Anorexie (Magersucht)
Anorexie (Magersucht)
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Was ist Anorexie (Magersucht)?
Definition
Bei der Anorexie (Magersucht) handelt es sich um eine Essstörung, die durch eine dauerhaft eingeschränkte Zufuhr kalorienhaltiger Nahrung und eine starke Angst vor einer Gewichtszunahme gekennzeichnet ist. Betroffene Personen nehmen sich selbst als übergewichtig wahr, obwohl das Körpergewicht normal oder geringer ist, als für das Alter, das Geschlecht und den Entwicklungsstand mindestens zu erwarten wäre. Eine Anorexie beginnt häufig mit dem Wunsch, abzunehmen und schlanker zu werden.
Maßnahmen zur Gewichtsabnahme
An Anorexie erkrankte Personen haben starke Angst davor zuzunehmen, sie können dafür sorgen, dass eine Gewichtszunahme – trotz auffällig niedrigen Körpergewichts – verhindert wird, indem sie
- ihre Nahrungsaufnahme einschränken (Verzicht auf Fette und/oder Kohlenhydrate).
- übermäßig viel Sport treiben bzw. sich bewegen.
- nach der Nahrungsaufnahme erbrechen.
- Medikamente zur Gewichtsreduktion verwenden, z. B. abführende (Laxanzien) oder entwässernde Mittel (Diuretika).
- willentlich ihre Muskeln anspannen, um beim Essen ein frühzeitiges Völlegefühl hervorzurufen.
- absichtlich ihre Nahrungsaufnahme durch Zungenpiercings oder Selbstverletzungen im Mundraum einschränken.
- absichtlich durch mechanische Reizung des Rachenraums erbrechen.
- Schilddrüsenhormone zur Steigerung des Grundumsatzes einnehmen.
- Medikamente oder Nikotin zur Appetitreduktion oder zum Abführen verwenden.
Diese Maßnahmen können auch kombiniert eingesetzt werden, sie führen zunächst zu Gefühlen von Euphorie und gleichzeitig Kontrolle. Die betroffenen Personen, die zu Beginn ihrer Erkrankung häufig leicht übergewichtig sind, bekommen zunächst Komplimente, die sie dazu motivieren, noch weiter abzunehmen. Damit beginnt ein Teufelskreis, der zu einer immer schlechteren Stimmung führt, und in dem erkrankte Personen langfristig meist die Kontrolle über ihr Essverhalten verlieren.
Gewichtskontrolle
Der Tagesablauf betroffener Personen ist dann oft geprägt vom Versuch einer übermäßigen Gewichtskontrolle durch
- häufiges Wiegen
- Messen des Bauchumfangs und der Hautfaltendicke
- häufige Prüfung des eigenen Aussehens im Spiegel
- Kalorienzählen
- eng gezogene Bauchgürtel und enge Kleidung
Symptome
- Untergewicht
- Gestörte Körperwahrnehmung: Betroffene nehmen sich viel schwerer oder dicker wahr, als sie tatsächlich sind.
- Übermäßiger Einfluss von Körpergewicht und -form auf das Selbstwertgefühl, das stark vom Gewicht oder vom Aussehen abhängt.
- Störungen des Menstruationszyklus oder völliges Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhö)
- Magen-Darm-Symptome (z. B. Völlegefühl und Übelkeit nach dem Essen, Verstopfung), diese führen häufig zu Erbrechen oder dem unkontrollierten Gebrauch von Abführmitteln.
- Wachstumsverzögerungen und Entwicklungsstörungen
- Verspätet einsetzende Pubertät (Pubertas tarda)
- Schwindel und Ohnmacht
- Müdigkeit und starkes Frieren
- Innere Unruhe und Schlafstörungen
Viele betroffene Personen leiden unter Minderwertigkeitsgefühlen, Angstzustände und Stimmungsschwankungen treten häufig auf. Die Erkrankung führt sehr oft zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Zwangsgedanken.
Personen mit Anorexie haben häufig hohe Ansprüche an sich selbst, sind oft ehrgeizig und erbringen in Schule, Studium, Beruf oder im Sport hohe Leistungen. Als Persönlichkeitsmerkmale treten teils zwanghafte Züge auf. Manche Betroffenen zeigen sich stark abhängig von der Meinung anderer Personen. Übermäßiges körperliches Training führt zur Aktivierung des Stoffwechsels und der Darmtätigkeit, was einen weiteren Gewichtsverlust zur Folge hat.
