Akute Schwangerschaftsfettleber
Akute Schwangerschaftsfettleber
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Was ist eine akute Schwangerschaftsfettleber?
Definition
Eine akute Schwangerschaftsfettleber ist eine seltene, aber lebensbedrohliche und plötzlich entstehende Krankheit, die während einer Schwangerschaft auftreten kann. Dabei kommt es zu einer Störung der Leberfunktion der Schwangeren. Die Ursache für diese Krankheit ist nicht klar. Es kann im Verlauf der Krankheit zu dem Versagen mehrerer Organe kommen (Multiorganversagen).
Die Leber ist ein großes Organ, das rechts oben im Bauch liegt und sehr viele wichtige Funktionen im Stoffwechsel von Fetten, Kohlehydraten und Eiweißen erfüllt. Außerdem stellt die Leber Bestandteile der Blutgerinnung her und baut Gifte wie z. B. Alkohol im Körper ab.
Symptome
Bei einer akuten Schwangerschaftsfettleber fühlen Sie sich wahrscheinlich innerhalb von wenigen Tagen bis zu maximal zwei Wochen plötzlich sehr krank. Eine akute Schwangerschaftsfettleber tritt vor allem in den letzten 4–6 Wochen der Schwangerschaft auf.
Die Krankheit führt zu Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Möglicherweise haben Sie ungewöhnlich viel Durst und trinken deshalb viel mehr (Polydipsie) und scheiden auch viel mehr Urin aus (Polyurie) als gewöhnlich. Oft kommen eine ausgeprägte Abgeschlagenheit und Müdigkeit (Fatigue) bis hin zu einer Störung des Bewusstseins hinzu. Manchmal sammelt sich durch die Erkrankung der Leber Wasser im Bauch an (Aszites) und die Haut und das Weiße in den Augen färben sich gelb (Ikterus). Dazu kann ein Juckreiz der Haut kommen. Weil die Leber nicht mehr normal funktioniert, ist auch die Blutgerinnung gestört. Das bedeutet, dass Blutergüsse ohne eine Verletzung auftreten können, oder dass aus dem Magen-Darm-Trakt oder der Gebärmutter Blut austritt.
Ursachen
Der genaue Grund für die Krankheit ist unbekannt. Vermutet wird jedoch, dass die Krankheit mit einer Störung des Fettsäurenstoffwechsels in Zusammenhang steht. In der Leber werden Fettsäuren abgebaut, um daraus Energie zu gewinnen (Fettsäurenoxidation). Für den Abbau von Fettsäuren wird ein bestimmtes Teilchen (Enzym) benötigt. Fehlt dieses spezielle Enzym (Langketten-3-Hydroxyacyl-CoA-Dehydrogenase, LCHAD), reichern sich zu viele Fettsäuren im Körper an.
Wenn das ungeborene Kind einen vererbten Mangel an diesem Enzym hat, kann das bei Ihnen zu einer akuten Schwangerschaftsfettleber führen. Durch die Verbindung über den Mutterkuchen (Plazenta) wird Ihr Körper überschwemmt mit Fettsäuren. Die Fettsäuren lagern sich dann in der Leber ab und verursachen eine akute Schwangerschaftsfettleber. Diese abgelagerten Fette können Ärzt*innen z. B. im Ultraschall erkennen, weil die Leber dann heller aussieht als normalerweise.
Der vererbte Mangel an dem Enzym kommt bei 1 bis 2 von 10 Fällen einer akuten Schwangerschaftsfettleber vor.
Das Risiko für eine akute Schwangerschaftsfettleber ist erhöht, wenn diese Krankheit in einer früheren Schwangerschaft schon einmal bei Ihnen aufgetreten ist, oder wenn Sie an einer Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) leiden.
Es gibt keinen bekannten Zusammenhang zwischen einer akuten Schwangerschaftsfettleber und anderen Lebererkrankungen.
Häufigkeit
Die Krankheit ist selten. Die genaue Zahl der Menschen, die erkranken, ist schwierig zu benennen. Bei 9.000 bis 13.000 Geburten ist eine Schwangere an einer akuten Schwangerschaftsfettleber erkrankt.
Untersuchungen
Wenn Sie in der Arztpraxis sind, werden Ihnen zunächst viele Fragen zu Ihren Beschwerden gestellt. Auch wird Ihre Haut untersucht, um festzustellen, ob sich die Haut und die Augen gelb gefärbt haben. Weil Patientinnen mit einer akuten Schwangerschaftsfettleber oft auch hohen Blutdruck haben, wird der Blutdruck gemessen und im Urin der Gehalt an Eiweiß bestimmt. Ein zu hoher Anteil von Eiweißen im Urin (Proteinurie) kann ein Zeichen für eine Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) sein.
Es gibt eine Reihe von Kriterien (Swansea-Kriterien), die für eine akute Schwangerschaftsfettleber sprechen. Von diesen 15 Kriterien müssen 6 Kriterien erfüllt sein für den Verdacht auf eine akute Schwangerschaftsfettleber. Diese Kriterien umfassen Symptome und typische Veränderungen von Blutwerten und andere Untersuchungsbefunde.
Neben einer akuten Schwangerschaftsfettleber gibt es noch andere Krankheiten, die davon abgegrenzt werden müssen wie z. B. das HELLP-Syndrom, eine schwere Schwangerschaftsvergiftung (Eklampsie) oder ein gestörter Galleabfluss in der Schwangerschaft (intrahepatische Schwangerschaftscholestase).
Weil eine akute Schwangerschaftsfettleber lebensbedrohlich ist, ist es notwendig, dass Sie sofort in ein Krankenhaus mit einer Abteilung für Geburtshilfe und einer Intensivstation gebracht werden. Dort wird Ihnen dann Blut entnommen, um bestimmte Blutwerte (Leber- und Nierenwerte) zu überprüfen, und es wird ein Ultraschall und möglicherweise ein MRT (Kernspin) von der Leber durchgeführt.
Behandlung
Eine akute Schwangerschaftsfettleber ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Eine schnelle und intensive Behandlung kann lebensrettend sein für die Mutter und das Kind.
Bei einer akuten Schwangerschaftsfettleber ist eine möglichst schnelle Entbindung nötig. Wenn Sie nicht bereits unter der Geburt sind und die Geburt schnell voranschreitet, wird ein rascher Kaiserschnitt (Sectio caesarea) empfohlen. Das ungeborene Kind wird mithilfe von Ultraschall und Herztonmessgeräten (CTG) überwacht.
Auch nach der Entbindung müssen Sie intensivmedizinisch überwacht und die Beschwerden behandelt werden.
Autorin
- Lara Kolk, Dr. med., Ärztin in Weiterbildung Allgemeinmedizin, Bad Schwartau
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schwangerschaftsfettleber. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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- Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. S2k-Leitlinie Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen. AWMF-Leitlinie Nr. 021–025, Stand 2022. register.awmf.org
- Malik SM, Zhuang R, Chopra KB. Hepatic steatosis. BMJ Best Practice. Last reviewed: 16 Nov 2022, last updated: 27 Sep 2022. bestpractice.bmj.com
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