Hypophysenerkrankungen

Hypophysenerkrankungen

Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed. Mehr erfahren

Was sind Hypophysenerkrankungen?

Definition

Die Hypophyse ist eine hormonproduzierende Drüse im Gehirn, die ungefähr die Größe einer Haselnuss hat und aus einem Vorder- und Hinterlappen besteht. Sie wird auch als Hirnanhangdrüse bezeichnet und ist mit dem Hypothalamus durch einen dünnen Nervenstrang verbunden ist. Die Drüse bildet sechs verschiedene Hormone, die eine große Zahl z. T. lebenswichtiger Körperfunktionen regulieren, z. B. die Hormonproduktion von Schilddrüse und Nebennieren sowie die Funktion der inneren Geschlechtsorgane (Eierstöcke und Hoden) und damit das Wachstum und die Entwicklung des Körpers.

Die von der Hypophyse produzierten Hormone sind: Wachstumshormon (GH), thyreoideastimulierendes Hormon (TSH), adrenokortikotropes Hormon (ACTH), luteinisierendes Hormon (LH), follikelstimulierendes Hormon (FSH) und Prolaktin (PRL).

Der hintere Hypophysenlappen ist eine Ausstülpung des Zwischenhirns (Neurohypophyse) und produziert selbst keine Hormone, sondern dient als Speicher für die im Hypothalamus gebildeten Hormone antidiuretisches Hormon (ADH) und Oxytocin.

Die Hypophysenfunktion kann durch Tumore oder andere Erkrankungen beeinträchtigt werden. Die Folgen sind Hormonüberproduktion oder Hormonmangel sowie andere Ausfallerscheinungen durch lokalen Druck auf die die Hypophyse umgebenden Strukturen.

Adenome (gutartige Geschwulste) der Hirnanhangsdrüse können nach ihrer Größe eingeteilt werden in Mikroadenome (< 1 cm) und Makroadenome (> 1 cm). Klinisch werden sie eingeteilt in hormonaktive Adenome und hormoninaktive Adenome.

Symptome

Die Symptome und Ausprägungen von Hypophysenerkrankungen sind abhängig davon, welches Hormon betroffen ist, und ob es zu einer Hormonüberproduktion oder einem Hormonmangel kommt.

Symptome und klinische Zeichen einer Hormonüberproduktion

Prolaktinom (Prolaktin-produzierend)
Somatotropes (GH-produzierendes) Adenom: Akromegalie
  • Vergröberte Gesichtszüge, vorstehender Unterkiefer, Vergrößerung der Zunge, vergrößerte Hände und Füße
  • Übermäßiges Wachstum
  • Vergröberte Haut, übermäßiges Schwitzen
  • Gelenkschmerzen, Karpaltunnel-Syndrom, Kopfschmerzen
  • Bluthochdruck
  • Atemaussetzer während des Schlafs (Schlafapnoe)
Kortikotropes (ACTH-produzierendes) Adenom: M. Cushing
Thyreotropes (TSH-produzierendes) Adenom: Hyperthyreose
  • Erhöhter Puls, Herzstolpern
  • Nervosität, Zittern
  • Schwitzen, Wärmeintoleranz
  • Gewichtsabnahme trotz guten Appetits, gesteigerte Stuhlfrequenz
Gonadotropes (LH- oder FSH-produzierendes) Adenom
  • Bei der großen Mehrheit der LH- oder FSH-produzierenden Adenome kommt es nicht zu einer klinisch relevanten Hormonüberproduktion.
  • In seltenen Einzelfällen kann es bei Frauen zu einer Überstimulation der Eierstöcke oder Zwischenblutungen kommen, bei Männern zu vorzeitiger Pubertät (Pubertas praecox) oder einer Vergrößerung der Hoden.

Symptome und klinische Zeichen einer Hypophyseninsuffizienz

Hypophysenvorderlappen-Insuffizienz
  • Wachstumshormon (GH)
    • reduzierte Leistungsfähigkeit
    • stammbetonte Adipositas
    • Fettstoffwechselstörungen, Arterienverkalkung (Atherosklerose)
    • Kleinwuchs
  • Follikelstimulierendes Hormon (FSH) und luteinisierendes Hormon (LH)
  • Thyreoideastimulierendes Hormon (TSH)
    • Kälteintoleranz, Verstopfung, Gewichtszunahme, trockene Haut, reduzierter Puls
    • Myxödemkoma als endokrinologischer Notfall
  • Adrenokortikotropes Hormon (ACTH)
    • Schwäche, Müdigkeit, Blässe, Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen, Unterzuckerung
    • Addison-Krise als endokrinologischer Notfall
Hypophysenhinterlappen-Insuffizienz

