Wirbelkörperbruch bei älteren Menschen
Wirbelkörperbruch bei älteren Menschen
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed. Mehr erfahren
Was ist ein Wirbelkörperbruch bei älteren Menschen?
Definition
Die Wirbelsäule besteht aus knöchernen Elementen, die Wirbelkörper genannt werden. Ein Bruch eines Wirbelkörpers beschreibt das Einsinken oder den Zusammenbruch eines Wirbelkörpers.
Ein Wirbelkörperbruch bei älteren Menschen ist eine häufige Folge des Knochenschwundes. Wenn durch Knochenschwund die Knochendichte abnimmt und der Knochen dadurch porös wird, spricht man von Osteoporose. Medizinisch wird ein Wirbelkörperbruch im Alter auch osteoporotische Kompressionsfraktur oder Sinterungsfraktur genannt.
Symptome
Ein altersbedingter Wirbelkörperbruch kann zu plötzlich einschießenden stechenden Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkungen führen. Meist gibt es für diesen Schmerz keine Erinnerung an ein auslösendes Ereignis, weil Wirbelkörperbruch oft bereits durch geringe Verletzungen oder Alltagsbewegungen entsteht.
Die Schmerzen werden meistens stärker bei Bewegung, im Sitzen oder Stehen. Im Liegen sind sie in der Regel schwächer. Es gibt auch Wirbelkörperbrüche, bei denen keine Beschwerden auftreten.
Häufig ist der vordere Teil des Wirbelkörpers von einem Bruch betroffen. Wenn viele Wirbelkörper zusammenbrechen, verändert das die Form der Wirbelsäule, und sie wird gebeugt. Dadurch nimmt möglicherweise die Körpergröße ab, oder Betroffene gehen nach vorne gebeugt. Wenn die Wirbelsäule sehr stark gebeugt wird, kann es sein, dass der Platz im Bauch und im Brustkorb geringer wird und z. B. die Lunge sich nicht mehr gut entfalten kann. Eine Folge kann auch sein, dass das Blickfeld eingeschränkt ist, weil der Körper vornüber geneigt ist, oder dass das Gleichgewicht gestört ist.
Ursachen
Die Ursache für einen Wirbelkörperbruch im Alter ist oft eine zu geringe Dichte der Knochen, wie sie bei Osteoporose auftritt. So können die Knochen schon bei geringer Belastung oder auch ohne jeden Grund brechen. Ist die Osteoporose weit vorangeschritten, können die Wirbelkörper bereits brechen, wenn das Gewicht des Oberkörpers zu schwer für die Wirbelkörper ist. Andere Ursachen für einen Wirbelkörperbruch sind alltägliche Tätigkeiten, das Anheben kleiner Gegenstände oder einfach nur kräftiges Niesen oder Husten.
Risikofaktoren
Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren oder Erkrankungen, die einen Wirbelkörperbruch begünstigen:
- Zunehmendes Alter
- Weibliches Geschlecht: Frauen entwickeln nach der Menopause häufiger eine Osteoporose und haben ein höheres Risiko für Knochenbrüche als Männer.
- Knochenbrüche in der Vorgeschichte
- Sturzneigung und die Notwendigkeit einer Gehhilfe
- Geringes Körpergewicht (BMI < 22)
- Erhöhter Alkoholkonsum oder eine alkoholbedingte Lebererkrankung
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Herzschwäche oder Nierenschwäche
- Vorangegangene Magen-Operationen
- HIV-Infektion
- Medikamenteneinnahme (z. B. Antidepressiva oder Kortison)
- Stoffwechselerkrankungen wie (Diabetes oder Hyperthyreose)
- Chronisch-entzündliche Systemerkrankungen (z. B. Zöliakie oder Rheuma)
Häufigkeit
- Die Häufigkeit einer Wirbelkörperfraktur steigt mit dem Alter.
