Herpes-simplex-Infektion im Mund

Herpes-simplex-Infektion im Mund

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Was ist eine Herpes-simplex-Infektion?

Definition

Es gibt mehrere Arten von Herpes-Viren, die unterschiedliche Krankheiten verursachen können. Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 und gelegentlich auch HSV-2 lösen bei ansonsten gesunden Personen meist keine ernsthaften Erkrankungen aus, sondern führen am häufigsten zu einer Infektion mit kleinen schmerzhaften Bläschen im Bereich der Haut-Schleimhaut-Übergangszone der Lippen (Herpes labialis). Es kann auch eine Infektion in der Mundschleimhaut (Gingivostomatitis) auftreten.

Bei Personen mit Immunschwäche kann eine HSV-1-Infektion schwer und lebensbedrohlich verlaufen.

Symptome

Die Erstinfektion verläuft meist unbemerkt ohne Symptome, aber bei 10–30 % der Patient*innen äußert sie sich als akute Gingivostomatitis herpetica. Bei den Betroffenen bilden sich kleine schmerzhafte Bläschen auf dem Zahnfleisch (Gingiva) und auf der Innenseite der Wangen, aber auch auf der Zunge, den Lippen oder der Haut im Bereich um den Mund. Die Läsionen bluten leicht und können mit einem schwarzen Schorf bedeckt sein. Schon davor kann es zu Appetitlosigkeit, Unwohlsein, Reizbarkeit, Fieber und vergrößerten Lymphknoten kommen. Die Erkrankung geht nach 7‒14 Tagen zurück.

Bei Lippenherpes, der häufigsten Form einer oralen Herpes-Simplex-Infektion treten bei rund 60 % der Betroffenen ebenfalls Frühsymptome in Form von Juckreiz, Brennen und Stechen auf, die zwischen 12 und 36 Stunden andauern. Danach kommt es zum Ausbruch mit Ansammlungen von Bläschen an der Übergangszone der Lippen. Die Bläschen platzen, bilden Geschwüre und verkrusten innerhalb von 24–48 Stunden. Die Spontanheilung beginnt nach 3–4 Tagen und dauert 7–10 Tage.

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Herpes-Bläschen an den Lippen

Ursachen

Eine Ansteckung mit HSV-1 erfolgt meist im Kindesalter. Das Virus wird vorwiegend über Speichel übertragen. Die Inkubationszeit beträgt 3‒6 Tage, in einigen Fällen 2 Tage bis 2 Wochen. Mit 30 Jahren weisen 50 % der Menschen in Ländern mit hohem Lebensstandard Antikörper auf, hatten also bereits Kontakt mit dem Virus, gegenüber 80 % in Ländern mit niedrigerem Lebensstandard.

Das Virus kann in die Zellkerne von Nervenzellen eindringen, wo es in eine Ruhephase eintritt. Durch Stress, Sonnenlicht, Kälte, Verletzungen und Menstruation kann das Virus reaktiviert werden. So ein erneutes Auftreten äußert sich meist als Herpes labialis, kann aber auch im Mund auftreten, häufig hinten auf der Gaumenschleimhaut. Die an einer erneuten Herpes-Infektion erkrankte Person ist auch wieder ansteckend, etwa durch direkten Kontakt mit der betroffenen Haut oder gemeinsam benutztes Besteck.

Häufigkeit

Die akute Gingivostomatitis herpetica tritt vor allem bei Kindern im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren auf, meist bei 1- bis 3-Jährigen. Gelegentlich betrifft diese Infektion jedoch auch jüngere Erwachsene, dann entwickeln sich die Bläschen eher im hinteren Teil der Mundhöhle und im Rachen.

Es scheint keine saisonalen Schwankungen zu geben.

Weltweit sind HSV-Infektionen in den letzten Jahrzehnten angestiegen.

Untersuchungen

  • Die Diagnose wird auf der Grundlage des typischen Krankheitsverlaufs und des von kleinen Bläschen gekennzeichneten Ausschlags in der Mundhöhle bzw. an den Lippen gestellt.
  • Es kann schwierig sein, eine genaue Diagnose zu stellen, da Patient*innen häufig erst dann ärztliche Hilfe aufsuchen, wenn der typische Ausschlag bereits abgeklungen ist.
  • Die Krankheit kann schwer von z. B. Aphthen zu unterscheiden sein.
  • Sind die Symptome nicht typisch, kann die Bläschenflüssigkeit auf virale DNA untersucht werden.
  • Besteht der Verdacht auf Dehydratation, können die Blutwerte untersucht werden.

Behandlung

  • Die Bläschen an den Lippen gehen in den meisten Fällen von selbst zurück, und eine Behandlung ist selten erforderlich.
  • Wichtig ist es, dass vor allem Kinder ausreichend trinken, damit sie nicht dehydrieren (austrocknen). Dehydratation stellt die häufigste Komplikation akuter Herpes-Gingivostomatitiden im Kindesalter dar.
  • Eine möglichst frühzeitige antivirale Therapie scheint die Krankheitsschwere und -dauer sowie das Risiko für neurologische Komplikationen zu reduzieren, wobei Personen mit geschwächtem Immunsystem besonders von einer frühzeitigen antiviralen Therapie zu profitieren scheinen.
    • Da die Primärinfektion sehr häufig asymptomatisch verläuft und die antivirale Therapie mehr als 72 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome vermutlich nicht mehr ausreichend wirkt, ist eine Behandlung der akuten Infektion allerdings oft nicht möglich.
  • Rezidive verlaufen meist mild und gehen von selbst zurück, daher genügt in der Regel eine symptomatische Behandlung mit antiviralen Salben. Eine Behandlung in Tablettenform kommt am ehesten bei schweren Verläufen und ausgedehntem Befall infrage.
  • Bei starken Schmerzen können schmerzstillende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen als Salbe oder Tablette verabreicht werden.
  • Orale Herpes-Rezidive sind in der Schwangerschaft häufig, führen aber selten zu einer Gefährdung des Kindes. Die Übertragung eines Lippenherpes auf den Genitalbereich ist durch eine sorgfältige (Sexual-)Hygiene zu vermeiden.
  • Bei genitalen Rezidiven, besteht ein hohes Mutter-Kind-Übertragungsrisiko während der Geburt, weshalb in diesen Fällen ein Kaiserschnitt empfohlen wird.
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