Symptome und klinische Zeichen eines raumfordernden Adenoms

  • Sehstörungen: Gesichtsfelddefekte, Doppelbilder, Störungen der Sehschärfe
    • Eine klassische visuelle Beeinträchtigung ist die beidseitige Halbseitenblindheit durch Druck auf die Sehnervenkreuzung.
    • Seltener sind Störungen der Augenbewegung.
  • Kopfschmerzen
  • Hypophyseninsuffizienz
  • Akute Einblutung mit Größenzunahme (Apoplex) der Hirnanhangdrüse (Hypophyse)

Ursachen

Hormoninaktive Adenome

  • Die Beschwerden wie Sehstörungen, Kopfschmerzen und Hypophyseninsuffizienz werden durch den Druck auf Strukturen außerhalb oder innerhalb der Hypophyse ausgelöst.
  • Etwa 25 % der Hypophysenadenome sind jedoch asymptomatische, hormoninaktive Tumore, die zufällig bei aus anderen Gründen durchgeführten CT- oder MRT-Untersuchungen entdeckt werden (Inzidentalome).

Hypophyseninsuffizienz

  • Ursächlich sind erworbene oder angeborene Störungen der Hypophyse oder eine Schädigung des im Hirn übergeordneten Hypothalamus.
  • Die häufigste Ursache sind Raumforderungen durch hormoninaktive Hypophysenadenome mit Druck auf das normale Hypophysengewebe.
  • Andere Ursachen sind:
    • operative Eingriffe im Bereich der Hypophyse
    • Strahlentherapie
    • Verletzung, Blutung (Schädel-Hirn-Trauma)
    • Ischämie (Sauerstoffmangel durch verminderte Durchblutung)
    • andere Tumore, Metastasen
    • Entzündungen (Meningitis, Enzephalitis)
    • Autoimmunerkrankungen, z. B. Entzündung der Hirnanhangsdrüse (Hypophysitis)
  • Bei einer Hypophyseninsuffizienz kann ein teilweiser oder kompletter Ausfall einer oder mehrerer Hormonachsen des Hypophysenvorderlappens und/oder des Hypophysenhinterlappens auftreten.
Hypophysenvorderlappen-Insuffizienz (Hypopituitarismus)
  • Zu einem klinisch signifikanten Ausfall kommt es, wenn mindestens 80 % der Hypophyse zerstört sind.
  • Die Zellen des Hypophysenvorderlappens reagieren unterschiedlich empfindlich auf Druck.
    • Zunächst sind GH und LH/FSH betroffen, später TSH und ACTH.
    • Prolaktin ist in der Stillzeit wichtig für die Milchproduktion, ansonsten hat sein Ausfall keine bisher bekannte nachteilige Wirkung.
  • Häufig fallen mehrere Hormonsysteme teilweise oder komplett aus.
  • Bei isolierten Störungen sind Ausfälle von GH (meist ohne schwere klinische Symptomatik) und LH/FSH (hypogonadotroper Hypogonadismus) am häufigsten, seltener sind isolierte Ausfälle von TSH (sekundäre Hypothyreose) und ACTH (sekundäre Nebenniereninsuffizienz).
Hypophysenhinterlappen-Insuffizienz
  • Ein Diabetes insipidus durch verminderte Sekretion von ADH tritt insbesondere als Komplikation nach einer Hypophysen-Operation auf.
  • Außerhalb des operativen Kontexts ist ein Diabetes insipidus selten.

Untersuchungen

  • Eine Hypophysenerkrankung fällt entweder durch die entsprechenden Symptome bei Verdrängungseffekten innerhalb des Gehirns auf, durch Hormonstörungen oder durch Zufall bei bildgebenden Untersuchungen des Kopfes.
  • Im Falle von hormonellen Symptomen sind Blutuntersuchungen erforderlich, bei der die in der Hypophyse produzierten Hormone im Blut analysiert werden. Auch Störungen der Hormonproduktion in der Schilddrüse, den Nebennieren oder in den Eierstöcken/Hoden können anhand von Blutuntersuchungen nachgewiesen werden.
  • Bei bestimmten Hormonveränderungen sind weitere Tests wie ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT) erforderlich.
  • Bei Sehstörungen erfolgt eine augenärztliche Untersuchung.
  • Eine kontrastmittelverstärkte Magnetresonanztomografie (MRT) kann Tumoren ab einer Größe von 2 mm erfassen.
  • Eine Computertomografie (CT) ist zur Bestätigung größerer Tumoren geeignet.
  • Eine Röntgenaufnahme des Schädels kann indirekte Hinweise auf ein Hypophysenadenom geben.

