Proteinurie (Eiweiß im Urin)
Proteinurie (Eiweiß im Urin)
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Was ist eine Proteinurie?
Die Nieren reinigen das Blut von Abbauprodukten und regulieren den Wasser- und Salzhaushalt im Körper. Bei hoher Flüssigkeitszufuhr erhöht sich auch die Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren, während bei einer geringen Flüssigkeitszufuhr oder großem Flüssigkeitsverlust, beispielsweise durch Schwitzen, die Nieren die Flüssigkeitsausscheidung verringern. Von den Nieren aus wird der Urin in die Harnwege, durch das Nierenbecken, den Harnleiter und die Harnblase weitergeleitet bis hin zur Harnröhre, an deren Ende er ausgeschieden wird.
Unter einer Proteinurie versteht man die erhöhte Ausscheidung von Protein (Eiweiß) im Urin (mehr als 150 mg täglich). Gemessen wird üblicherweise Albumin, das wichtigste Protein im Urin bei den meisten Nierenerkrankungen. Hier liegt die Grenze für eine Albuminurie bei 30 mg pro 24 Stunden. Während früher v. a. der 24-Stunden-Urin gemessen wurde, wird heute das Verhältnis von Protein bzw. Albumin zu Kreatinin bestimmt. Hier spricht man bei einer Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR) von 30–300 mg/g von einer mäßig erhöhten Albuminausscheidung, darüber/darunter von einer normalen bis leicht erhöhten bzw. stark erhöhten Albuminurie.
Was kann die Ursache sein?
Mögliche Ursachen sind eine beeinträchtigte Funktion der Nieren und Entzündungen der ableitenden Harnwege. Eine Proteinurie ist mit 7 % in der Normalpopulation relativ häufig. Vorübergehende leichte Proteinurien können harmlos sein und bei körperlicher Aktivität, Fieber, Hitze, Dehydratation und Harnwegsinfekten sowie anderen akuten entzündlichen Erkrankungen auftreten. Besteht die Proteinurie dauerhaft, weist dies auf eine Schädigung der Nieren hin, und die Ursache sollte ermittelt werden.
Häufige Ursachen
- Harnwegsinfekte (bei Frauen, bei Männern)
- Zu den typischen Symptomen zählt Brennen beim Wasserlassen sowie häufiger Harndrang.
- Eine Proteinurie ist keine notwendige Begleiterscheinung von Harnwegsinfekten.
- Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
- Eine Proteinurie kann vorkommen, stellt aber ebenfalls keine notwendige Begleiterscheinung einer Nierenbeckenentzündung dar.
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl sowie Schmerzempfindlichkeit in der Nierengegend sind häufige Symptome.
- Viele Betroffene klagen über Symptome eines Harnwegsinfektes wie Brennen beim Wasserlassen.
- Schwangerschaft
- Eine Proteinurie in der ersten Hälfte der Schwangerschaft kann ein Anzeichen für eine vorbestehende Erkrankung der Nieren oder Harnwege sein.
- Eine Proteinurie in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft begünstigt das Risiko für eine Präeklampsie („Schwangerschaftsvergiftung”) und erfordert eine ärztliche Abklärung.
- Menstruation
- Auch im Rahmen der Menstruation kann eine vorübergehende harmlose Proteinurie auftreten.
- Arterielle Hypertonie
- Ein erhöhter Blutdruck ist ein unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Probleme wie Schlaganfall und Herzinfarkt.
- Bluthochdruck ist im Regelfall symptomfrei, geht jedoch zu 16 % mit einer Proteinurie einher.
- Diabetes mellitus (Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes)
- 29 % der Patient*innen mit Diabetes mellitus weisen eine Proteinurie auf.
- Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes und mäßiger Albuminurie besteht ein 3-fach erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko im Vergleich zu Patient*innen ohne Diabetes, weshalb eine jährliche Bestimmung des Albumins im Urin empfohlen ist.
- Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes sollte das Albumin im Urin nicht routinemäßig bestimmt werden.
- Chronische Nierenkrankheit
- Krankheitsanzeichen sind Müdigkeit, Juckreiz, Restless Legs, Kurzatmigkeit und Knochenschmerzen.
- Die häufigsten Ursachen sind langjährig unzureichend behandelter Bluthochdruck und Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2, chronische Nierenentzündungen und vererbte Nierenerkrankungen.