Essgewohnheiten
Im Alltag haben die Themen Essen, Gewicht und Figur einen großen Stellenwert mit hohem Zeitaufwand und teils zwanghaftem Charakter, der zu sozialem Rückzug führen kann. Dazu können auch bestimmte Essrituale gehören, z. B. besonders langsames Essen oder Essen nur zu bestimmten Zeiten. Daneben wird oft die Auswahl der Lebensmittel eingeschränkt (z. B. durch kalorienarme Lebensmittel, reduzierte Portionsgrößen).
Komplikationen
- Durch die Mangelernährung können Organe geschädigt werden, z. B. Herz, Leber oder Nieren.
- Es kann zu einem niedrigen Blutdruck, niedrigem Puls und Herzrhythmusstörungen kommen.
- Eine weitere Folge ist eine verminderte Knochendichte (Osteoporose).
- Bei Erbrechen kann die Magensäure die Zähne schädigen, was zu Karies führen kann.
- Als Folge von Hormonveränderungen kann sich die Pubertätsentwicklung verzögern oder die Regelblutungen bleiben aus (Amenorrhö).
- Durch die Einnahme von entwässernden Medikamenten oder einer verminderten Trinkmenge kann der Flüssigkeitshaushalt betroffener Personen so stark aus dem Gleichgewicht geraten, dass es zu lebensbedrohlichen Schockzuständen kommen kann.
- Bei einer Unterzuckerung durch fehlende Nahrungszufuhr für das Gehirn können Krampfanfälle auftreten. Langfristig kann dies zu einer Abnahme des Gehirnvolumens führen und damit zu einer Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit.
Ursachen
Wahrscheinlich handelt es sich um ein Zusammenspiel aus erblichen, psychologischen und sozialen Faktoren.
Die Erkrankung tritt meist in der Pubertät auf, in der der Körper große Veränderungen durchmacht und die Jugendlichen mit großen Herausforderungen konfrontiert sind. Die Zunahme an Körperfett und die Veränderungen der Figur in der Pubertät (insbesondere bei Mädchen) können dazu führen, dass Jugendliche sich um ihr Gewicht sorgen und das Bedürfnis verspüren, ihr Gewicht zu kontrollieren. Viele Betroffene haben vor Beginn der Erkrankung eine Phase mit mehr oder weniger starkem Übergewicht durchlaufen. Durchgeführte Diäten werden dann nicht mehr gestoppt, obwohl das Normalgewicht erreicht wurde.
Wahrscheinlich spielen gesellschaftliche Faktoren – wie ein erhöhter Leistungsdruck sowie bestimmte Körperideale (attraktiv und schlank, Tätigkeit als Model, Ballett, Leistungssport) – bei der Entwicklung einer Anorexie ebenfalls eine Rolle. Oft liegt gleichzeitig ein mangelndes Selbstwertgefühl vor, das z. B. durch Mobbing in der Schule oder am Arbeitsplatz noch verstärkt werden kann.
Bei Familienangehörigen liegen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung häufiger Gewichtsprobleme, andere körperliche Krankheiten oder psychische Störungen sowie Alkohol- oder Drogenmissbrauch vor. Kommunikationsschwierigkeiten kommen in der Familie von Betroffenen gehäuft vor. Auch Traumatisierungen wie Misshandlung oder sexueller Missbrauch können ursächlich für eine Anorexie sein.
Häufigkeit
Durchschnittlich erkranken in europäischen Ländern pro Jahr etwa 4,5 von 100.000 Personen an Magersucht; unter jungen Frauen sind es jedoch deutlich mehr. Rund 1 % der Frauen und 0,3 % der Männer in Deutschland leiden an einer Anorexie.
Vor dem Alter von 7–8 Jahren ist die Anorexie selten, ab dem Alter von 10 Jahren nimmt die Häufigkeit zu. Am häufigsten sind Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 Jahren betroffen. Mehr als 90 % der Patient*innen sind junge Frauen, aber auch ältere Frauen können betroffen sein.
