Wirbelsäulenverkrümmung im Alter

Wirbelsäulenverkrümmung im Alter

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Was ist eine Wirbelsäulenverkrümmung im Alter?

Definition

Eine Wirbelsäulenverkrümmung nach hinten („Buckel“) wird in der Medizin als Kyphose bezeichnet. Die normale Krümmung der Brustwirbelsäule kann mit dem Alter zunehmen. Ist die Verkrümmung besonders stark ausgeprägt, so spricht man von einer Hyperkyphose. 

Eine Hyperkyphose ist nicht nur aus kosmetischen Gesichtspunkten sehr unangenehm, sondern kann auch mit diversen ungünstigen Folgen wie Schmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit verbunden sein.

Symptome

Häufig bestehen keine Beschwerden. Im Verlauf können schleichend Rückenschmerzen einsetzen. Körperliche Aktivitäten können eingeschränkt sein.

Mit der Zeit nimmt die Körpergröße ab. Bei einigen Betroffenen nimmt der Bauchumfang zu und die Taille verschwindet, sodass z. B. Hosen nicht mehr passen. Wenn die Wirbelsäule in sich zusammensackt und sich verkrümmt, führt dies nicht selten dazu, dass sich der Abstand zwischen Brustkorb und Beckenkamm verringert und der Bauch nach vorn gedrückt wird.

Ursachen

Verschiedene Faktoren können zu einer Hyperkyphose beitragen. Eine häufige Ursache der Hyperkyphose ist Osteoporose und damit verbundene Wirbelkörperbrüche. Tatsächlich sind Wirbelkörperbrüche bei rund 40 % aller von einer stark ausgeprägten Hyperkyphose Betroffenen vorhanden. 

Abnutzungserscheinungen an den Bandscheiben können die Verkrümmung der Wirbelsäule verstärken. Auch die Rückenmuskulatur nimmt mit steigendem Alter häufig ab, sodass der Oberkörper nur schwer in eine aufrechte Haltung gebracht werden kann. Eine altersbedingte Schwäche der Bänder im Bereich des Rückens trägt zu einer geringeren Stabilität der Wirbelsäule bei. 

In seltenen Fällen kann eine Hyperkyphose auch erblich bedingt sein.

Häufigkeit

Die Häufigkeit der Hyperkyphose bei Menschen über 60 Jahre liegt Schätzungen zufolge bei 20‒40 %. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Untersuchungen

  • Die Diagnose ist offensichtlich: Es liegt eine verstärkte Verkrümmung der Brustwirbelsäule vor. Häufig ist auch die Körpergröße reduziert.
  • Das Röntgen der Wirbelsäule kann zusätzliche Informationen zu einer eventuell vorhandenen Osteoporose, früheren oder akuten Wirbelbrüchen und dem Krümmungswinkel liefern.
  • Bei Verdacht auf Osteoporose ist eine Bestimmung der Knochendichte sinnvoll.

Behandlung

  • Die Hyperkyphose wird mit Physiotherapie behandelt. Empfohlen wird ein Trainingsprogramm mit Übungen zur verbesserten Körperhaltung und zur Kräftigung der Rückenmuskulatur. Dies sollte 3-mal pro Woche je 1 Stunde über insgesamt 6 Monate unter physiotherapeutischer Anleitung durchgeführt werden.
  • Bei vorliegender Osteoporose kann eine medikamentöse Osteoporosebehandlung (z. B. mit Bisphosphonaten) eingeleitet werden. 
  • Ein stabiler Wirbelkörperbruch kann mit einer Rückenorthese behandelt werden, die die Wirbelsäule aufrichtet.
  • Wichtig ist die angemessene Behandlung von Rückenschmerzen, um der Entwicklung von chronischen Schmerzen vorzubeugen. Dazu werden Schmerzmittel und Physiotherapie eingesetzt.

Operation

  • Bei schmerzhaften Wirbelkörperbrüchen können kleinere operative Eingriffe (Vertebroplastie und Kyphoplastie) Linderung verschaffen und unter Umständen zu einer Verringerung der Wirbelsäulenverkrümmung beitragen.
  • Dabei wird mittels Injektion Knochenzement in die eingefallenen Wirbelkörper eingebracht. 

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hyperkyphose im Alter. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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