Kompressionsstrümpfe

Kompressionsstrümpfe

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Was sind Kompressionsstrümpfe?

Es gibt verschiedene Arten von Kompressionsstrümpfen für die tägliche Anwendung. Sie unterstützen die Vorsorge und/oder Behandlung bei Krankheitsbildern wie KrampfadernBeinvenenthrombosen oder Lymphödemen. Stützstrümpfe sorgen für den geringsten Kompressionsgrad. Sie sind in Apotheken und Sanitätshäusern erhältlich. Strümpfe, die einen höheren Kompressionsgrad bieten, werden als medizinische Thromboseprophylaxe-Strümpfe (MTPS) bezeichnet. Diese sind ebenfalls nicht standardisiert und liegen in ihrer Kompressionswirkung noch unter der leichtesten Kategorie der medizinischen Kompressionsstrümpfe (MKS). MKS werden in vier Klassen angeboten, wobei Klasse I den niedrigsten Kompressionsgrad und Klasse IV den höchsten Kompressionsgrad darstellt.

MTPS sind als Oberschenkel- oder Wadenstrümpfe erhältlich, wobei wadenlange und oberschenkellange Strümpfe in ihrer Wirkung vergleichbar sind. Aus praktischen Gründen können daher wadenlange Strümpfe bevorzugt werden.

MKS werden für das Bein als Wadenstrumpf, Halbschenkelstrumpf, Schenkelstrumpf und Strumpfhose angeboten. Alle haben jeweils drei verschiedene definierte Längen, damit kurze, mittlere und lange Beine versorgt werden können. Zusätzlich stehen für den Armbereich Armstrümpfe mit/ohne Schulter-/Handteil zur Verfügung.

Einsatz von Kompressionsstrümpfen

MTPS

  • Zur Vorbeugung von Thrombosen werden je nach Risiko verschiedene Maßnahmen eingesetzt. Bei niedrigem Risiko, also ohne Zusatzerkrankungen/Bettlägerigkeit, werden Basismaßnahmen (Frühmobilisation, Bewegungsübungen) und physikalische Maßnahmen (z. B. medizinische Thromboseprophylaxe-Strümpfe) eingesetzt.
    • Bei mittlerem und hohem Risiko können MTPS zusätzlich zur medikamentösen Prophylaxe eingesetzt werden.
  • Auch bei Flugreisen kann das Tragen von wadenlangen Kompressionsstrümpfen empfohlen werden, wenn individuelle Risikofaktoren wie eine Schwangerschaft, eine vorhergehende Thrombose oder eine kürzlich stattgefundene Operation vorliegen.
    • In einer Studie war die Häufigkeit für tiefe Beinvenenthrombosen bei Hochrisikopatient*innen auf Langstreckenflügen durch Kompressionsstrümpfe deutlich niedriger als ohne.

MKS

  • Bei Krampfadern ohne ausgeprägte Ödembildung kann ein MKS der Kompressionsklasse I zur Beseitigung der Beschwerden führen, während bei fortgeschrittenem Ödem und Hautveränderungen eher höhere Kompressionsklassen erforderlich sind.
  • Wenn bereits eine tiefe Beinvenenthrombose vorliegt, soll frühzeitig nach der Diagnose eine Kompressionstherapie begonnen werden, damit ein postthrombotisches Syndrom möglichst vermieden wird.
    • Standardmäßig wird bei einer tiefen Beinvenenthrombose mit Unterschenkelschwellung ein Wadenstrumpf der Kompressionsklasse II eingesetzt. Schenkelstrümpfe werden üblicherweise bei einer tiefen Beinvenenthrombose mit (zusätzlicher) Oberschenkelschwellung verordnet.
    • Nach 3–6 Monaten wird anhand der klinischen Beschwerden und/oder mittels Tests, bei denen der Rückfluss des Bluts in den Venen gemessen wird, überprüft, ob weiterhin MKS getragen werden sollen.
  • Bei einem beginnenden Lymphödem reicht meist eine Kompressionsklasse II, während in höheren Stadien Klasse III oder ggf. IV notwendig sein kann.

Eine starre Zuordnung einer Kompressionsklasse zu einer Diagnose gibt es jedoch nicht. Vor Beginn einer Behandlung mit Kompressionsstrümpfen der Klasse I–IV sollte die arterielle Durchblutung mit Doppler-Ultraschall gemessen werden.

Tipps zum Anziehen von Kompressionsstrümpfen

  • Zum leichteren Anziehen von Kompressionsstrümpfen können Hilfsmittel wie Gleitstrümpfe und Abrollhilfen zum Einsatz kommen.
  • Mit Gummihandschuhen (Spülhandschuhen) lassen sich die Strümpfe einfacher greifen.
  • Wenn sich ein sehr straffer Strumpf nicht hochziehen lässt, können auch zwei Strümpfe mit niedrigerem Kompressionsgrad übereinander angezogen werden.
  • Kompressionsstrümpfe müssen über Nacht immer ausgezogen und vor dem Aufstehen morgens angezogen werden.
  • Die Strümpfe nutzen sich durch Gebrauch und Waschen ab und sollten daher nach ca. 6 Monaten ausgetauscht werden.

Autor

  • Markus Plank, Msc Bsc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Venenthrombose, tiefe. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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