Behandlung

  • Das Ziel der Therapie ist es, den Tumor zu entfernen, um die Sehschärfe, das Sichtfeld und den Hormonüberschuss zu normalisieren, sowie die Hypophysenfunktionen zu erhalten oder wiederherzustellen.
  • Notfälle (Myxödemkoma, Addison-Krise, Diabetes insipidus) werden sofort stationär und ggf. intensivmedizinisch behandelt.
  • Symptomlose, hormoninaktive Hypophysentumore können je nach Größe zuerst beobachtet werden („Wait and Scan”).
  • Es stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, wobei sich die Therapiestrategie nach klinischer Symptomatik, Hormonaktivität der Tumore und betroffenen Hormonachsen richtet.
    • Manchmal müssen die verschiedenen Optionen kombiniert oder hintereinander angewendet werden.

Operation

  • Abgesehen von Prolaktinomen ist bei fast allen hormonell aktiven Tumoren eine Operation erforderlich.
  • Die Operation ist in den meisten Fällen über einen minimalinvasiven Zugang durch die Nasennebenhöhlen/Stirnhöhlen möglich. 
  • Bei durch Zufall entdeckten Hypophysenadenomen (Inzidentalom) kann ein abwartendes Verhalten gerechtfertigt sein.

Strahlentherapie

  • Wenn trotz Operation oder medikamentöser Behandlung ein Resttumor oder Hormonüberschuss verbleibt, kann eine Strahlentherapie erfolgen.
  • Auch bei Rückfällen von großen hormoninaktiven Adenomen mit Druck auf die benachbarten Strukturen kann eine Strahlentherapie eingesetzt werden.

Medikamentöse Behandlung

  • Prolaktinome sind die einzigen Adenome, bei denen Medikamente eingesetzt werden.
  • Diese hemmen die Ausschüttung von Prolaktin, wodurch in ca. 80 % der Fälle der Tumor schrumpft.
  • Wenn die medikamentöse Behandlung nicht zum Erfolg führt oder nicht vertragen wird, ist eine Operation notwendig.
  • Auch bei Akromegalie und Cushing-Syndrom ist eine Behandlung mit Medikamenten möglich, wenn eine Operation nicht durchführbar oder erfolgreich ist.
  • Eine Hypophysenhinterlappen-Insuffizienz äußert sich als Diabetes insipidus und kann ebenfalls medikamentös behandelt werden.
Logo von Deximed

Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed.
Lesen Sie hier den vollständigen Originalartikel.

Die Inhalte auf team-praxis.de stellen keine Empfehlung bzw. Bewerbung der beschriebenen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Sie ersetzen nicht die fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Apotheker*in und dürfen nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Lesen Sie dazu mehr in unseren Haftungshinweisen.

In unserer Gesundheitsdatenbank suchen

Inhaltsverzeichnis anzeigen

Wissenswertes aus den hausärztlichen Praxen

Stopp
Gesundheit
Wissen, wann genug ist

Über Suchterkrankungen sprechen die meisten Menschen nicht gern.


Zum Beitrag
Heuschnupfen
Gesundheit
Juckende Augen und triefende Nasen: Hilfe bei Heuschnupfen

Leichte Symptome lassen sich oft durch einfache Maßnahmen lindern.


Zum Beitrag
Frau mit Hitzewallung
Gesundheit
Sind das die Wechseljahre?

Warum die Wechseljahre auch in der hausärztlichen Praxis Thema sind


Zum Beitrag

Kontaktieren Sie uns

Haben Sie Fragen zu den hausärztlichen Praxen?fragen@team-praxis.de

Zum Kontaktformular

Haben Sie Fragen zum Hausarztprogramm?hausarztprogramm@team-praxis.de

Zum Kontaktformular

Möchten Sie eine detaillierte Beratung zum Programm?Dann rufen Sie uns an.

Jetzt anrufen
TeamPraxisHausärtzinnen- und Hausärzteverband

TeamPraxis ist das Portal der hausärztlichen Praxen in Deutschland. Denn Gesundheit ist Teamsache.

Sie sind Ärzt*in und haben Interesse am Hausarztprogramm?
Informieren Sie sich unter www.hzv.de.