Beinödeme (geschwollene Beine)
Beinödeme (geschwollene Beine)
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Was sind Beinödeme?
Definition
Beinödeme sind Flüssigkeitseinlagerungen in den Beinen. Man spricht auch von „geschwollenen Beinen“ oder „Wasser in den Beinen“. Ursache ist eine Zunahme der Gewebsflüssigkeit, die sich außerhalb der Zellen im Zwischengewebe (z. B. Bindegewebe) befindet.
Die Schwellungen können an einem (einseitig) oder an beiden Beinen auftreten. Bei einer plötzlich auftretenden einseitigen Beinschwellung sowie bei einer plötzlichen beidseitigen Schwellung in Zusammenhang mit einer Herz- oder Nierenerkrankung sollten Sie schnell ärztliche Hilfe suchen. Ansonsten ist bei einer beidseitigen Beinschwellung meist eine Diagnose über Tage oder wenige Wochen möglich.
Typische Arten von Ödemen sind:
- Venöses Ödem: Erhöhter Austritt von Flüssigkeit aus den Gefäßen, den das Lymphsystem nicht mehr ausgleichen kann.
- Lymphödem: Einlagerung von Flüssigkeit im Bindegewebe durch eine Funktionsstörung im Lymphsystem
- Lipödem: Das Lipödem ist trotz seiner Bezeichnung eher eine Fettverteilungsstörung als ein tatsächliches Ödem.
Symptome
Man unterscheidet zwischen akuten (seit weniger als 72 Stunden), langsam voranschreitenden und chronischen Beinödemen. Je nachdem, ob sich die Symptome beim Hochlagern der Beine verringern, lassen sich Ursachen herleiten. Die Schwellungen können in unterschiedlicher Ausprägung auftreten:
- Die Verteilung kann einseitig oder beidseitig sein, und die Schwellungen können Fußrücken und Zehen, die Knöchel, Unterschenkel sowie Oberschenkel betreffen.
- Die Schwellung kann an den Füßen oder am Oberschenkel stärker ausgeprägt sein.
- Die Schwellung kann das ganze Bein betreffen oder nur einzelne Regionen; die Füße können ausgespart oder ebenfalls geschwollen sein.
- Die Schwellungen können eindrückbar sein, sodass nach Druck mit dem Finger eine Delle sichtbar bleibt.
- Möglicherweise besteht eine Druckempfindlichkeit.
- Rötungen und warme Hautstellen oder Pigmentveränderungen können auftreten.
- Die betroffene Haut kann verdickt sein.
- Es kann zu Fuß- und Unterschenkelgeschwüren kommen.
Hinzu können weitere Beschwerden kommen:
- Schweregefühl
- Schmerzen
- Juckreiz
- Atemnot
- Gewichtsverlust oder -zunahme
- Oligurie (reduziertes Harnvolumen) oder Anurie (keine Harnproduktion)
- Fieber
Ursachen
Einseitige akute Ödeme
- Tiefe Venenthrombose (TVT)
- Bei einer TVT kommt es zur Bildung eines Blutgerinnsels in einer Becken-, Bein- oder Unterschenkelvene.
- Typische Symptome neben dem Ödem sind Schmerz, Spannungsgefühl, eine bläuliche Hautverfärbung und eine verstärkte Venenzeichnung.
- Erysipel
- Dabei handelt es sich um eine bakterielle Infektion der Haut einschließlich der Lymphgefäße.
- Typisch sind eine scharf begrenzte Rötung, Schwellung und Schmerzen, Fieber sowie evtl. Schüttelfrost.
- Phlegmone
- Eine Phlegmone ist eine eitrige bakterielle Infektion der Haut und des darunter liegenden Bindegewebes.
- Die Schwellung ist nicht scharf zur gesunden Haut abgegrenzt, und es kommt zu einer rötlich-blassblauen Verfärbung und Überwärmung der Haut, evtl. mit geschwollenen Lymphknoten.