Leichtere Fälle der Erkrankung werden oft nicht registriert, sodass wahrscheinlich eine große Dunkelziffer besteht. Laut einer Studie nimmt nur 1 von 3 an Anorexie erkrankten Personen ärztliche Hilfe in Anspruch, davor zeigen viele betroffene Personen bereits ein erheblich gestörtes Essverhalten.
Untersuchungen
Anamnesegespräch
In einem ausführlichen Gespräch fragen Ärzt*innen sowohl nach körperlichen als auch psychischen Symptomen. Ergänzend sollte mit Einverständnis der betroffenen Person ein Gespräch mit den Angehörigen geführt werden. Im Fokus stehen dabei Informationen zum Gewichtsverlauf und zur Körperwahrnehmung sowie zu körperlichen Folgeerscheinungen einer Mangelernährung. Konkrete Fragen können sein:
- Hast du große Angst zuzunehmen?
- Befürchtest du die Kontrolle darüber zu verlieren, wie viel du isst?
- Findest du, dass du zu dick bist oder bestimmte Körperteile aktuell an dir zu füllig sind, obwohl andere sagen, dass eher das Gegenteil der Fall ist?
- Würdest du sagen, dass Lebensmittel eine starke Rolle in deinem Leben spielen?
- Hast du das Gefühl, übermäßig viel zu essen?
- Erbrichst du, weil du ein unangenehmes Völlegefühl hast?
- Ist deine Regelblutung in den letzten 3 Monaten oder länger ausgeblieben?
- Hast du in letzter Zeit innerhalb eines Zeitraums von 3 Monaten mehr als 6 kg abgenommen?
- Wendest du bestimmte Methoden zur Gewichtsreduzierung an (z. B. Diäten, Sport)?
- Gab es Besonderheiten in der Entwicklung im Babyalter/in der Kindergartenzeit/in der Schulzeit (z. B. im sozialen Miteinander, Essen, Schlafen)?
- Gab es in der Vergangenheit einschneidende Erlebnisse oder psychische Störungen? Sind Erkrankungen wie Depression, Autismus-Spektrum-Störungen, Angststörungen bekannt?
- Leidest du unter Angst, Zwangsgedanken oder Stimmungsschwankungen?
- Wie läuft es in der Schule, der Freizeit, wie gut ist die soziale Einbindung?
Zur genaueren Diagnostik und Beurteilung der Krankheit stehen verschiedene Fragebögen zur Verfügung, die Ärzt*innen nutzen können, um sich ein umfassendes Bild zu machen.
Körperliche Untersuchung
Zum Ausschluss körperlicher Ursachen und um zu beurteilen, wie schwer die betroffene Person körperlich erkrankt ist, werden zusätzlich zur körperlich-neurologischen Untersuchung Blutdruck, EKG sowie Gewicht und Körpergröße zur Berechnung des Body Mass Index (BMI) erfasst. In der Regel wird Blut abgenommen, da bestimmte Werte bei Untergewicht verändert sein können, wie z. B. die Blutsalze (Elektrolyte), Schilddrüsen-, Leber- und Nierenwerte sowie bestimmte Vitamine. Außerdem wird bei der Untersuchung beurteilt, ob der körperliche Entwicklungsstand altersentsprechend ist.
Untersuchungen bei Spezialist*innen
Um weitere zugrunde liegende Erkrankungen oder gleichzeitig bestehende Erkrankungen zu erkennen, sollten die Jugendlichen frühzeitig zu spezialisierten Ärzt*innen oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen überwiesen werden.
Einweisung in ein Krankenhaus
Falls trotz ambulanter Behandlung ein Gewichtsverlust besonders schnell oder weiter fortschreitet, besonders stark ausgeprägtes Untergewicht vorhanden ist (BMI < 15 kg/m2) oder eine unzureichende Gewichtszunahme zu beobachten ist, sollte dringend eine Behandlung in einem spezialisierten Krankenhaus erfolgen, in der Regel in einer stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dies gilt ebenso für folgende Umstände:
- Soziale oder familiäre Einflussfaktoren, die einen Gesundungsprozess stark behindern (z. B. soziale Isolation, problematische familiäre Situation, unzureichende soziale Unterstützung).
- Weitere psychische Erkrankungen, die die Erkrankung verschlechtern oder aufrechterhalten.
