Dickdarmentzündung (fulminante Kolitis)

Dickdarmentzündung (fulminante Kolitis)

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Was ist eine fulminante Kolitis?

Definition

Die fulminante Kolitis ist eine schwere Entzündung des Dickdarms (Kolon) mit blutigen Durchfällen, starken Bauchschmerzen und schmerzhaftem Stuhldrang. Die Betroffenen sind schwer krank und leiden unter Fieber, Herzrasen und Blutdruckabfall. Es kommt zu einem starken Blutverlust und Flüssigkeitsmangel. Meist ist die Ursache ein akuter Schub einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (z. B. Colitis ulcerosa). 

Bei schwerem Verlauf kann sich der Darmdurchmesser vergrößern auf über 6 cm, man spricht dann vom toxischen Megakolon.

Symptome

Erkrankte Personen bekommen starken Durchfall (mindestens 6-mal täglich), der sichtbar blutig ist. Fieber (über 37,5 °C Körpertemperatur) und Herzrasen treten auf. Die Patient*innen fühlen sich schwer krank und leiden unter starken Bauchschmerzen und schmerzhaftem Stuhldrang. Durch den Blutverlust entwickelt sich eine Blutarmut (Anämie). Sie zeigt sich eventuell durch blasse Haut und Schleimhäute, Abgeschlagenheit und Kreislaufprobleme.

Ursachen

Bei der fulminanten Kolitis breitet sich die Entzündung in die tieferen Wandschichten des Dickdarms aus: Es kommt zu starken Blutungen und Entzündungen der gesamten Darmwand.

Die häufigste Ursache der fulminanten Kolitis ist ein akuter Schub einer Colitis ulcerosa, seltener eines Morbus Crohn; beide sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED). Ein solcher Schub kann bei Betroffenen mit einer CED z. B. durch Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac oder durch Infekte ausgelöst werden.

Seltenere Ursachen der fulminanten Kolitis sind Infekte des Darms auch bei Personen ohne CED, insbesondere durch: 

Auch Durchblutungsstörungen des Darmes, Medikamente (Checkpoint-Inhibitoren zur Krebstherapie) oder andere chronische Erkrankungen mit Beteiligung des Dickdarms kommen als Ursache infrage.

Häufigkeit

Die fulminante Kolitis ist selten. Sie tritt bei etwa 5–15 % der Personen mit Colitis ulcerosa auf. An Colitis ulcerosa leiden in Deutschland bis zu 250 von 100.000 Personen.

Untersuchungen

In der Hausarztpraxis

In der hausärztlichen Praxis werden Sie nach Ihren Beschwerden gefragt. Der Blutdruck wird gemessen ebenso wie der Puls und die Körpertemperatur. Der Bauch wird abgehört und abgetastet.

Bei Verdacht auf eine fulminante Kolitis erfolgt eine notfallmäßige Einweisung ins Krankenhaus.

In der Klinik

Im Krankenhaus werden weitere Untersuchungen zur Einschätzung der Schwere der Krankheit veranlasst:

  • Blutentnahme
  • Ultraschalluntersuchung des Bauches
  • Computertomografie (CT), beispielsweise, um ein toxisches Megakolon auszuschließen (Dickdarmdurchmesser > 6 cm).
  • Darmspiegelung (Endoskopie) mit Entnahme von Gewebeproben (Biopsie): Im akuten Schub ist diese Untersuchung zu gefährlich. Es besteht die Gefahr der Verletzung der Darmwand. Es wird allenfalls nur sehr vorsichtig der letzte Dickdarmabschnitt untersucht.
  • Stuhlprobe zum Keimnachweis

Behandlung

Allgemeine Maßnahmen

Patient*innen erhalten nach Bedarf Flüssigkeit und Elektrolyte (Salze) als Infusion.  Wenn nötig, erfolgen Bluttransfusionen.

Medikamente

Bei CED wird zunächst Kortison hochdosiert gegeben, um die Entzündung zu bekämpfen. Sollte sich keine Besserung zeigen, wird auf andere Medikamente umgestellt, wie z. B. Infliximab. Bei bakterieller Entzündung werden Antibiotika gegeben.

Operation

Falls es durch die Medikamente keine Besserung eintritt oder es zu Komplikationen wie einem Durchbruch der Darmwand oder zu starken Blutungen kommt, muss operiert werden. Notfallmäßig wird meist der Dickdarm entfernt (Kolektomie) und vorübergehend ein künstlicher Darmausgang (Stoma) geschaffen.

Autor

  • Vincent Kranz, Cand. med., Hamburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Fulminante Kolitis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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