoren beeinflusst.
Vermutlich führen verschiedene Veränderungen im Nervensystem zu einer erhöhten Reizempfindlichkeit. Auslöser der Erkrankung ist oft psychosozialer Stress, insbesondere Trennungen und Verluste. In vielen Fällen treten psychische Begleiterkrankungen auf.
Somatoforme Störungen scheinen in Familien gehäuft vorzukommen. Frauen sind 2- bis 3-mal häufiger betroffen als Männer. Auch Menschen aus einkommensschwächeren Schichten und mit Migrationshintergrund sind häufiger betroffen.
Häufigkeit
Rund 20 % der Personen, die hausärztlichen Rat suchen, leiden unter nichtspezifischen somatoformen Körperbeschwerden. Somatoforme Störungen treten in allen Altersgruppen etwa gleich häufig auf.
Häufig gehen die Beschwerden mit anderen psychischen Erkrankungen einher (z. B. Depression, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörung, Persönlichkeitsstörungen).
Untersuchungen
- Ärzt*innen stellen die Diagnose einer somatoformen Störung durch eine Anamnese, die so gründlich ist, dass abgeklärt werden kann, ob eine körperliche Grunderkrankung oder eine funktionelle Störung vorliegt. Daher ist es sehr wichtig, auch psychosoziale Belastungsfaktoren zu ermitteln.
- Bei der körperlichen Untersuchung kann entweder keine Erklärung für die Beschwerden gefunden werden, oder die Befunde stehen in keinem Verhältnis zu den Beschwerden.
- Um schwere Erkrankungen auszuschließen, werden möglicherweise weitere Untersuchungen empfohlen, z. B. Blutuntersuchungen oder bildgebende Verfahren. Überdiagnostik und wiederholte Untersuchungen sollen jedoch vermieden werden.
- Mit speziellen Fragebögen können psychische Störungen erfasst werden.
- Bei länger bestehenden Beschwerden ohne körperliche Ursache ist eine psychiatrische Untersuchung hilfreich.
Behandlung
In den meisten Fällen besteht die Behandlung darin, die Betroffenen darin zu coachen, mit ihren Beschwerden zu leben, oder ihnen einen angemesseneren Umgang mit ihren Beschwerden aufzuzeigen. Die Lebensqualität soll verbessert und die Beschwerden gelindert werden.
Medikamente
- Psychische Begleiterkrankungen wie Depression oder Angststörung können mit Antidepressiva behandelt werden.
- Bei einzelnen funktionellen Störungen, wie z. B. dem Reizdarmsyndrom, lassen sich die Symptome vorübergehend gut mit Medikamenten lindern.
- Schmerzmittel sollten nicht eingesetzt werden. Besonders Opioide, Cannabinoide und Benzodiazepine sind wegen des bei somatoformen Störungen erhöhten Abhängigkeitsrisikos zu vermeiden.
Psychotherapie
- Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist eine Psychotherapie. Dabei ist eine kognitive Verhaltenstherapie am besten geeignet.
Ergänzende Verfahren
- Entspannungsübungen können vielen Betroffenen helfen, da Spannungen im Körper ein zentraler Faktor bei diesen Störungen sind.
- Weitere Verfahren, die ergänzend angewandt werden können, sind z. B. Physiotherapie, Atemtherapie, Biofeedback, Bewegungs- oder Tanztherapie, therapeutisches Schreiben, Musiktherapie, Meditation und Achtsamkeitstraining (MBSR) sowie Übungen aus Taichi, Qigong und Yoga.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Somatoforme Körperbeschwerden. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie e. V. (DGPM). S3-Leitlinie Funktionelle Körperbeschwerden. AWMF-Leitlinie Nr. 051-001, Stand 2018 (abgelaufen). register.awmf.org
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2024. Stand 15.09.2023. klassifikationen.bfarm.de
- Henningsen P, Rudolf G. Somatoforme/funktionelle Störungen: Klassifikation, psychodynamische Erklärungsmodelle, Diagnostik und Therapie. In: Rudolf G, Henningsen P. (Hrsg.): Psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik: Ein einführendes Lehrbuch auf psychodynamischer Grundlage. Schattauer: Stuttgart, 2013.
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Psychosomatische Dermatologie (Psychodermatologie). AWMF-Leitlinie-Nr. 013-024, Klasse S1, Stand 2018 (abgelaufen). www.awmf.org
- van der Horst HE, van Marwijk H. Non-pharmacological interventions for somatoform disorders and medically unexplained physical symptoms (MUPS) in adults. Cochrane Database Syst Rev 2014;(11):CD011142. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Kleinstäuber M, Witthöft M, Steffanowski A, van Marwijk H, Hiller W, Lambert MJ. Pharmacological interventions for somatoform disorders in adults. Cochrane Database Syst Rev 2014;(11):CD010628. doi: 10.1002/14651858.CD010628.pub2 DOI
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