- Frauen sind häufiger betroffen als Männer: Von 100.000 Menschen im Alter von 60–69 Jahren erleiden pro Jahr rund 66 Frauen und 56 Männer einen Wirbelkörperbruch im Bereich der Lendenwirbelsäule. Im Alter von 80–89 Jahren erleiden statistisch etwa 383 Frauen und 275 Männer pro Jahr einen Wirbelkörperbruch in der Lendenwirbelsäule.
- Vermutlich werden nur 1/3 bis 1/4 aller Wirbelkörperbrüche bei älteren Menschen erkannt, da Rückenschmerzen oft als Bestandteil eines normalen Alterungsprozesses gesehen werden.
Untersuchungen
Auf einen altersbedingten Wirbelkörperbruch weisen die typischen Beschwerden und die Krankengeschichte hin. Es folgen eine körperliche Untersuchung des Rückens – Wie gut ist die Beweglichkeit? Wo treten Schmerzen auf? –und eine neurologische Untersuchung. Hier wird geprüft, ob Funktionsstörungen der Nerven auftreten und ob die Bein- und Fußreflexe funktionieren. Unter Umständen werden die Blutwerte kontrolliert.
Bei Verdacht auf einen Wirbelkörperbruch werden die Betroffenen zu Spezialist*innen überwiesen. Dort können bildgebende Untersuchungen durchgeführt werden, die Knochendichte kann gemessen werden.
Behandlung
Ziele der Behandlung sind: Die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit wiederherstellen. Außerdem soll verhindert werden, dass es zu weiteren Wirbelkörperbrüchen kommt.
Konservative Therapie oder Operation?
Ein Punktesystem der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie bietet Ärzt*innen eine Orientierung, ob ein Wirbelkörperbruch besser ohne Operation oder mit Operation behandelt werden sollte. Meistens ist eine Behandlung ohne Operation ausreichend, die sog. konservative Therapie.
Möglicherweise ist ganz am Anfang Bettruhe angezeigt, die allerdings so kurz wie möglich gehalten werden sollte. Eine wirkungsvolle Schmerztherapie ermöglicht, dass Betroffene sich bald wieder bewegen können. Krankengymnastik ist wichtig, um den Rücken zu stabilisieren und Muskulatur aufzubauen.
Auch Maßnahmen wie z. B. Wärme- oder Kältebehandlungen können sinnvoll sein sowie orthopädische Hilfsmittel (z. B. ein Korsett, um den Körper wieder aufzurichten).
Bei operativen Verfahren wird z. B. Knochenzement in den betroffenen Wirbelkörper gespritzt, um den Wirbelkörper zu stabilisieren. Eine andere Möglichkeit ist das Einbringen eines aufblasbaren Ballons in den Wirbelkörper.
Zur weiteren Behandlung können auch Medikamente eingesetzt werden, sog. Bisphosphonate. Das sind Medikamente, die verhindern, dass die Knochen weiter abgebaut werden.
