Spontanpneumothorax
Spontanpneumothorax
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Was ist ein Spontanpneumothorax?
Definition
Der Spontanpneumothorax ist eine Form des Lungenkollaps. Dabei dringt Luft aus der Lunge. Sie sammelt sich im Brustkorb (Pleurahöhle) und drückt von außen auf die Lunge. Zusätzlich geht der Unterdruck, der die Lunge entfaltet hält, verloren. Wenn dies ohne Einwirkung von außen und ohne feststellbare Lungenerkrankung geschieht, spricht man vom primären Spontanpneumothorax. Falls eine Grunderkrankung als Auslöser vorliegt, wird dies sekundärer Spontanpneumothorax genannt. Selten entwickelt sich der Spontanpneumothorax zum Spannungspneumothorax weiter. Dies ist ein Notfall und akut lebensbedrohlich.
Symptome
Typisch sind Brustschmerzen und Atembeschwerden. Das Einatmen fällt schwer. Die Beschwerden können schleichend einsetzen. Bei Menschen, die schon eine Lungenerkrankung haben, beginnen Schmerzen und Atemnot oft plötzlicher und sind stärker.
Oft sind die Beschwerden auch mild oder gar nicht zu spüren. Selten wird das Atmen aber innerhalb von Minuten sehr schwer, und der Brustkorb schmerzt stechend. Das Herz schlägt schnell und der Blutdruck sinkt. Die Haut wird kalt und schwitzig. Dies sind Zeichen für einen Schock durch einen Spannungspneumothorax.
Ursachen
Die Lunge ist weich und dehnbar. Die vielen tausend Lungenbläschen sind mit Luft gefüllt. Im Brustkorb herrscht Unterdruck. Nur durch ihn dehnt sich die Lunge und schmiegt sich an die Brustwand – und ist doch nicht an ihr befestigt. So bleiben die Lungenbläschen offen.
Manchmal platzen Bläschen an der Außenseite der Lunge und Luft tritt aus. Dann geht der Unterdruck teilweise oder ganz verloren. Luft im Brustkorb befindet sich nicht in der Lunge – sie kann nicht zum Atmen verwendet werden. Stattdessen sinkt die Lunge zusammen. Tiefes Einatmen wird unmöglich. Nur selten tritt zusätzlich Blut aus einer inneren Blutungsquelle in den Brustraum (Hämatopneumothorax).
Meistens kollabiert die Lunge ohne Vorerkrankung. Lungenerkrankungen führen zu einem Gewebeschaden und steigern das Risiko.
Zwei Formen werden unterschieden
- Primärer Spontanpneumothorax: Dies ist mit 85% der häufigste Fall. Beim primären Spontanpneumothorax ist keine auslösende Lungenerkrankung feststellbar. Das Alter liegt meistens unter 45 Jahren. In 90% der Fälle liegen jedoch Bläschen oder überblähte Bereiche auf der Außenseite der Lunge vor.
- Sekundärer Spontanpneumothorax: Eine auslösende Lungenerkrankung liegt vor. Meistens handelt es sich um eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD). In einigen Fällen handelt es sich um Asthma oder zystische Fibrose (Mukoviszidose). Weitere Ursachen sind Lungenentzündung und Tuberkulose sowie Bindegewebserkrankungen wie das Marfan-Syndrom und das Ehlers-Danlos-Syndrom.
Risikofaktoren
- Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
- Großer, schlanker Körperbau
- Alter < 40 Jahre
- Rauchen
- Verwandte, die bereits einen Lungenkollaps erlebt haben.
Flugreisen haben dagegen keinen Einfluss. Auch Sport erhöht nicht das Risiko, einen Lungenkollaps zu erleiden.
Häufigkeit
Jedes Jahr gibt es in Deutschland mehr als 10.000 Fälle. Am häufigsten erkranken junge Männer um das 25. Lebensjahr. Frauen erkranken seltener als Männer. Ein sekundärer Pneumothorax durch eine COPD tritt eher im Alter auf.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
Die Diagnose wird durch eine ärztliche Untersuchung gestellt und durch ein Röntgenbild der Lunge bestätigt. Auch eine Untersuchung mit Ultraschall kann sinnvoll sein.
Besonders bei jungen schlanken Männern kann sich im ärztlichen Gespräch der Verdacht ergeben. Sollten Sie rauchen, dann ist Ihr Risiko ebenfall erhöht. Schmerzen und Atemnot sind typisch. Leichtere Beschwerden sprechen eher für einen primären Spontanpneumothorax, stärkere Symptome eher für die sekundäre Form.
