Yersinien-Infektion
Yersinien-Infektion
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Was ist eine Yersinien-Infektion?
Definition
Unter einer Yersinien-Infektion, auch Yersiniose genannt, versteht man eine akute Magen-Darm-Entzündung, die von Bakterien der Gattung Yersinia ausgelöst wird. Diese Gattung enthält insgesamt drei Stämme, die beim Menschen Infektionskrankheiten hervorrufen können. Während Yersinia enterocolitica und Yersinia pseudotuberculosis zu Darm-Infektionen führen, ist Yersinia pestis der Erreger der Pest.
Symptome
Die ersten Beschwerden treten üblicherweise etwa 5 Tage nach Infektion auf. Typische Symptome sind Bauchschmerzen, Fieber, Durchfälle und Erbrechen (selten).
Yersinien befallen insbesondere das Lymphsystem des menschlichen Körpers. Bei Schulkindern und Jugendlichen kann dies zu (schmerzhaften) Lymphnotenschwellungen im Bereich des Darms, insbesondere des Blinddarms führen, was den Anschein einer Blinddarmentzündung erwecken kann. Mediziner*innen sprechen dann von einer sog. Pseudo-Appendizitis. Bei Erwachsenen können grippeähnliche Symptome und Rachenentzündung vorkommen.
Bei etwa 1/3 der Patient*innen entwickeln sich im Verlauf der Erkrankung schmerzhafte, gerötete Knoten unter der Haut, die in der Fachsprache als Erythema nodosum bezeichnet werden.
Ursachen
Über 90 % aller Yersinien-Infektionen werden von Y. enterocolitica verursacht, die übrigen von Y. pseudotuberculosis. Die Yersiniose ist eine Zoonose, d. h. sie wird von Tieren auf den Menschen übertragen. Das bedeutendste Erregerreservoir von Y. enterocolitica sind Schweine (Hausschweine und Wildschwein). Y. pseudotuberculosis kommt überwiegend in Vögeln und Wildtieren vor.
Eine Übertragung auf den Menschen erfolgt meist über kontaminierte Lebensmittel, wie etwa rohes oder nicht ausreichend gegartes Schweinefleisch (z. B. Mett, Hackepeter). Auch mangelnde Hygiene bei der Zubereitung von Schweinefleisch in der Küche, verunreinigtes Trinkwasser sowie damit gewaschene Speisen stellen ein mögliches Infektionsrisiko dar. Da sich die Erreger auch bei sehr niedrigen Temperaturen (4 °C) noch vermehren können, kann die Anzahl der Keime in verunreinigten Lebensmitteln bei der Lagerung im Kühlschrank weiter ansteigen.
Eine direkte Übertragung von Tier zu Mensch oder von Mensch zu Mensch kommt nur selten vor.
Häufigkeit
Yersiniosen gehören, nach Infektionen mit Campylobacter und Salmonellen, zu den häufigsten bakteriellen Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland. Im Jahr 2023 wurden 947 Yersinien-Erkrankungen gemeldet. In der EU sind laut einer Studie aus dem Jahr 2017 rund 8 % des Schweinefleisches mit Yersinien belastet.
Am häufigsten sind Kinder unter 5 Jahren betroffen. Männer erkranken mit einem Anteil von 55 % etwas häufiger als Frauen. Generell treten Yersinien-Infektionen in Landkreisen häufiger auf als in Stadtkreisen.
Patient*innen mit Eisenüberladungssyndromen (z. B. Hämochromatose) sind besonders empfänglich für Yersinien-Infektionen und schwere Verlaufsformen der Infektion, da die Erreger stark von Eisen abhängig sind.
Untersuchungen
Insbesondere bei kleinen Kindern lässt sich eine Yersinien-Infektion nur schwierig von anderen Magen-Darm-Infektionen unterscheiden. Besonders wichtig ist daher ein ausführliches Erstgespräch, bei dem Risikofaktoren wie der Verzehr von rohem Schweinefleisch erfragt werden.
Bestehen zusätzlich typische Symptome einer Yersiniose, werden in der Regel noch in der Hausarztpraxis Laboruntersuchungen angeordnet. Die Erreger können u. a. im Blut und Stuhl nachgewiesen werden. Im Blut können auch Entzündungszeichen und die Funktion innerer Organe beurteilt werden.
In manchen Fällen, insbesondere wenn Jugendliche Symptome haben, die einer Blinddarmentzündung ähneln, kann eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums sinnvoll sein.
Bei schweren Verläufen mit Komplikationen ist eine Überweisung zu Spezialist*innen angezeigt, die zusätzlich bildgebende Untersuchungen wie z. B. CT und Darmspiegelungen durchführen können, um mögliche Komplikationen auszuschließen.
Eine Einweisung in die Klinik kann u. a. in folgenden Fällen notwendig werden: hohes Alter (> 70 Jahre), bekannte Vorerkrankungen (Diabetes, Immunschwäche, Krebs), neurologische Symptome (z. B. zunehmende Schläfrigkeit/Verwirrtheit), starker Flüssigkeitsverlust mit Gefahr eines gefährlichen Kreislaufversagens (Schock), schwere Bauchschmerzen sowie unkontrollierbares Erbrechen.
Behandlung
Da es durch die Durchfälle zu einem starken Flüssigkeitsverlust kommen kann, ist der Ausgleich dieses Wasser- und Elektrolytverlustes besonders wichtig. Im Krankenhaus geschieht dies mithilfe geeigneter Infusionslösungen, die über die Vene verabreicht werden. Patient*innen zuhause wird empfohlen, eine spezielle Elektrolytlösung zu sich zu nehmen. Diese kann in der Apotheke erworben werden oder mit folgenden Zutaten selbst hergestellt werden:
- 1 Liter Wasser
- 4 Teelöffel Haushaltszucker
- ¾ Teelöffel Salz
- 1 Tasse Orangensaft oder zwei zerdrückte Bananen
Koffeinhaltige Getränke, Limonaden oder Fruchtsäfte sollten möglichst nicht verwendet werden.
Symptome wie Übelkeit und Schmerzen können durch geeignete Medikamente (z. B. MCP und Paracetamol) gelindert werden. Der Wirkstoff Loperamid gegen Durchfall sollte bei einer Yersinien-Infektion nicht angewendet werden. Eine Behandlung mit Antibiotika ist bei unkomplizierten Verläufen nicht sinnvoll und ist nur unter gewissen Umständen angezeigt:
- Bei schweren Verläufen mit Notwendigkeit eines Klinikaufenthaltes
- Bei Ausbreitung der Erreger ins Blut (Bakteriämie) und Blutvergiftung (Sepsis)
- Bei folgenden Risikogruppen: Neugeborene und Säuglinge bis zum Alter von 3 Monaten, Patient*innen mit Immunschwäche, chronischer Lebererkrankung oder Erkrankungen des Blutes mit erhöhtem Eisenspiegel
Autorin
- Lisa Huber, Cand. med., München
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Yersinien-Infektion. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber. Yersiniose. Stand 10.01.2019. Letzter Zugriff 26.09.2024. www.rki.de
- Bundesinstitut für Risikobewertung. Yersinien in Lebensmitteln: Empfehlungen zum Schutz vor Infektionen. Stellungnahme Nr. 002/2013 des BfR vom 18. Januar 2013. www.bfr.bund.de
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- Robert Koch-Institut. Yersiniose. In: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch für 2018. www.rki.de
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