- Suizidgedanken oder -absichten sowie körperliche Gefährdung oder Komplikationen
- Missbrauch von Abführmitteln oder Entwässerungsmitteln
- schwere Essanfälle mit Erbrechen (Bulimie)
- exzessiver Bewegungsdrang
- geringe Krankheitseinsicht
- Zu wenig strukturierte Vorgaben bzw. die betroffene Person hält sich nicht daran (Mahlzeitenstruktur, Essmengen, Rückmeldungen zum Essverhalten).
- Zusammenbruch der familiären Unterstützung
Maßnahmen gegen den Willen der betroffenen Person
Falls die Essstörung ein lebensbedrohliches Ausmaß annimmt, betroffene Personen dabei keine Krankheitseinsicht zeigen und weiterhin massiv die Nahrungsaufnahme verweigern, kann es notwendig werden, die Behandlung gegen den Willen der Patient*in durchzuführen. Eine Unterbringung mit freiheitsentziehenden Maßnahmen nach § 1631b BGB kann durch die sorgeberechtigten Eltern beim zuständigen Familiengericht beantragt werden. Stimmen die Sorgeberechtigten einer, z. B. aus ärztlicher Sicht, notwendigen Unterbringung nicht zu, dann kann über das zuständige Jugendamt eine Inobhutnahme eingeleitet werden.
Behandlung
Allgemeine Maßnahmen und Ziele
Zunächst ist es wichtig, die Betroffenen und ihre Angehörigen über die Erkrankung und den Therapieplan aufzuklären, um die Nahrungsaufnahme zu normalisieren und eine vorsichtige, realistische Zunahme des Körpergewichts zu erreichen. Hierzu wird mit den Patient*innen oft eine Art Vertrag abgeschlossen, der bestimmte Regeln festlegt. Mögliche Regeln sind z. B. eine Normalisierung der körperlichen Aktivitäten und eine regelmäßige Ernährung, evtl. mittels Ernährungsplan. Außerdem wird das Gewicht in regelmäßigen Abständen überprüft.
Es ist wichtig, eine Behandlung so früh wie möglich einzuleiten, um zu verhindern, dass die Erkrankung chronisch verläuft.
Psychotherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie als Psychotherapie ist das Behandlungsverfahren der Wahl.
Familienbasiert
Sie sollte v. a. bei Kindern und Jugendlichen die Familie der betroffenen Person miteinbeziehen (familienbasiert), da aufgrund der Essstörung häufig viele Konflikte sowie Schuld- und Schamgefühle innerhalb der Familie und zur erkrankten Person bestehen. Durch Gespräche mit der Familie können zwischen den Familienangehörigen negative Gefühle abgebaut und das Klima sowie eine oftmals konfliktbelastete Kommunikation verbessert werden.
Motivation zur Bewältigung
Außerdem kann im Rahmen einer Psychotherapie z. B. an der Motivation zur Bewältigung der Erkrankung gearbeitet werden. Betroffene Personen sind häufig im Zwiespalt sind, ob sie ihre Anorexie wirklich aufgeben wollen, da sie aus ihrer Sicht auch einige Vorteile bringt (z. B. Bewunderung, Kontrolle).
Erlernen von Strategien
Des Weiteren können Strategien erlernt werden, z. B. zur Stärkung des Selbstwertgefühls, der Minderung von Leistungsdruck und um ein realistischeres Bild der Körperwahrnehmung bzw. einen positiveren Bezug zum eigenen Körper herzustellen. Neue Perspektiven, Denkstile und Gefühlsreaktionen sowie die Regulation von Nähe und Distanz in Beziehungen können ebenfalls erlernt werden, da sich häufig im Laufe der Zeit bestimmte Denkmuster und Verhaltensweisen eingeschlichen haben, die eine Essstörung eher begünstigen oder aufrechterhalten.
Gesundes Essverhalten
Wichtig sind dabei auch das Erlernen eines gesunden Essverhaltens, die Aufklärung über den tatsächlichen Nährstoff- und Energiebedarf des Körpers und die (v. a. langfristigen) Folgen einer Essstörung.
Psychische und soziale Probleme
Häufig auftretende depressive Gedanken, Ängste, bestimmte Zwangsgedanken und -handlungen könnnen ebenfalls angesprochen und behandelt werden. Die Bewältigung weiterer psychischer oder sozialer Probleme kann ebenfalls unterstützt werden.
