Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

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Was ist Alpha-1-Antitrypsin-Mangel?

Definition

Alpha-1-Antitrypsin bremst den Gewebeabbau durch weiße Blutkörperchen. Die weißen Blutkörperchen setzen Enzyme frei, die die Körperstrukturen angreifen. Alpha-1-Antitrypsin wird von der Leber hergestellt. Wenn es durch eine Veränderung im Erbgut fehlt, dann kommt es zu Gewebeschäden – häufiger in der Lunge, seltener in der Leber. Manchmal sind andere Organe betroffen.

Symptome

Typisch sind chronischer Husten und Atemnot. Sie setzen oft im Alter von 40–50 Jahren ein, jedoch nur selten vor dem 30. Lebensjahr. Häufig ist die Lunge betroffen, seltener die Leber. Eine gleichzeitige Erkrankung beider Organe ist selten.

Wenn die Lunge betroffen ist, entwickeln sich schwere Lungenerkrankungen. Die Beschwerden nehmen immer weiter zu. Sie sind je nach Person aber sehr verschieden.

  • Meistens handelt es sich um eine Überblähung (Emphysem), oft zusammen mit einer chronischen Entzündung der Bronchien (Bronchitis). Man spricht von einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).
  • Husten und Atemnot sind typisch.
  • Die Lunge bildet vermehrt Schleim, der abgehustet wird.
  • Atemwegsinfekte häufen sich.
  • Später verformt sich ggf. der Brustkorb und aufgrund des Sauerstoffmangels können sich die Finger blau färben.

Wenn die Leber beschädigt wird, kann sie ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen.

  • Dazu gehört der Abbau des Stoffes Bilirubin. Daher sammelt sich Bilirubin an und färbt die Augen und die Haut gelb (Gelbsucht, Ikterus). Schon im Kindesalter kann es zur Gelbsucht kommen. 
  • Die Leber vernarbt und verliert dadurch funktionsfähiges Gewebe (Leberzirrhose). Eine Leberzirrhose verursacht Müdigkeit, Druckgefühl im rechten Oberbauch und Völlegefühl.
  • Später kommt es zu unklarem Gewichtsverlust, rote Äderchen bilden sich auf der Haut und im Bauch sammelt sich Wasser an (Aszites). Giftstoffe stören die Hirnfunktion (hepatische Enzephalopathie).
  • In der Speiseröhre bilden sich Krampfadern. Wenn sie platzen, kann es zu lebensbedrohlichen Blutungen kommen. Ursache ist ein Rückstau des Blutes an der vernarbten Leber. Das Blut staut sich bis in die Adern der Speiseröhre.

Manchmal führt die Erkrankung zur granulomatösen Polyangiitis (früher „Wegener-Granulomatose”). Dies ist eine Entzündung der Blutgefäße in mehreren Körperregionen. Es kommt zu blutigem Schnupfen, Husten und Ohrenschmerzen.

In seltenen Fällen entzündet sich das Fettgewebe unter der Haut (Pannikulitis). Die Entzündung äußert sich durch wiederkehrende Schmerzen.

Ursachen

Im Körper kommen Enzyme vor. Viele Enzyme spalten Moleküle und sind wichtig für die Verdauung und die Funktion des Immunsystems. Alpha-1-Antitrypsin reguliert den Gewebeabbau: Es bremst die Spaltung von Eiweiß im Gewebe durch Enzyme in bestimmten weißen Blutkörperchen (Neutrophile Granulozyten).

Bei einer bestimmten Veränderung im Erbgut produziert der Körper zu wenig Alpha-1-Antitrypsin. Die Folge: Die weißen Blutkörperchen beschädigen das Gewebe, meistens in der Lunge. Besonders betroffen sind die Eiweiße, die die Lunge elastisch machen: Die Lunge verliert ihre Dehnbarkeit. Wer Zigaretten raucht oder über einen langen Zeitraum regelmäßig Abgase einatmet, hat ein höheres Risiko, Symptome zu entwickeln.

