Schmerzhaftes Wasserlassen bei Männern
Schmerzhaftes Wasserlassen bei Männern
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Was ist schmerzhaftes Wasserlassen bei Männern?
Wenn das Wasserlassen bei Männern schmerzhaft oder erschwert ist, können verschiedene Erkrankungen die Ursache sein. Da einige davon schwerwiegende Folgen haben können, ist es wichtig, sie ärztlich abklären zu lassen.
Was kann die Ursache sein?
Blasenentzündung (Zystitis)
Ein häufiger Grund für Schmerzen beim Wasserlassen sind Harnwegsinfekte. Eine Blasenentzündung bekommen pro Jahr etwa 8 von 1.000 Männern. Sie treten bei Männern also seltener auf als bei Frauen, gelten aber als kompliziert, weil die Prostata mitbetroffen sein kann.
Typische Symptome einer Blasenentzündung sind Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen im Unterbauch sowie ein häufiger und starker Harndrang. Manchmal treten die Schmerzen erst zum Ende des Wasserlassens auf.
Entzündung der Harnröhre (Urethritis)
Bei einer Harnröhrenentzündung treten stechende oder brennende Schmerzen insbesondere zu Beginn beim Wasserlassen auf. Manche Patienten verspüren außerdem Juckreiz und haben Ausfluss aus der Harnröhre. Häufig haben Betroffene auch gar keine Beschwerden.
Die Urethritis kommt am häufigsten bei Männern vor, die jünger als 35 Jahre sind. Die Erreger werden meist durch sexuelle Kontakte übertragen. Zu ihnen zählen Gonokokken, Chlamydien, Mykoplasmen, Ureoplasmen, Trichomonaden oder Adenoviren.
Nebenhodenentzündung (Epididymitis)
Nebenhodenentzündungen sind fast immer einseitig, entwickeln sich schnell und führen zu Schmerzen, Schwellung des Hodens und oft auch Fieber.
Bei Männern bis 35 Jahre sind sexuell übertragbare Erreger häufiger (Chlamydien, Gonokokken), bei älteren Männern eher die „üblichen“ Erreger eines Harnwegsinfekts, z. B. Kolibakterien.
Akute bakterielle Entzündung der Prostata (akute Prostatitis)
Eine akute Prostatitis führt zu starken Schmerzen im Dammbereich (zwischen After und Hoden), die in Bauch oder Rücken ausstrahlen können, zu häufigem und schmerzhaftem Wasserlassen, erschwertem Wasserlassen und einem starken allgemeinen Krankheitsgefühl mit Fieber.
Chronische Entzündung der Prostata (chronische Prostatitis)
Bei einer chronischen Prostatitis dauern die Beschwerden mindestens 3 Monate an und sind nicht so stark wie bei der akuten Prostataentzündung. Sie kann zu Schmerzen beim Wasserlassen, häufigem und erschwertem (tröpfelndem) Wasserlassen führen. Die Schmerzen treten meist im Dammbereich auf und können in Hoden, Leiste, Rücken oder Bauch ausstrahlen. Auch Schmerzen während oder nach der Ejakulation sind möglich. Bis zu 10 % der Männer haben eine chronische Prostatitis. In den meisten Fällen liegt keine Infektion mit Bakterien vor (chronische nicht-bakterielle Prostatitis).
Gutartige Prostatavergrößerung (BPH = benigne Prostatahyperplasie)
Mögliche Symptome der gutartigen Prostatavergrößerung sind ein schwacher Harnstrahl, verstärkter und häufiger Harndrang auch in der Nacht, Wasserlassen in kleinen Mengen und Schmerzen beim Wasserlassen. Eine gutartige Prostatavergrößerung verursacht bei etwa 20 von 100 Männern im Alter von 50 bis 59 Jahren und bei etwa 40 von 100 Männern im Alter ab 70 Jahren mittlere bis schwere Symptome.
Andere Ursachen
Mechanische Reizungen, z. B. durch Reiten oder Fahrradfahren, können ebenfalls zu Schmerzen beim Wasserlassen führen.
Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?
Schmerzen beim Wasserlassen können durch verschiedene Erkrankungen hervorgerufen werden und sollten immer ärztlich abgeklärt werden.
Besonders wichtig ist der Arztbesuch, wenn folgende weitere Symptome auftreten:
- Flankenschmerzen: Sie können auf eine Nierenbeckenentzündung oder einen Nierenstein hindeuten.
- Stark verminderte Harnausscheidung: Kann auf einen Harnverhalt hinweisen.
- Fieber über 38,5 °C: Zeichen einer Entzündung, wie Nierenbeckenentzündung, Prostatitis oder Epididymitis
- Blut im Urin: Kann auf einen Nierenstein oder krankhafte Veränderung der Harnblase hinweisen.
- Prostatabeschwerden, wie erschwertes Wasserlassen, Harntröpfeln
- Wenn dauerhaft ein Harnblasenkatheter liegt, können Krankheitserreger leichter in die Blase gelangen und eine Infektion auslösen.
- Nach einem Unfall mit Verletzung im Genital-/Beckenbereich
- Benommenheit, Schwindel, erhöhte Atemfrequenz, sehr schlechtes Allgemeinbefinden: Diese Symptome können Anzeichen einer Sepsis („Blutvergiftung“) sein.
Untersuchungen
Arztgespräch (Anamnese)
Im Anamnesegespräch können Ihnen z. B. folgende Fragen gestellt werden:
- Wie und wo äußern sich die Schmerzen beim Wasserlassen?
- Tritt das Brennen zu Beginn oder gegen Ende der Blasenentleerung auf?
- Besteht ein vermehrter Harndrang? Wie ist es in der Nacht?
- Gibt es Probleme beim Entleeren der Blase?
- Haben Sie Fieber, leiden Sie unter Übelkeit oder fühlen Sie sich krank?
- Haben Sie Blut im Urin, eine Trübung des Urins oder einen besonderen Geruch bemerkt?
- Gibt es Hautveränderungen im Genitalbereich?
- Haben Sie Ausfluss aus der Harnröhre?
- Hatten Sie in den letzten Wochen Geschlechtsverkehr?
Ärztliche Untersuchung
Bei der körperlichen Untersuchung werden je nach Angaben aus dem Vorgespräch der Bauch, die Leisten, die Hoden und Nebenhoden sowie die Nierengegend abgetastet. Die Harnröhrenöffnung wird auf Ausfluss untersucht. Möglicherweise wird eine Vergrößerung der Prostata durch eine rektale Tastuntersuchung abgeklärt.
Falls es Hinweise auf eine Nierenbeckenentzündung gibt, folgen weitere Untersuchungen: Der Urin wird mittels eines Teststreifens untersucht, und oft wird zusätzlich eine Urinkultur angelegt, um die Erreger zu identifizieren.
Bei wiederholten Harnwegsinfekten oder wenn weitere Untersuchungen notwendig sind werden Sie u. U. an eine urologische Praxis überwiesen. Bei Zeichen einer schweren Infektion, z. B. bei Nierenbeckenentzündung oder Verstopfung von Harnwegen durch einen Nierenstein, erfolgt eine Einweisung in eine urologische Klinikabteilung.
Behandlung
Ein durch Bakterien ausgelöster Harnwegsinfekt wird bei Männern in der Regel mit Antibiotika behandelt. Handelt es sich um eine sexuell übertragbare Infektion, so ist es wichtig, auch die Partner*innen mit zu behandeln.
Sind andere Krankheiten die Ursache, werden diese gezielt behandelt.
Autorin
- Karen Zoufal, Medizinjournalistin, Helmstedt
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Dysurie bei Männern. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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