- Muskelfaserriss mit Hämatombildung
- Ein Muskelfaserriss zeigt sich durch eine pralle Schwellung mit Bluterguss nach 3–4 Tagen.
- Traumatisches Ödem
- Nach Prellung, Verstauchung, Operation o. Ä. kann es an der Stelle der Verletzung schnell zu Schwellungszuständen kommen.
- Begleitödem bei Arthritis (entzündliche Gelenkerkrankungen) oder aktivierter Arthrose (Gelenkverschleiß mit Entzündungszeichen)
- Im Bereich des betroffenen Gelenks kommt es zu Überwärmung, Rötung, Druck- und Bewegungsschmerz sowie Ergussbildung.
- Gerissene Baker-Zyste (Teil der Gelenkkapsel im Bereich der Kniekehle)
- Es treten ein plötzlicher Schmerz in der Wade sowie ein nachfolgendes Unterschenkelödem mit Rötung und Überwärmung auf.
Beidseitige akute Ödeme
- Akute Verschlechterung einer Grunderkrankung (z. B. Herz-, Nieren- oder Leberinsuffizienz)
- Beidseitige Becken- oder Beinthrombose (Blutgerinnsel)
Einseitige chronische Ödeme
- Chronisch venöse Insuffizienz
- Eine Venenschwäche kann auch zu beidseitigen Ödemen führen, häufig aber einseitig.
- Es treten ein eindrückbares Ödem, Hautveränderungen, Schwere- und Müdigkeitsgefühl in den Beinen, Kribbeln, Brennen, Juckreiz, Muskelkrämpfe und Schmerzen auf.
- Venöses Kompressionssyndrom
- Dabei üben z. B. Tumore oder Aneurysmen (Gefäßerweiterungen) Druck auf eine oder mehrere Venen aus.
- Lymphödem
- Ein Lymphödem ist eine ein- oder beidseitige vermehrte Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Gewebe.
- Es kann selten als eigenständige Erkrankung auftreten, ist aber häufiger eine Folge einer Tumorbehandlung oder v. a. von Adipositas.
- Acrodermatitis atrophicans
- Acrodermatitis atrophicans ist ein spätes Zeichen einer Borreliose (meist erst Monate oder Jahre nach einem Zeckenstich) mit Ödem und rötlicher Verfärbung der Haut; im Verlauf kommt es zu einem Gewebeabbau der Haut mit Missempfindungen und Schmerzen.
Beidseitige chronische Ödeme
- Chronische Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
- Neben Beinödemen kommt es zu Symptomen wie Leistungsschwäche und Atemnot.
- Pulmonale Hypertonie (Bluthochdruck im Lungenkreislauf) mit Cor pulmonale (Rechtsherzbelastung aufgrund einer Lungenerkrankung)
- Nierenprobleme
- Es kommt zu Überwässerung, z. B. aufgrund einer akuten Niereninsuffizienz (Unterfunktion der Niere) oder chronischer Nierenkrankheiten.
- Funktionsstörung der Leber
- Zusätzlich zu Flüssigkeit in der Bauchhöhle (Aszites) treten häufig auch Beinödeme, Gelbverfärbung der Haut und Vergrößerung der Milz auf.
- Hypoalbuminämie (niedrige Konzentration des Proteins Albumin im Plasma)
- Schilddrüsenerkrankungen
- Sowohl bei Schilddrüsenunter- (Hypothyreose) als auch -überfunktion (Hyperthyreose) können Beinödeme auftreten.
- Hyperkortisolismus (Cushing-Syndrom): hohe Konzentration von Glukokortikoiden im Blut
- Medikamente
- Ödeme können auch häufig als Nebenwirkungen von Medikamenten, z. B. Kalziumantagonisten (Kalziumblocker), nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), Kortikosteroiden, Östrogenen und Antidepressiva auftreten.
