Mukoviszidose (zystische Fibrose)

Mukoviszidose (zystische Fibrose)

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Was ist Mukoviszidose?

Definition

Mukoviszidose ist eine Erbkrankheit, bei der die Drüsenfunktion in mehreren Organen, darunter Lunge und Bauchspeicheldrüse (Pankreas), gestört ist. Die Erkrankung wird auch zystische Fibrose (CF) oder zystische Pankreasfibrose genannt. Die Krankheit verursacht eine Störung mehrerer Drüsensysteme des Körpers, wodurch ein ungewöhnlich zähflüssiger Schleim abgesondert wird, der die Drüsen und Ausscheidungsöffnungen der betroffenen Organe verstopft und zu Infektionen führt.

Symptome

Die Betroffenen zeigen meist Symptome der Lunge wie Husten und wiederkehrende Atemwegsinfektionen in den oberen und unteren Atemwegen. Bei einigen Patient*innen treten auch Beschwerden in der Nasennebenhöhle und der Nase auf. Beeinträchtigungen des Magen-Darm-Trakts sind ebenfalls häufig, vor allem in Form einer Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse und wiederkehrenden und/oder chronischen Entzündungen der Bauchspeicheldrüse.  Es kann zu Unterernährung und Vitaminmangel aufgrund der schlechteren Nährstoffaufnahme aus dem Darm kommen. Besonders fettlösliche Vitamine, Eisen und Zink können verringert sein. Häufig treten Gallensteine, Leberschäden und eine Verhornung der Haut an Händen und Füßen auf. Bei Kindern kann die Krankheit zu einer Infektanfälligkeit sowie Wachstums- und Entwicklungsstörungen führen. Bei einem Teil der Patient*innen kommt es aufgrund der mangelnden Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse im Laufe der Zeit zu Diabetes. Bei fast allen Männern mit Mukoviszidose ist auch der normale Transport der Spermien durch die Samenleiter gestört und damit die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigt.

Ursachen

Die Krankheit ist genetisch bedingt und wird autosomal-rezessiv vererbt. Ein Kind muss also ein defektes (mutiertes) CFTR-Gen von beiden Eltern erben, damit die Krankheit ausbricht.

Durch die Mutation im Gen wird der Chloridtransport an der Zellmembran verringert, wodurch es zu einem Wasserentzug und in Folge zu zähem Sekret in den betroffenen Organen kommt. In der Lunge führt die unzureichende Befeuchtung der Schleimhaut zu einem dicken, zähflüssigen und schlecht abfließenden Atemwegssekret, was eine chronische Entzündung sowie wiederkehrende oder chronische Infektionen der Atemwege verursacht. Da der mutierte CFTR-Ionenkanal im ganzen Körper vorkommt, sind weitere Organsysteme wie Bauchspeicheldrüse, Magen-Darm-Trakt, Leber, Schweißdrüsen und der männliche Reproduktionstrakt betroffen.

Häufigkeit

CF stellt in Deutschland mit 150–200 betroffenen Neugeborenen pro Jahr die häufigste lebensverkürzende Erbkrankheit dar. Etwa 3–4 % der deutschen Allgemeinbevölkerung sind Träger*innen des Gendefekts für diese Krankheit, ohne zwangsläufig selbst daran zu leiden.

Durch das Neugeborenenscreening wird die Erkrankung mittlerweile häufig schon vor dem Auftreten erster Symptome diagnostiziert, und mit der dadurch immer früheren Behandlung steigt die Überlebenschance und damit der Anteil Erwachsener mit Mukoviszidose. Mittlerweile sind 59 % der Patient*innen mit CF im Erwachsenenalter.

Untersuchungen

  • Das Neugeborenenscreening ermöglicht in allen deutschsprachigen Ländern eine Diagnose oft noch vor den ersten Symptomen, da betroffene Kinder in den ersten beiden Lebensjahren häufig noch asymptomatisch sind.
  • Oft fallen die Patient*innen aber auch durch wiederholte Atemwegsinfekte in den ersten Lebensmonaten und einen reduzierten Allgemein- und Ernährungszustand bzw. eine verzögerte Entwicklung auf.
  • Die Diagnose wird dann vor allem aufgrund einer wiederholten Messung des Salzgehaltes im Schweiß (Schweißtest) gestellt.
  • Die Bestätigung kann über einen Gentest erfolgen.
  • Bei Patient*innen mit uneindeutigem Ergebnis kann eine elektrophysiologische Messung der CFTR-Kanalfunktion erfolgen.

Behandlung

  • Eine umfassende Therapie, idealerweise in einem interdisziplinären Mukoviszidose-Zentrum, erhöht die Überlebenszeit und lindert die Symptome.
  • Die psychosozialen Umstände sollten dabei ebenfalls berücksichtigt werden, da das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen erhöht zu sein scheint.
  • Eine Gentherapie zur ursächlichen Behandlung der Erkrankung ist derzeit nicht verfügbar.
  • Es gibt zwei verschiedene Arten von CFTR-Medikamenten: Potentiatoren, die einen vorhandenen CFTR-Kanal aktivieren, und Korrektoren, die die richtige Herstellung des CFTR-Kanals unterstützen und damit die Zahl der CFTR-Proteine auf der Zelloberfläche erhöhen.
    • Mittlerweile sind verschiedene Modulatorenkombinationen bei bestimmten Genmutationen zugelassen.
  • Bei Unterernährung kann eine Erhöhung der Kalorienzufuhr erwogen werden, bzw. es können Pankreasenzyme, Vitamine oder fehlende Mineralstoffe zugeführt werden.
  • Infektionen sollten mit Antibiotika behandelt werden, da die wiederkehrenden Infektionen im Verlauf zu einem zunehmenden Verlust der Lungenfunktion führen.
  • Zeitnah nach der Diagnosestellung soll eine Physiotherapie für die Lunge begonnen werden, um das zähe Sekret zu lösen.
  • Eine Inhalation von hypertoner Kochsalzlösung oder Dornase alfa, einem Enzym, das den Schleim verflüssigt, soll durchgeführt werden.
  • Im Endstadium der Erkrankung kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Lungentransplantation vorgenommen werden. Die Transplantation stellt eine krankheitsmildernde, jedoch keine heilende Maßnahme dar.

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Mukoviszidose (zystische Fibrose, CF) . Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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