Eine Atemnot, die innerhalb von Minuten zunimmt und mit stechenden Schmerzen einhergeht, ist ein Warnsignal. Dann kann es sich um einen Spannungspneumothorax handeln. Dieser ist lebensbedrohlich und muss sofort behandelt werden. Er kann in kurzer Zeit zum Schock führen. Zeichen für einen Schock sind ein schneller Herzschlag, ein sinkender Blutdruck und Kaltschweißigkeit.
Bei der körperlichen Untersuchung wird Ihr Brustkorb abgehört und abgeklopft. Außerdem kann eine Untersuchung mit Ultraschall gemacht werden. So können erfahrene Untersucher*innen einen Pneumothorax nachweisen.
Bei Spezialist*innen
Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs bestätigt die Diagnose. Sie wird am bestem im Stehen durchgeführt. Nur bei unklaren Befunden oder bei Verdacht auf einen sekundären Spontanpneumothorax sollte eine CT-Untersuchung stattfinden.
Überweisung und Klinikeinweisung
Wenn Sie nur leichte Symptome haben, genügt die ambulante Überweisung für eine Röntgen- oder CT-Aufnahme. Bei auffälligen Symptomen erhalten Sie eine Einweisung ins Krankenhaus. Der Verdacht auf Spannungspneumothorax erfordert eine Notfalleinweisung ins Krankenhaus, und die Behandlung muss schon in der Arztpraxis begonnen werden.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist die Ausdehnung der Lunge, die Linderung der Beschwerden und die Beseitigung der Ursachen. Der primäre Spontanpneumothorax wird anders behandelt als der sekundäre.
Beobachtung
In leichten Fällen müssen lediglich die Symptome überwacht werden. Der Körper kann die Luft im Brustraum nach und nach aufnehmen. Die Lunge dehnt sich langsam wieder aus. Dies kann jedoch 6 Wochen oder länger dauern. Die Überwachung kann auch ambulant mit regelmäßigen Kontrollterminen stattfinden.
Aspiration und Drainage
Aspiration bedeutet, dass man die freie Luft im Brustkorb mit einer großen Spritze absaugt. Dazu ist ein Einstich zwischen den Rippen nötig. Wenn dies nicht funktioniert, kann man eine Drainage am Brustkorb anlegen. Das ist ein Schlauch, der für einige Zeit am Körper bleibt. Eine Drainage hat eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit und wird auch beim Spannungspneumothorax verwendet. In schweren Fällen wird ein Sogsystem verwendet.
Chirurgie
Eine Operation ist nötig, wenn andere Verfahren nicht zu einer Besserung führen oder zusätzlich eine innere Blutung vorliegt (Hämatopneumothorax). Auch bei großem Risiko für ein Wiederauftreten kann operiert werden. In der Regel wird minimal invasiv über mehrere kleine Hautschnitte operiert (videoassistierte Thorakoskopie, VATS). Während der Operation kann man Teile des Brustfells entfernen oder mit Talkum verkleben (Pleurodese). Das soll die Wahrscheinlichkeit für ein Wiederauftreten verringern. Eine VATS ist einer großen offenen Operation am Brustkorb vorzuziehen.
Behandlung beim sekundären Spontanpneumothorax
Wenn Sie einen sekundären Lungenkollaps erlitten haben, sollten Sie auf jeden Fall in einer Klinik behandelt werden. Eine Drainage – und bei Bedarf die Behandlung mit einem Sogsystem – ist zu empfehlen.
Ein spontaner Verschluss des Luftlecks ist jedoch unwahrscheinlich. Es ist in solchen Fällen möglich, die Blätter des Brustfells über den Drainageschlauch zu verkleben. Wenn sich die Lunge nach 48 Stunden wieder ausgedehnt hat, kann die Drainage entfernt werden. Andernfalls kann auch beim sekundären Spontanpneumothorax operiert werden. Die Operation läuft ähnlich wie beim primären Spontanpneumothorax ab.
Autor
- Vincent Kranz, Cand. med., Hamburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Spontanpneumothorax. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Lohnstein M, Eras J, Hammerbacher C. Der Prüfungsguide Allgemeinmedizin - 4. Auflage. Augsburg: Wißner-Verlag, 2022.
- Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT). Diagnostik und Therapie von Spontanpneumothorax und postinterventionellem Pneumothorax. AWMF-Leitlinie Nr. 010-007. S3. Stand 2018 www.awmf.org
- Schnell J, Koryllos A, Lopez-Pastorini A, Lefering R, Stoelben E. Spontanpneumothorax-Epidemiologie und Versorgung in Deutschland 2011–2015. Dtsch Arztebl Int 2017; 114(44): 739-44; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0739 www.aerzteblatt.de
- Bennett J, Vella C, Umerah O. Pneumothorax. BMJ Best Practice, last updated Jan 31, 2023. bestpractice.bmj.com
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