- Lipödem
- Ein Lipödem ist eine schmerzhafte Fettverteilungsstörung der Extremitäten ausgenommen Hände und Füße, die nahezu ausschließlich bei Frauen auftritt.
- Adipositas ist nicht die Ursache eines Lipödems, kann aber daneben bestehen.
- Schwangerschaft
- Prämenstruelles Ödem
- Dabei kommt es in der zweiten Zyklushälfte zu beidseitigen weichen, symmetrischen Ödemen, bei denen begleitend auch Hände und Brüste geschwollen sein können.
- Idiopathisches Ödem
- Abzugrenzen vom prämenstruellen Ödem, aber auch dieses Ödem betrifft nur Frauen.
- Typisch ist die Zunahme des Gewichts im Lauf des Tages bei niedriger Urinmenge, gefolgt von nächtlichem Harndrang mit im Laufe des Tages unterschiedlichen Spannungsymptomen (morgens vor allem obere Körperhälfte, nachmittags/abends vor allem untere Körperhälfte).
- Ein idiopathisches Ödem wird diagnostiziert, wenn alle anderen möglichen Ursachen ausgeschlossen wurden.
Häufigkeit
Hinsichtlich der Anzahl von Beinödemen als Grund für einen Besuch der Hausarztpraxis liegen wenige Daten vor. Die Häufigkeit liegt schätzungsweise bei 4–8 % aller hausärztlichen Beratungsanlässe.
Bei Betroffenen über 50 Jahre treten Beinödeme vermutlich am häufigsten in Zusammenhang mit Venenschwäche auf.
Untersuchungen
- Wichtige Informationen für das Arztgespräch sind beispielsweise vor Kurzem durchgeführte Operationen, insbesondere im Bauch- oder Beckenbereich sowie (Haut-)Verletzungen.
- Wichtig ist auch, seit wann die geschwollenen Beine bestehen und wie sich die Beschwerden entwickelt haben.
- Besprochen wird die aktuelle Medikamenteneinnahme bzw. eine kürzliche Änderung davon.
- Andere Beschwerden oder Erkrankungen insbesondere von Herz, Niere, Leber, Darm oder Schilddrüse sowie Krebs werden ebenfalls erfragt.
- Es wird eine gründliche Untersuchung der Ödeme und des ganzen Körpers durchgeführt.
- Gewicht, Body-Mass-Index, Körpertemperatur und Puls werden gemessen.
- Es wird nach möglichen Zeichen einer schwerwiegenden Erkrankung gesucht.
- Eventuell können weitere Untersuchungen notwendig sein, z. B. Blutabnahme, Urinprobe, Elektrokardiografie, Ultraschall des Bauchraums, Spirometrie (Untersuchung der Lungenfunktion).
- Folgende Untersuchungen können ergänzend sinnvoll sein – vor allem, um Begleiterkrankungen zu erkennen: Ultraschall der Beinvenen, Röntgen der Lunge, Echokardiografie, Computertomografie und Magnetresonanztomografie, Lymphszintigrafie (nuklearmedizinische Untersuchung des Lymphsystems), Schlaflabor.
Behandlung
Eine mögliche Behandlung hängt von der Ursache der Beinödeme ab. Bei vorliegender Grunderkrankung geht es zunächst darum, diese zu behandeln. Je nach Art des Ödems können sind folgende Maßnahmen und Behandlungen möglich:
- Eingeschränkte Verwendung von Salz (z. B. bei Nierenerkrankung)
- Diuretikatherapie (entwässernde Medikamente, z. B. bei Herzschwäche)
- Kompressionstherapie (durch Stützstrümpfe oder Bandagen, z. B. bei chronisch venöser Insuffizienz)
- Komplexe physikalische Entstauungstherapie (Lymphdrainage, z. B. beim Lymphödem)
- Bei Bedarf: Umstellung der Medikation, wenn das Ödem als Nebenwirkung eines Medikaments auftritt.
Autor
- Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Beinödeme. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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