- Orthostatische Proteinurie
- Es handelt sich um eine lageabhängige Proteinurie, die vor allem bei ansonsten gesunden Männern unter 30 Jahren auftritt.
- Die Proteinurie tritt in der Regel tagsüber auf; nachts im Liegen kommt es zu keiner oder lediglich minimaler Proteinausscheidung.
Seltene Ursachen
- Chronische Nierenentzündung (Glomerulonephritis)
- Es kommt zu Blut im Harn und Ödemen sowie Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Kopfschmerz und Appetitlosigkeit.
- Die Proteinurie gehört zu den typischen Befunden einer chronischen Nierenentzündung.
- Eine Glomerulonephritis kann als Folge anderer Krankheiten oder auch ohne erkennbare Ursache auftreten.
- Multiples Myelom
- Das multiple Myelom, auch Plasmozytom genannt, ist eine Krebserkrankung des blutbildenden Systems.
- Klassische Symptome sind Blässe und Müdigkeit durch Blutarmut, Knochenschmerzen sowie Infektionen.
- Begleitend tritt häufig ein Nierenversagen auf.
- Amyloidose
- Aufgrund einer Störung der Proteinfaltung kommt es zu Proteinablagerungen in verschiedenen Organen und damit zu entsprechend unterschiedlichen Symptomen.
- Typisch ist eine Proteinurie sowie eine Vergrößerung des betroffenen Organs.
- Generell tritt eine Proteinurie auch bei Nierenerkrankungen sowie verschiedenen Krebsarten auf.
Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?
- Wenn Sie unter starken Beschwerden wie Schmerzen im Unterleib, Fieber, Wassereinlagerungen in den Beinen oder schaumigem/blutigem Urin leiden, sollten Sie ärztliche Hilfe suchen.
Untersuchungen
- Im ärztlichen Gespräch werden eine mögliche Schwangerschaft, bestehende Vorerkrankungen oder derzeitige Symptome wie schaumiger Urin abgefragt.
- Körpertemperatur und Blutdruck werden gemessen, und es wird untersucht, ob Anzeichen für eine erhöhte Flüssigkeitsmenge im Körper vorliegen und die Beine geschwollen sind (Ödeme).
- Laboruntersuchungen von Blut und Urin sind mitentscheidend zum Nachweis und zur Risikoeinschätzung.
- Im Blut wird u. a. Kreatinin untersucht, ein körpereigenes Stoffwechselendprodukt, das bei Anreicherung im Blut ein Hinweis auf eine gestörte Ausscheidungsfunktion der Niere ist.
- Im Urin wird die Menge an Protein untersucht (Proteinurie). Gemessen werden dabei üblicherweise Albumin (Albuminurie), das wichtigste Protein im Urin bei den meisten Nierenerkrankungen, sowie Kreatinin. Dies dient der Bestimmung der Berechnung des Albumin-Kreatinin/Quotienten (ACR) zur Diagnostik sowie für Verlaufskontrollen.
- Früher wurde dazu der 24-Stunden-Urin gesammelt, heutzutage ist die Messung im Spontan- oder Morgenurin gebräuchlich.
- Die Nieren werden mithilfe einer Ultraschalluntersuchung auf Schäden kontrolliert.
- Bei einem zu hohen Proteinwert werden Sie an Spezialist*innen überwiesen, um eine Gewebeprobe aus den Nieren zu entnehmen.
Behandlung
- Behandlungsbasis ist die Therapie der Grunderkrankung, z. B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Glomerulonephritis.
- Da die Proteinurie mit niedrigerem Blutdruck sinkt, sollte ein erhöhter Blutdruck medikamentös gesenkt werden. Auch bei Patient*innen mit Diabetes mellitus kann die normalerweise allmählich zunehmende Proteinurie dadurch verlangsamt werden.
- Der erhöhte Proteinwert selbst kann durch verschiedene Medikamente gesenkt werden.
- Je nach körperlicher Verfassung und Erkrankungsfortschritt sollten bei allen Patient*innen mit chronischer Nierenkrankheit mindestens 1-mal pro Jahr Verlaufskontrollen durchgeführt werden.
Autor
- Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Proteinurie/Albuminurie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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