Leberkrebs (Leberzellkarzinom)
Leberkrebs (Leberzellkarzinom)
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Was ist ein Leberzellkarzinom?
Definition
Bei einem Leberzellkarzinom handelt es sich um eine Krebserkrankung der Leber, die sich in der Regel aus einer bestehenden Leberzirrhose entwickelt. Der Tumor geht von Leberzellen (Hepatozyten) aus und wächst aggressiv.
Symptome
Typische Symptome sind Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und leichtes Fieber. Es kann auch zu einer Gelbsucht kommen.
Weil das Leberzellkarzinom in den meisten Fällen bei Patient*innen mit einer chronischen Lebererkrankung auftritt, überlagern sich die (recht ähnlichen) Symptome beider zugrunde liegenden Erkrankungen meist. Verschlechtern sich die an sich bekannten Beschwerden unerwartet und deutlich, kann dies auf die Entwicklung von Krebs hinweisen.
Ursachen
In 80 % aller Fälle tritt ein Leberzellkarzinom bei Patient*innen mit Leberzirrhose auf. Die häufigsten Ursachen für eine Leberzirrhose (und damit für ein Leberzellkarzinom) sind chronische Infektionen mit Hepatitis B und C und Alkoholmissbrauch.
Zunehmend liegt auch eine nicht-alkoholische Fettleber zugrunde, die bei Personen mit Übergewicht und/oder Typ-2-Diabetes vorkommen kann.
Auch die Blutkrankheit Hämochromatose und die seltenere erbliche Lungenkrankheit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel können eine Leberzirrhose verursachen.
Ein weiterer Risikofaktor, der vor allem in Entwicklungsländern eine Rolle spielt, sind Nahrungsmittel, die mit Schimmelpilzgiften (Aflatoxin) belastet sind.
Häufigkeit
Weltweit ist das Leberzellkarzinom die fünfthäufigste Krebserkrankung und verursacht mehr als 800.000 Todesfälle pro Jahr, v. a. in Asien und Afrika.
In den westlichen Ländern kommt dieser Tumor jedoch seltener vor; allerdings steigt die jährliche Erkrankungsrate in Europa und den USA seit einigen Jahren. In Deutschland erkrankten im Jahr 2019 3,6 von 100.000 Frauen und 9,8 von 100.000 Männern an einem Leberzellkarzinom.
Untersuchungen
- Bei der körperlichen Untersuchung finden Ärzt*innen meist Zeichen einer Lebererkrankung, also:
- eine anomal feste Struktur der Leber im Tastbefund
- möglicherweise eine vergrößerte Milz
- Vorwölbung des Bauchs durch Einlagerung von Flüssigkeit (Aszites)
- Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht)
- kleinen Spinnennetzen ähnelnde, sichtbare Blutgefäße in der Haut (Spidernävus)
- evtl. eine Vergrößerung der Brust bei Männern
Laboruntersuchungen
- Blutuntersuchungen zeigen, dass die Leberfunktion herabgesetzt ist, was ja auch bereits durch die chronische Lebererkrankung bedingt ist. Diese Befunde allein lassen also auch kaum auf eine zusätzliche Krebserkrankung rückschließen.
- Allerdings gibt es eine spezielle Substanz im Blut mit der Bezeichnung Alpha-1-Fetoprotein (AFP), die bei etwa 2/3 der Patient*innen mit Leberkrebs erhöht ist. Ein erhöhtes AFP kann also den Verdacht auf ein Leberzellkarzinom begründen, ist aber kein eindeutiger Marker für diese Krebsart.
- Zudem lässt sich in Blutuntersuchungen testen, ob eine Virushepatitis vorliegt.
Bildgebende Untersuchungen
- Bei allen Personen mit hohem Risiko, z. B. bei Leberzirrhose, sollten halbjährliche Ultraschalluntersuchungen zur Früherkennung erfolgen.
- Die Diagnose Leberkrebs wird vor allem durch Ultraschalluntersuchungen oder mithilfe einer Magnetresonanztomografie (MRT) gestellt. Als Ergänzung kann eine Computertomografie (CT) durchgeführt werden.
- Auf den Aufnahmen lassen sich die Tumorherde in der Leber erkennen und beurteilen, ob der Tumor sich bereits in die umliegenden Lymphknoten oder andere Organe ausgebreitet hat.
- Eine gezielte Gewebeentnahme (Biopsie) liefert genauere Informationen.
- Grundsätzlich ist es entscheidend zu wissen, ob ein Tumor in der Leber tatsächlich ein Leberzellkarzinom ist oder evtl. eine Metastase, ein Tochtergeschwür eines anderen Krebses. Aus welchem Organ der Tumor ursprünglich stammt, ist wichtig für die Wahl der Therapie.
Behandlung
- Leberzellkarzinome sind schwer zu therapieren, weil sie in den meisten Fällen erst dann entdeckt werden, wenn sich der Krebs bereits weit ausgebreitet hat oder wenn die Leberfunktion stark beeinträchtigt ist. Wie bei anderen Krebsarten auch, bestehen bei einer frühen Diagnose höhere Überlebenschancen.
- Die Behandlung richtet sich nach dem Krankheitsstadium.
Operation
- Die vorrangige Behandlungsmethode im frühen Stadium ist die Entfernung des erkrankten Teils der Leber (Leberresektion).
- Da die Leber hohe Kapazitäten hat, sich zu regenerieren, ist die Entfernung von Teilstücken möglich, ohne die Funktion zu sehr zu beeinträchtigen. Hier ist jedoch grundsätzlich entscheidend, wie gesund das nicht vom Tumor befallene Lebergewebe noch ist.
- Bei einer Leberzirrhose kommt auch eine Lebertransplantation infrage. Wenn der Tumor nicht zu groß ist und nur wenige Herde vorliegen, sind die Heilungsaussichten nach einer Lebertransplantation gut.
Medikamente
- Die bei anderen Krebsarten oft übliche Strahlentherapie oder Chemotherapie wirken bei Leberzellkarzinomen meist nicht sehr gut; sie kommen daher seltener zum Einsatz.
- Dafür wurden gerade für das Leberzellkarzinom sehr gezielt wirkende andere Substanzen entwickelt, die bei fortgeschrittener Erkrankung zum Einsatz kommen. Dazu zählen spezielle Antikörper (z. B. Atezolizumab, Bevacizumab, Durvalumab) und sog. Tyrosinkinase-Hemmer (z. B. Sorafenib).
Weitere Behandlungsmethoden
- Neben der Operation kommen weitere Methoden infrage, darunter sog. lokale Therapien, z. B. eine Blockierung der Blutzufuhr zum Tumor oder eine Ablation des Tumorgewebes (also gezielte Zerstörung der Tumorzellen) durch Strahlen oder Mikrowellen.
- Lässt sich die Erkrankung nicht heilen, so stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, Schmerzen und andere Symptome zu lindern bzw. Komplikationen der Lebererkrankung zu behandeln.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Leberzellkarzinom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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