E.-coli-Enteritis

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Was ist eine E.-coli-Enteritis?

Definition

Unter einer E.-coli-Enteritis versteht man eine Darmentzündung, die durch Escherichia-coli-Bakterien verursacht wird. Die Durchfallerkrankung ist gemäß Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.

E.-coli-Bakterien kommen natürlicherweise im Darm von Menschen und warmblütigen Tieren vor, wo sie zu einer gesunden Verdauung beitragen. Sie sind typischerweise harmlos und nicht krankheitserregend.

Davon zu unterscheiden sind Stämme des E. coli-Bakteriums, die beim Menschen Krankheiten verursachen können. Sie werden als humanpathogen bezeichnet und in der Regel in fünf Gruppen unterteilt:

  1. enterotoxinbildende E. coli (ETEC)
  2. enteroinvasive E. coli (EIEC)
  3. enterohämorrhagische E. coli (EHEC)
  4. enteropathogene E. coli (EPEC)
  5. enteroaggregative E. coli (EAEC)

Sie alle können Auslöser einer E.-coli-Enteritis sein, unterscheiden sich aber in ihrem Krankheitsmechanismus und ihren typischen Krankheitszeichen. In Europa spielt vor allem die Infektion mit EHEC eine übergeordnete Rolle.

Symptome

EHEC

Enterohämorrhagische E. coli unterscheiden sich von anderen E.-coli-Stämmen dadurch, dass sie in der Lage sind, das sog. Shigatoxin zu bilden. Dabei handelt es sich um ein starkes Zellgift, das die Darmwand angreift. Von der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung vergehen im Mittel 3 bis 4 Tage. EHEC-Infektionen können unbemerkt bleiben, typischerweise führen sie jedoch zunächst zu wässrigen Durchfällen, die von Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen begleitet werden.

Im Verlauf entwickeln etwa 10–20 % der Patient*innen blutige Durchfälle, die mit einem deutlich geschwächten Allgemeinzustand und Fieber einhergehen können. Die Symptome halten üblicherweise 4 bis 10 Tage an. Eine mögliche, schwerwiegende Komplikation stellt das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) dar. Dabei kommt es zu einer Blutarmut (Anämie), einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und einem lebensbedrohlichen Versagen der Nierenfunktion.

EIEC

EIEC führen üblicherweise 10 bis 12 Stunden nach Infektion zu teils eitrigen, teils blutigen Durchfällen, heftigen Bauchkrämpfen und Fieber.

EPEC

Bei einer EPEC-Infektion kommt es durchschnittlich 2 bis 6 Tage nach Infektion zu wässrigen Durchfällen mit Fieber.

ETEC

ETEC sind Auslöser des Reisedurchfalls. Typisch sind 1 bis 3 Tage nach der Infektion auftretende wässrige Durchfälle, Bauchschmerzen und -krämpfe sowie Übelkeit. Die Symptome sind in der Regel kurzzeitig.

Ursachen

Alle fünf beschriebenen durchfallauslösende E.-coli-Varianten werden vorrangig über mit Kot verunreinigte, nicht ausreichend erhitzte Nahrungsmittel sowie verunreinigtes Wasser übertragen.

Das natürliche Erregerreservoir von EHEC sind Wiederkäuer wie Rinder, Schafe, Ziegen, Rehe und Hirsche. Neben den o. g. Übertragungswegen kann EHEC auch über direkten Tierkontakt und von Mensch-zu-Mensch übertragen werden. Die Bakterien sind äußerst umweltstabil und hochansteckend. Schon weniger als 100 Erreger können eine Infektion auslösen.

EIEC sind vor allem in Ländern mit niedrigen Hygienestandards verbreitet. Das Erregerreservoir ist hier der Mensch.

Auch EPEC kommen hauptsächlich in Länder mit niedrigen Hygienestandards vor, selten in Europa. Die Übertragung erfolgt durch Wiederkäuer und von Mensch-zu-Mensch.

Das Erregerreservoir von ETEC ist der Mensch. Sie sind eine wichtige Ursache für Durchfälle bei Kindern in Ländern mit schlechten Hygienestandards.