Behandlung in einem Krankenhaus
Erfüllt eine erkrankte Person die o. g. Kriterien für einen stationären Krankenhausaufenthalt, geht es zunächst um die Wiederherstellung eines ausgewogenen Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts. Zur Stabilisierung der Nahrungsaufnahme und des Gewichts kommen spezielle Konzepte zum Einsatz, die eine langsame Steigerung der Essmenge vorsehen. Betroffene Personen sollten bis zum Ende ihres stationären Aufenthaltes z. B. lernen, ihre Essmenge oder die Anzahl der aufgenommenen Kalorien realistisch in Bezug zu ihrem Körper zu setzen und entsprechend zu handeln. Dabei werden sie ebenfalls psychotherapeutisch begleitet. Eine besondere Bedeutung kommt der Stärkung von Selbstwertgefühl und Selbstbehauptung zu.
Die erkrankte Person sollte stets so viel selbst entscheiden dürfen wie möglich, es sollte nur so viel Kontrolle wie nötig von Behandler*innen ausgeübt werden.
Eine Zwangsernährung, z. B. über eine Magensonde kommt nur in gut begründeten Ausnahmefällen infrage (s. o.).
Medikamente
Störungen oder Mangelerscheinungen des Elektrolyt- sowie Vitamin- und Eisenhaushaltes können mit Medikamenten behandelt werden. Sie sind fester Bestandteil einer stationären Anorexie-Behandlung.
Folgeerkrankungen oder Begleiterkrankungen können ggf. ebenfalls medikamentös behandelt werden, wie z. B. Depressionen, Ängste oder Zwangsstörungen.
Maßnahmen und Empfehlungen
Was kannst du selbst tun?
Auch wenn es dir schwer fällt – lass dir helfen!
Eine Essstörung ist eine schwerwiegende Erkrankung, die unbedingt behandelt werden muss – je früher, desto besser. Ohne Behandlung kann sie chronisch mit schwerwiegenden Folgeschäden verlaufen. Hausärzt*innen können dabei erste vertraute Ansprechpartner*innen sein. Falls dich das zu viel Überwindung kostet, kannst du dich auch zunächst an eine Beratungsstelle wenden (Adressen und Hilfsangebote siehe unten). Hier gibt es auch die Möglichkeit, sich z. B. über Online-Plattformen anonym beraten zu lassen.
Wichtig ist, dass du dich aktiv an der Behandlung beteiligst und von deinem Mitspracherecht bei der Behandlung und den angewandten Methoden Gebrauch machst. Denn das erhöht deutlich die Chance auf Heilung.
Was können Sie als Eltern tun?
Als Eltern befinden Sie sich in einer schwierigen Situation, da Essstörungen – insbesondere die Anorexie – für die Betroffenen und ihr Umfeld oft sehr emotional besetzt sind. Vielleicht erleben Sie sich häufig als ohnmächtig, da Ihr Kind wenig Einsicht zeigt und sich komplett vom sozialen Umfeld zurückzieht.
Eine Anorexie ist ab einem gewissen Grad eine lebensbedrohliche Krankheit mit entsprechenden langfristigen körperlichen und seelischen Folgen. Helfen Sie Ihrem Kind und sorgen Sie dafür, dass es sich in ärztliche und therapeutische Behandlung begibt. Wichtig ist dabei ein verständnisvoller, unterstützender Umgang für die Probleme, Sorgen und Folgen, die Ihr Kind durch die Erkrankung erlebt.
Wenn Sie die Erkrankung Ihres Kindes so sehr belastet, dass Sie es nicht ausreichend unterstützen können, kann es sinnvoll sein, selbst therapeutisch Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erst dann können Sie, möglicherweise mit mehr Abstand, unterstützend für Ihr Kind da sein.
Was können Sie als Partner*in tun?
Hilfreich ist es, wenn Sie sich über das Thema Essstörungen informieren und Ihre Partner*in darin unterstützen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Als Partner*in können Sie zwar emotional begleiten, aber die Essstörung selbst nicht ändern. Dies können nur die Betroffenen tun. Entlastend und hilfreich können Angehörigengruppen sein, die es in einigen Regionen gibt.1
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