Hallux valgus (Fehlstellung der Großzehe)
Hallux valgus (Fehlstellung der Großzehe)
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Was ist ein Hallux valgus?
Definition
Der Hallux valgus ist eine Fehlstellung der Großzehe. Der Mittelfußknochen der Großzehe weicht zum anderen Fuß hin ab, während die Großzehe zur zweiten Zehe hin abweicht. Außerdem kann die Großzehe in sich gedreht sein. Durch die Fehlstellung steht das Mittelfußköpfchen der Großzehe hervor: Es wirkt, als wäre der Knochen an dieser Stelle verdickt, obwohl das meist nicht der Fall ist. Diese Erscheinung wird Pseudoexostose genannt. Einige Patient*innen haben eine Weichteilschwellung im Bereich des Mittelfußköpfchens.
Der Hallux-valgus-Winkel (HV-Winkel) gibt an, wie groß der Winkel im Grundgelenk der Großzehe ist. Außerdem lässt sich der Winkel zwischen den Mittelfußknochen der Großzehe und der zweiten Zehe angeben (IM-Winkel I/II). Mit diesen Winkeln wird der Schweregrad der Erkrankung bestimmt.
- HV-Winkel
- mild: 11–15 Grad
- moderat: 16–20 Grad
- schwer: > 20 Grad
- IM-Winkel I/II
- mild: 21–30 Grad
- moderat: 31–40 Grad
- schwer: > 40 Grad
Symptome
Der Hallux valgus ist durch seine typische Fehlstellung leicht erkennbar. Oft schmerzt die Großzehe und reagiert empfindlich auf Druck. Dies betrifft vor allem die Seite der Großzehe, die zum anderen Fuß zeigt. Das Laufen und das Tragen enger Schuhe tut meist besonders weh. Wenn die Großzehe die Kleinzehen verdrängt, können auch diese zu schmerzen beginnen.
Ursachen
Bei einer Valgusstellung ist ein Gelenk nach innen (nach medial) angewinkelt. Das bedeutet im Falle der Großzehe, dass ihr Grundgelenk zum anderen Fuß zeigt. Die Zehenspitze zeigt dann zur zweiten Zehe des betroffenen Fußes (nach lateral) und kann sie sogar überkreuzen.
Das Großzehengrundgelenk befindet sich normalerweise in einer leichten Valgusstellung (höchstens ungefähr 15–20 Grad). Einige Muskeln und Bänder stabilisieren das Gelenk. Sie üben Zug auf das Gelenk aus, doch ihre Kräfte sind normalerweise im Gleichgewicht. Dieses Gleichgewicht wird z. B. durch enge, hochhackige Schuhe gestört. Dann kann die Valgusstellung zunehmen. Eine stärkere Valgusstellung stört aber selbst die Balance der Zugkräfte: Der Winkel wird noch größer. Nun verstärkt die Fehlstellung das Ungleichgewicht der Kräfte und umgekehrt.
Die Fehlstellung führt zu erhöhtem Druck, beispielsweise beim Schuhetragen. Dann kann der Schleimbeutel (Bursa), der am Mittelfußköpfchen anliegt, chronisch gereizt werden. Wenn sich die Großzehe verschiebt, können außerdem die anderen Zehen überdehnt bzw. verformt werden; sie werden zu Hammerzehen oder Krallenzehen.
Es gibt verschiedene Ursachen, die zu einem Hallux valgus führen können:
- Instabilität, meist durch übermäßiges Abknicken des Fußes nach innen, sodass sich der äußere Fußrand hebt und der innere Fußrand senkt (Hyperpronation).
- Gewalteinwirkung durch einen Unfall (posttraumatisch)
- Bindegewebserkrankungen, z. B. Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom, Hypermobilitätssyndrom
- Neuromuskuläre Erkrankungen, wie infantile Zerebralparese und Multiple Sklerose
- Rheumatoide Arthritis (Rheuma)
Einige Dinge erhöhen die Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich ein Hallux valgus entwickelt:
- Weibliches Geschlecht
- Höheres Alter
- Tragen von High Heels im Erwachsenenalter ab 20 Jahren
- Gicht
- Plattfuß
- Hohe Belastung des Vorfußes durch Achillessehnen-/Wadenmuskelverkürzung
- Familiäre Belastung
Häufigkeit
Der Hallux valgus ist die häufigste Fehlstellung des Vorfußes. In Europa sind etwa 18 % der Bevölkerung betroffen. Am häufigsten erkranken Personen im Alter ab 60 Jahren. Frauen sind ungefähr doppelt so oft betroffen wie Männer.