Häufigkeit

In Deutschland gibt es jährlich zwischen 1.000–2.000 gemeldete EHEC-Fälle, wobei Kinder unter 5 Jahren am häufigsten betroffen sind. Zusätzlich kommt es zu sporadischen Ausbrüchen mit höheren Fallzahlen.

Untersuchungen

Da die Symptome einer E.-Coli-Enteritis jenen anderer Durchfallerkrankungen ähneln und in ihrer Ausprägung variieren können, kann es schwierig sein, die Erkrankung zu diagnostizieren. Geben die klinische Untersuchung und die Anamnese Anhaltspunkte für eine Infektion mit E.-coli-Bakterien und bestehen Hinweise oder Risiken für einen schweren Verlauf, wird eine Stuhlprobe entnommen und zur weiteren Diagnostik in ein Labor übermittelt. Auch bei Erkrankten, die in der Nahrungsmittelverarbeitung oder in Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Kindergarten) tätig sind, sollte eine Stuhlprobe untersucht werden. Der Nachweis von EHEC ist komplex und ein negatives Ergebnis kann die Diagnose nicht mit Sicherheit ausschließen.

Klinikeinweisung

In besonders schweren Fällen kann eine Klinikeinweisung sinnvoll sein. Ob eine stationäre Aufnahme erforderlich ist, entscheiden Ärzt*innen im Einzelfall anhand festgelegter Kriterien. Für eine stationäre Aufnahme sprechen u. a.:

  • schwere Dehydration (Gewichtsverlust von über 9 % bei Erwachsenen oder über 10 % bei Kindern)
  • Lebensgefährliche Kreislaufstörung durch mangelnde Flüssigkeit (Volumenmangel-Schock)
  • neurologische Symptome wie Verwirrtheit oder übermäßige Schläfrigkeit bis hin zum Koma
  • zusätzliche Risikofaktoren wie bekannte Vorerkrankungen (Diabetes, Immunschwäche, Krebserkrankungen etc.) oder Alter (über 70 Jahre)
  • anhaltende blutige Durchfälle, schwere Bauchschmerzen

Blutige Durchfälle bei Kinderm mit schlechtem Allgemeinzustand erfordern eine umgehende Klinikeinweisung, um ein mögliches HUS auszuschließen. Auch Säuglinge mit eine Gewicht von weniger als 3.500 g oder jünger als 2 Monate müssen in der Regel in der Klinik behandelt werden.

Behandlung

Die wichtigste Therapiemaßnahme ist der Ausgleich des durch die Durchfälle verursachten Flüssigkeits- und Mineralverlustes. Im Krankenhaus geschieht dies durch geeignete Infusionslösungen, die über die Vene verabreicht werden. Patient*innen zuhause wird empfohlen, ausreichend zu trinken und spezielle Elektrolytlösung zu sich zu nehmen. Diese können in der Apotheke erworben oder mit folgenden Zutaten selbst hergestellt werden:

  • 1 Liter Wasser
  • 4 Teelöffel Haushaltszucker
  • ¾ Teelöffel Salz
  • 1 Tasse Orangensaft oder 2 zerdrückte Bananen

Symptome wie Übelkeit und Schmerzen können bei Erwachsenen durch geeignete Medikamente gemindert werden. Der Wirkstoff Loperamid gegen Durchfälle bei Erwachsenen sollte nicht länger als 48 Stunden zum Einsatz kommen und darf bei Fieber und/oder Blut im Stuhl nicht angewandt werden. Die Anwendung anderer durchfallhemmende Stoffe wie z. B. pflanzliche Substanzen (Uzara, getrocknetes Apfelpulver) oder Tannin, Kohle, Heilerde oder Myrrhe, sollte bei einer akuten infektiösen Magen-Darm-Entzündung nicht erfolgen, da deren Wirksamkeit bisher nicht bestätigt werden konnte. Auch Probiotika, also Produkte, die spezielle Bakterienkulturen enthalten, sind aus medizinischer Sicht nicht empfehlenswert.

Eine Antibiotikatherapie ist in der Regel nicht sinnvoll, da bisher kein positiver Effekt auf den Krankheitsverlauf beobachtet werden konnte und es Hinweise dafür gibt, dass sie die Krankheitsdauer und -schwere sogar negativ beeinflussen könnten.

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