Juckreiz in der Schwangerschaft
Juckreiz in der Schwangerschaft
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed. Mehr erfahren
Was ist Juckreiz in der Schwangerschaft?
Etwa jede fünfte Frau ist während ihrer Schwangerschaft von heftigem Juckreiz betroffen. In den meisten Fällen ist die Haut einfach nur sehr trocken. Der Juckreiz kann quälend sein, den Schlaf beeinträchtigen und die Lebensqualität insgesamt vermindern. Mitunter ruft dauerhafter Juckreiz sogar eine Depression hervor oder verstärkt eine bereits vorhandene.
Was kann die Ursache sein?
Häufige Ursachen
In den meisten Fällen entsteht der Juckreiz infolge natürlicher Veränderungen der Haut während der Schwangerschaft: Die Haut wird trockener und dehnt sich zunehmend.
Seltenere Ursachen
- Allergisches Kontaktekzem: Eine schon vor der Schwangerschaft bestehendes allergisches Kontaktekzem kann sich verstärken.
- Psoriasis: Bei manchen Frauen verschlechtert sich auch eine bereits vorhandene Schuppenflechte (Psoriasis). Meist allerdings bessert sich eine Schuppenflechte sogar während der Schwangerschaft.
- Schwangerschaftsdermatose: Es tritt eine für die Schwangerschaft spezifische Hauterkrankung auf.
- Neurodermitis: Eine schon vorbestehende Neurodermitis kann sich verschlechtern, oder sie kann neu auftreten, meist in der ersten Hälfte der Schwangerschaft (atopische Eruption in der Schwangerschaft, AEP). Typisch ist ein juckender Hautausschlag an Körperstamm und Extremitäten.
- polymorphe Schwangerschaftsdermatose: Dies ist ein juckender Ausschlag mit schuppenden Belägen und Knötchen, der meist im 3. Trimenon beginnt. Hauptsächlich befallen sind Gesäß und Oberschenkel, der Bereich um den Nabel bleibt auch bei Befall des Körperstamms ausgespart. Die Erkrankung ist für Mutter und Kind ungefährlich und verschwindet nach 4–6 Wochen wieder.
- Pemphigoid gestationis: Dies ist eine seltene Autoimmunerkrankung mit Blasenbildung der Haut und starkem Juckreiz oft beginnend am Bauch. Sie tritt spät auf im 3. Trimenon. Die Prognose ist gut mit einer meist vollständigen Rückbildung innerhalb von Wochen oder Monaten nach der Geburt. Sie geht aber einher mit einem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt und einer Wachstumsverzögerung des Kindes. Daher sollte bei einer solchen Erkrankung die Schwangerschaft im letzten Drittel regelmäßig ärztlich überwacht werden.
- östrogenabhängiges Angioödem: Dies ist eine seltene Erkrankung mit gesichtsbetonter Schwellung und leichtem Juckreiz. Sie bildet sich nach der Schwangerschaft vollständig zurück. Um ein Wiederkehren zu verhindern, sollten aber eine Einnahme von östrogenhaltigen Medikamenten vermieden werden.
- Schwangerschaftscholestase: Es kommt zu einer Vermehrung von Gallensäuren und Gallenfarbstoff im Blut. Diese Erkrankung tritt in der Regel nach der 30. Schwangerschaftswoche auf und macht sich vor allem nachts durch quälenden Juckreiz an Händen und Füßen bemerkbar., ohne dass ein Hautausschlag sichtbar ist. Eventuell kann ein dunkelgefärbter Urin auffallen. Für die Mutter ist das ungefährlich, jedoch steigt gering das Risiko einer Frühgeburt und eines Kindstodes in den letzten Wochen vor der Geburt. Daher ist eine vorzeitige Einleitung der Geburt in der 37. bis 38. Schwangerschaftswoche in Betracht zu ziehen.
- Akute Schwangerschaftsfettleber: Diese Erkrankung ist sehr selten. Es kann sich dabei innerhalb weniger Tage ein Leberversagen entwickeln mit Übelkeit, Juckreiz, Bauchschmerzen und Gelbsucht. Eine sofortige stationäre Behandlung ist notwendig. 20 % der Betroffenen haben zusätzlich ein HELLP-Syndrom (schwere Schwangerschaftserkrankung mit hohen Leberwerten und Blutarmut).
- Chronische Lebererkrankungen: Vorbestehende Hepatitis A, B oder C oder andere Leber- oder Gallenerkrankungen können in der Schwangerschaft zu vermehrtem Juckreiz führen.
Untersuchungen
In der Praxis werden Sie genau zu den Hautveränderungen befragt: Beginn, Ausbreitung, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien, Auslandsaufenthalte und der bisherige Schwangerschaftsverlauf sind wichtig. Um die Ursache eines Juckreizes zu ergründen, wird zunächst Ihre gesamte Haut inklusive der Schleimhäute betrachtet und Ihr Allgemeinzustand beurteilt. Ergänzend kann der Blutdruck gemessen, der Urin untersucht und Blutwerte bestimmt werden.
Ist die Art der Hauterkrankung unklar, werden Sie zu Fachärzt*innen überwiesen. Eine Einweisung ins Krankenhaus sollte erfolgen, wenn der Allgemeinzustand schlecht ist, es zu einem Anstieg der Gallensäuren und Leberwerte kommt oder der Verdacht auf eine Schwangerschaftsfettleber besteht.
Behandlung
Bei einer Schwangerschaftsdermatose können verschiedene Medikamente verschrieben werden. Das Mittel der ersten Wahl ist ein Antihistaminikum (Desloratadin), es wirkt antiallergisch und entzündungshemmend. Alternativ kommt eine kortisonhaltige Creme infrage. Diese Anwendung zeigt keinen Einfluss auf das Geburtsgewicht oder die Größe.
Für eine Lebererkrankung gibt es ebenfalls verschiedene Präparate, die angewendet werden können, z. B. Ursodesoxycholsäure. Sog. Glukokortikosteroide (Kortison) in Form von Tabletten werden allenfalls bei extremem Juckreiz und starkem Leidensdruck kurzfristig verschrieben, da das Risiko von Fehlbildungen beim Kind nicht ausgeschlossen werden kann.
Bei einer stark juckenden Kopfhaut, die mit Eiterbläschen oder Pusteln einhergeht (Follikulitis), kann auch eine UVB-Phototherapie erwogen werden; allerdings erst in der fortgeschrittenen Schwangerschaft, weil dadurch das Immunsystem herunterreguliert wird. Bei dem Verfahren wird die betroffene Region mit UVB-Licht bestrahlt, was Entzündungsprozesse lindert.
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed.
Lesen Sie hier den vollständigen Originalartikel.
Die Inhalte auf team-praxis.de stellen keine Empfehlung bzw. Bewerbung der beschriebenen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Sie ersetzen nicht die fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Apotheker*in und dürfen nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Lesen Sie dazu mehr in unseren Haftungshinweisen.
In unserer Gesundheitsdatenbank suchen
Inhaltsverzeichnis anzeigenWissenswertes aus den hausärztlichen Praxen

Wissen, wann genug ist
Über Suchterkrankungen sprechen die meisten Menschen nicht gern.
Zum Beitrag

Juckende Augen und triefende Nasen: Hilfe bei Heuschnupfen
Leichte Symptome lassen sich oft durch einfache Maßnahmen lindern.
Zum Beitrag

Sind das die Wechseljahre?
Warum die Wechseljahre auch in der hausärztlichen Praxis Thema sind
Zum Beitrag