Autorin
- Lara Kolk, Dr. med., Ärztin in Weiterbildung Allgemeinmedizin, Bad Schwartau
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Osteoporotische Wirbelkörperfraktur. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Dachverband Osteologie e. V. S3-Leitlinie Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern ab dem 50. Lebensjahr. AWMF-Leitlinie Nr. 183-001, Stand 2023. register.awmf.org
- Krestan C, Greitbauer M. Trauma an Brustwirbelsäule und knöchernem Thorax. Der Radiologe 2020; 60: 610-23. link.springer.com
- Böcker W, Gosch M, Kammerlander C, et al. Alterstraumatologie - Kapitel 6: Verletzungen der Wirbelsäule. Stuttgart: Thieme, 2019. www.thieme-connect.de
- Chmielnicki M, Prokop A, Kandziora F, et al. Surgical and Non-surgical Treatment of Vertebral Fractures in Elderly. Z Orthop Unfall 2019; 157(6): 654-667. www.thieme-connect.com
- Longo UG, Loppini M, Denaro L, Maffulli N, Denaro V. Osteoporotic vertebral fractures: current concepts of conservative care. Br Med Bull 2012; 102: 171–189.. pmid:22130906 PubMed
- Engelhardt. Lexikon Orthopädie und Unfallchirurgie. Springer, 2017. Letzter Zugriff 31.08.23. www.lexikon-orthopaedie.com
- Chmiel C, Valentin S, Beise U, et al. Osteoporose. Praxis 2023; 112(4): 250-9. econtent.hogrefe.com
- Blattert TR, Schnake KJ, Gonschorek O, et al. Nichtoperative und operative Behandlung der osteoporotischen Wirbelkörperfraktur. Orthopäde 2019; 48: 84-91. link.springer.com
- Barr JD, Jensen ME, Hirsch JA, et al. Position statement on percutaneous vertebral augmentation: a consensus statement developed by the Society of Interventional Radiology (SIR), American Association of Neurological Surgeons (AANS) and the Congress of Neurological Surgeons (CNS), American College of Radiology (ACR), American Society of Neuroradiology (ASNR), American Society of Spine Radiology (ASSR), Canadian Interventional Radiology Association (CIRA), and the Society of NeuroInterventional Surgery (SNIS). J Vasc Interv Radiol 2014; 25(2): 171–181. pmid:24325929 PubMed
- Quante M. Osteoporotische Wirbelkörperfraktur. MMW - Fortschritte der Medizin 2012; 154: 49-50. link.springer.com
- Benditz A, Jerosch J. Osteoporotische Wirbelkörperfrakturen – Von der Diagnose zur Therapie. Zeitschrift für Rheumatologie 2022; 82: 18-24. link.springer.com
- Bublak R. Wirbelfraktur: Nutzen der vertebralen Augmentation ist nicht belegt. Orthopädie & Rheuma 2019; 22: 17. link.springer.com
- IQWiG. Osteoporose nach den Wechseljahren: Weniger Wirbelbrüche mit Teriparatid als mit Risedronat. Stand 05.12.2022. Letzter Zugriff 31.08.2023. www.iqwig.de
- Wirsching E. NEUES ZU TERIPARATID (FORSTEO) GEGEN OSTEOPOROSE?. arznei-telegramm 2017; 48: 104. www.arznei-telegramm.de
- a-t. Weitere Studie zu Teriparatid (FORSTEO) gegen Osteoporose. arznei-telegramm 2017; 48: 117. www.arznei-telegramm.de
- KBV. Teriparatid. Wirkstoff AKTUELL. Stand 20.11 2018. Letzter Zugriff 31.08.2023. www.kbv.de
- Sinaki M, Itoi E, Wahner HW, Wollan P, Gelzcer R, Mullan BP, et al. Stronger back muscles reduce the incidence of vertebral fractures: a prospective 10 year follow-up of postmenopausal women. Bone 2002;30:836-41. PubMed
- Delank K, Siekmann H, Gräper J. Department für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum Halle (Saale). Die osteoporotische Wirbelfraktur. Ärzteblatt Sachsen-Anhalt Fachartikel 0102/2014. www.aerzteblatt-sachsen-anhalt.de
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed.
Lesen Sie hier den vollständigen Originalartikel.
Die Inhalte auf team-praxis.de stellen keine Empfehlung bzw. Bewerbung der beschriebenen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Sie ersetzen nicht die fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Apotheker*in und dürfen nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Lesen Sie dazu mehr in unseren Haftungshinweisen.
In unserer Gesundheitsdatenbank suchen
Inhaltsverzeichnis anzeigenWissenswertes aus den hausärztlichen Praxen

Wissen, wann genug ist
Über Suchterkrankungen sprechen die meisten Menschen nicht gern.
Zum Beitrag

Juckende Augen und triefende Nasen: Hilfe bei Heuschnupfen
Leichte Symptome lassen sich oft durch einfache Maßnahmen lindern.
Zum Beitrag

Sind das die Wechseljahre?
Warum die Wechseljahre auch in der hausärztlichen Praxis Thema sind
Zum Beitrag