Harnwegsinfekte bei Männern
Harnwegsinfekte bei Männern
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Was sind Harnwegsinfekte bei Männern?
Definition
Harnwegsinfekte sind Entzündungen durch Infektionen mit Bakterien. Eine Blasenentzündung wird auch Zystitis genannt. Es handelt sich um eine untere Harnwegsinfektion. Bei einer oberen Harnwegsinfektion entzündet sich das Nierenbecken.
Man unterscheidet unkomplizierte von komplizierten Infektionen. Der Harnwegsinfekt bei älteren Männern gilt meist als kompliziert, weil eine altersbedingt vergrößerte Prostata den Harnabfluss beeinträchtigen und so eine Infektion begünstigen kann. Ein Harnwegsinfekt, der nicht behandelt wird, kann auf die Prostata übergreifen. Harnwegsinfekte bei Männern sollten genau untersucht werden.
Symptome
Meist brennt und schmerzt es beim Wasserlassen (Dysurie). Viele Patienten leiden unter häufigem, starkem Harndrang. Auf der Toilette entleert sich dann oft nur eine geringe Menge. Einige Patienten haben Schmerzen im Unterbauch. Manchmal ist der Harn trüb, weil er Eiter enthält. Die Beschwerden können sich aber auch auf Fieber beschränken – gerade bei älteren Patienten. Die Symptome können sogar ausbleiben.
Bei Harnwegsinfekten mit Fieber ist häufig auch die Prostata entzündet. Betroffene Männer leiden oft unter Fieber und Beckenschmerzen. Sie fühlen sich meist krank. Der Harn fließt oft träufelnd oder stotternd.
Manchmal kommt es zu einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). Sie äußert sich in der Regel durch Fieber, Schüttelfrost und Flankenschmerzen.
Ursachen
Wenn Bakterien in die Harnwege gelangen, kann das zu einer Entzündung führen. Die meisten Fälle entstehen durch das Bakterium E. coli, das im Darm lebt. Die Bakterien gelangen von außen in die Harnröhre. Von dort können sie in die Blase und weiter bis in die Nierenbecken aufsteigen.
Männer haben seltener Harnwegsinfekte als Frauen: Ihre Harnröhre ist deutlich länger. Dadurch wird es für die Bakterien schwieriger, in die Blase aufzusteigen. Außerdem wirkt das Prostatasekret antibakteriell. Deswegen sollte bei Männern eine konkrete Ursache gesucht werden.
Risikofaktoren
- Geschlechtsverkehr mit infizierten Partner*innen
- Analverkehr
- Vorhautveränderungen
- Vergrößerung der Prostata
- HIV-Infektion
- Immunschwäche
- Urinkatheter
- Vorangegangene Operationen an den Harnwegen
Häufigkeit
Männer erkranken deutlich seltener als Frauen. Das Risiko steigt mit dem Alter an. Die meisten Patienten sind älter als 50 Jahre.
Männer haben ein deutlich erhöhtes Risiko, wenn sie in Pflegeeinrichtungen leben und/oder einen Dauerkatheter tragen.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
Im Arztgespräch ist die Frage nach Fieber wichtig. Fieber kann auf eine Entzündung des Nierenbeckens (Pyelonephritis) oder der Prostata hinweisen. Bei einer Pyelonephritis kann das Beklopfen der Nierengegend schmerzhaft sein. Bei Männern geht man in der Regel von einem komplizierten Harnwegsinfekt aus. Männer sollten daher genauer untersucht werden. Die Prostata kann über den Enddarm mit dem Finger untersucht werden (rektale Untersuchung).
Jeder Patient sollte Harn abgeben. Davor sollte die Eichel mit Wasser gereinigt werden, um Verunreinigungen der Urinprobe zu vermeiden. Für die Probe sollte Mittelstrahlurin gewonnen werden. Das heißt, eine erste Postion Urin sollte in die Toilette laufen, bevor Urin mit dem Becher aufgefangen wird. Der letzte Rest in der Blase sollte wieder in die Toilette laufen. Die Bakterien in der Urinprobe werden in einer Urinkultur angezüchtet. Damit kann festgestellt werden, ob eine Infektion vorliegt und um welchen Erreger es sich handelt. Man kann auch Antibiotikaresistenzen feststellen bzw., welche Antibiotika gegen den Erreger wirken. Der Harn für die Harnkultur sollte mehr als 4 Stunden in der Blase gewesen sein.
Einige Praxen können Entzündungszellen im Urin unter dem Mikroskop untersuchen.
Bei Spezialist*innen
Es kann sinnvoll sein, die Harnwege mit Ultraschall zu untersuchen. Das geschieht etwa bei einem Verdacht auf Steine in den Harnwegen oder eine Pyelonephritis.
Der Patient erhält eine Überweisung an eine urologische Praxis oder eine Krankenhauseinweisung bei folgenden abwendbar gefährlichen Verläufen:
- Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
- Harnröhrenentzündung (Urethritis)
- Entzündungen von Hoden (Orchitis) oder Nebenhoden (Epididymitis)
- Harnleiter- oder Nierensteine
- Prostatahyperplasie (vergrößerte Prostata) oder verstopfte Katheter als Ursache des Harnwegsinfekts
- Schwere Entzündung der Prostata
- Urosepsis (Blutvergiftung)
Behandlung
In der Regel erhält der Patient ein Antibiotikum. Der Wirkstoff hängt vom Ergebnis der Harnkultur ab. Die Harnkultur zeigt, welche Antibiotika gegen die Erreger wirken. Das kann von Fall zu Fall unterschiedlich sein.
Behandlung bei Bakterien im Harn ohne Symptome (asymptomatische Bakteriurie)
Eine asymptomatische Bakteriurie soll nicht mit einem Antibiotikum behandelt werden, sofern der Patient
- jünger ist und
- keine relevanten Begleiterkrankungen hat.
Behandlung bei einer akuten komplizierten Harnwegsinfektion
- Es sollte eine Resistenztestung durchgeführt werden, wenn eine Antibiotikatherapie angezeigt ist.
- Das Antibiotikum wird an das Ergebnis der Kultur und Resistenzbestimmung angepasst.
Empirische Behandlung bei akuter unkomplizierter Zystitis bei jüngeren Männern
- Es kann sinnvoll sein, die Erkrankung zu behandeln, bevor der Erreger bekannt ist (empirische Therapie).
- Der Patient kann Pivmecillinam oder Nitrofurantoin erhalten.
- Nitrofurantoin bekommt der Patient nur dann, wenn die Prostata nicht beteiligt ist.
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