Die Leber erkrankt weniger häufig als die Lunge. Wenn die Leber betroffen ist, beschädigt das angestaute Alpha-1-Antitrypsin das Lebergewebe.

Eher selten betrifft die Erkrankung andere Organe. Außerdem beeinflussen Varianten in anderen Genen die Ausprägung der Erkrankung.

Häufigkeit

In Westeuropa ist etwa jede 2.500. Person betroffen. Es gibt verschiedene Untertypen der Erkrankung, die unterschiedliche Symptome auslösen. Am häufigsten ist der Genotyp PI*ZZ.

Nicht alle Menschen mit der Veranlagung entwickeln Symptome. Der Enzymmangel ist autosomal-rezessiv vererbbar – das heißt, dass man nur dann Symptome bekommt, wenn beide Eltern die Veranlagung nicht nur besitzen, sondern auch weitergeben. Es bedeutet auch, dass sowohl Eltern als auch Kinder erkrankter Personen wahrscheinlich keine Symptome bekommen.

Bei 1–2 % der Menschen mit COPD ist Alpha-1-Antitrypsin-Mangel die Ursache.

Untersuchungen

In der Hausarztpraxis

In der Hausarztpraxis werden Sie nach Ihren Beschwerden gefragt. Dazu gehören chronischer Husten und Atemnot, die man leicht mit Asthma bronchiale verwechseln kann. Besonders eine Überblähung der Lunge im jungen Alter oder bei Nichtraucher*innen ist verdächtig. Wenn möglich, wird Ihre Lungenfunktion geprüft.

Eine Gelbfärbung der Haut oder der Augen (Gelbsucht) ist ein Hinweis auf eine Lebererkrankung, die jedoch verschiedene Ursachen haben kann. Gleiches gilt für erhöhte Leberwerte (GPT, GOT, GG, AP, Albumin, Bilirubin). In der Praxis können die Leberwerte mit einer Blutprobe bestimmt werden.

Bei Verdacht auf die Erkrankung erhalten Sie eine Überweisung zu Spezialist*innen.

Bei Spezialist*innen

Am wichtigsten ist die Blutentnahme zur Messung der Alpha-1-Antitrypsin-Konzentration im Blut. Zur Bestätigung kann ein genetischer Test gemacht werden. Auch dieser erfolgt durch eine Blutprobe. Bei einer Lebererkrankung wird die Leber strahlungs- und schmerzfrei mit Ultraschall untersucht. In folgenden Situationen sollten Sie getestet werden:

  • COPD oder Asthma, besonders mit Lungenemphysem im jungen Alter oder als Nichtraucher*in
  • Lebererkrankung oder unklarer Erhöhung der Leberwerte
  • Bestimmte Störungen der Lungenfunktion (obstruktive Ventilationsstörung)
  • Aussackung der Bronchien (Bronchiektasie) mit unklarer Ursache
  • Nekrotisierende Pannikulitis (schwere Entzündung der Haut)
  • c-ANCA-positive Vaskulitis (Entzündung der Gefäße)
  • Eltern, Geschwister und ggf. Kinder von Menschen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

Behandlung

Wenn Ihre Lunge betroffen ist, erhalten Sie Medikamente für COPD. Sie hemmen die Entzündung und weiten die Atemwege. Eine Gabe von Alpha-1-Antitrypsin (Substitutionstherapie) ist umstritten – sie gilt zwar als sicher, der Nutzen ist aber bisher nicht eindeutig nachgewiesen. Voraussetzung für die Substitutionstherapie ist ein dauerhafter Rauchstopp. Wenn nötig, können Sie eine Rehabilitation in Anspruch nehmen.

Lebererkrankungen behandelt man gemäß den vorhandenen Symptomen – Entzündung, Leberversagen oder Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom). Eine spezifische Behandlung gibt es derzeit nicht.

Letzter Ausweg ist eine Lungentransplantation bzw. Lebertransplantation. Dies behebt jedoch nicht die in den Genen liegende Ursache der Erkrankung.

Regelmäßige Kontrolltermine gehören zur Behandlung. Die Häufigkeit hängt von den Symptomen ab und wird in der Praxis geplant.

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