Entzündung der Nebenhoden (Epididymitis)

Entzündung der Nebenhoden (Epididymitis)

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Was ist eine Epididymitis?

Definition

Eine Epididymitis ist eine Entzündung der Nebenhoden, die oberhalb und hinter den Hoden liegen. Die Entzündung tritt in der Regel einseitig auf. In manchen Fällen liegt eine gleichzeitige Hodenentzündung (Orchitis) vor.

Skrotum Epididymitis.jpg

Symptome

Typische Symptome der akuten Nebenhodenentzündung sind eine über wenige Tage zunehmende Schwellung und Schmerzen im Hodensack. Der Schmerz strahlt häufig in den Unterbauch aus. Der Hodensack kann gerötet und warm sein. In der Regel bestehen die Beschwerden nur auf einer Seite. Dazu können Schüttelfrost und Fieber zwischen 39 und 40 °C auftreten. Oft macht sich auch ein Brennen in der Harnröhre und der Drang zu häufigem Wasserlassen bemerkbar, gelegentlich auch ein Ausfluss aus der Harnröhre. 

Ursachen

Eine Nebenhodenentzündung wird normalerweise durch eine bakterielle Infektion verursacht. Die gleichen Bakterien, die zu einer Blasen- oder Harnwegsentzündung führen, können auch in die Nebenhoden gelangen.

Bei jüngeren Männern ist die Nebenhodenentzündung häufig eine Komplikation von Geschlechtskrankheiten, die durch eine Infektion mit Chlamydien oder Gonokokken verursacht werden.

Vor allem bei älteren Personen kann es zu einer Nebenhodenentzündung nach Eingriffen (Operation, Katheterisierung, Untersuchung) an den Harnwegen kommen, wenn dabei eine sich ausbreitende Infektion entsteht. Auch eine Prostatavergrößerung kann eine Nebenhodenentzündung begünstigen.

Bei Kindern kann die Epididymitis nach einer viralen Infektion (z. B. Mumps) auftreten. Es kommt auch vor, dass 2–3 Tage nach Schlägen im Genitalbereich eine vorübergehende Schwellung und Entzündung eines Nebenhodens auftritt.

Häufigkeit

Nebenhodenentzündungen treten selten vor der Pubertät auf. Insbesondere junge, sexuell aktive Männer zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr sind betroffen. Aber auch ältere Männer können an einer Nebenhodenentzündung erkranken.

Untersuchungen

  • Die Diagnose wird auf der Grundlage der typischen Symptome und Befunde gestellt.
  • Durch Abtasten des Hodensacks können Ärzt*innen eine Schwellung der Nebenhoden von einer Schwellung der Hoden (Orchitis) unterscheiden.
  • Im Rahmen der ärztlichen Untersuchung wird zudem der Urin auf Geschlechtskrankheiten sowie eine gewöhnliche Harnwegsinfektion überprüft. Es kann auch ein Abstrich der Harnröhre entnommen werden.
  • Weitere Untersuchungen, insbesondere Ultraschalluntersuchungen, können angebracht sein, wenn die Diagnose unsicher ist oder die Behandlung nicht wie geplant anschlägt. 

Behandlung

  • Da die Ursache in den meisten Fällen eine bakterielle Infektion ist und eine Nebenhodenentzündung sehr schmerzhaft ist, beginnt man schon vor der genauen Bestimmung des Bakteriums mit einer Antibiotikatherapie.
  • Darüber hinaus werden in der akuten Phase Bettruhe und eine Entlastung des Hodens durch Anheben empfohlen.
  • Bei starken Schmerzen können Schmerzmittel eingenommen werden. Auch kühlende Umschläge können Linderung verschaffen.
  • In einigen Fällen kann ein Krankenhausaufenthalt erforderlich werden.
  • Wenn die Ursache auf eine sexuell übertragene Infektion zurückzuführen ist, sollte eine Untersuchung und ggf. Behandlung der Sexualpartner*innen stattfinden.
  • Etwa einen Monat nach Beendigung der Behandlung sollte eine Kontrolluntersuchung durchgeführt werden.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

 

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Epididymitis (Nebenhodenentzündung). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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