Untersuchungen
Zur Untersuchung werden Sie gebeten, Ihre Schuhe und Socken auszuziehen. Anhand der charakteristischen Fehlstellung, bei der die Großzehe die zweite Zehe überkreuzen kann, ist bereits eine Diagnose möglich. Es wird geprüft, wie beweglich die Gelenke im Fuß sind. Auch das Gangbild kann beurteilt werden.
Zur Bestimmung des Schweregrades ist eine Röntgenuntersuchung notwendig. In einer Facharztpraxis für Radiologie werden deshalb mehrere Röntgenbilder erstellt; das geschieht in der Regel im Stehen. Anhand der Bilder lassen sich die Winkel zwischen den verschiedenen Knochen im Vorfuß bestimmen (HV-Winkel und IM-Winkel I/II).
In manchen Fällen werden weitere Ganganalysen durchgeführt. Beispielsweise kann man messen, wie groß der Druck auf die Fußsohlen ist, wie sich der Druck verteilt, und wie sich der Druck beim Auftreten und Abrollen verändert (Podografie, Pedobarografie). Dazu laufen bzw. stehen Sie in der Regel auf Druckmessplatten.
Wenn nötig, erhalten Sie eine Überweisung an Spezialist*innen für Orthopädie bzw. Fußchirurgie. Dies sollte beispielsweise geschehen, wenn sie bisher konservativ (ohne Operation) behandelt wurden und weiterhin unter Schmerzen leiden.
Behandlung
Konservative Behandlung
Die konservative Behandlung soll Schmerzen lindern und eine Funktionsverbesserung ermöglichen. Ein Hallux valgus lässt sich konservativ meist nicht korrigieren – die Fehlstellung bleibt normalerweise bestehen. Dennoch gibt es einige mögliche Maßnahmen:
- Flache Schuhe mit weichem Oberleder und einer großen Zehenbox
- Schwimmen und andere geeignete Sportarten
- Medikamente
- Zum Auftragen auf die Haut werden nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) empfohlen.
- Tabletten zum Einnehmen werden nur zur vorübergehenden Behandlung empfohlen (z. B. Ibuprofen, Etoricoxib).
- Krankengymnastik, manuelle Therapie
- Orthopädietechnik
- Zehenspreizer (mittelfristig können aber die Kleinzehen verdrängt werden)
- Zehenpolster
- Einlagen bei Schmerzen im Mittelfuß (Metatarsalgie)
- Ballenrolle bei schmerzhafter Arthrose des Großzehengrundgelenks
- Orthesen (von außen angelegte Hilfsmittel) zur Korrektur von Fehlstellungen
Operation
Wenn Sie unter anhaltenden Schmerzen leiden und die konservative Behandlung nicht ausreicht, sollten Sie operiert werden. Gleiches gilt für symptomatische Hammerzehen und Krallenzehen, die durch den Hallux valgus verursacht werden.
Es gibt verschiedene Operationsverfahren. Im Wesentlichen gibt es drei Ansätze:
- Gelenkerhaltende Operation: Dabei wird die Pseudoexostose abgetragen.
- Korrekturosteotomie (Umstellungsosteotomie): Hier wird der Knochen durchtrennt und in einer anderen Position wieder zusammengefügt.
- Es können Knochenstücke und Sehnen versetzt werden (Resektions-Interpositions-Arthroplastik). Außerdem ist eine operative Versteifung möglich (Arthrodese).
Untersuchungen haben gezeigt, dass etwa 85 % der Patient*innen mit dem Operationsergebnis zufrieden sind. 10 % der Patient*innen waren weniger zufrieden. In 5 % der Fälle wurde das Ergebnis als schlecht bewertet. Diese Untersuchungen haben die Zufriedenheit bis zu 5 Jahre nach dem Eingriff erhoben.
Wenn Sie keine oder leichte Beschwerden haben, dann sollte eher nicht operiert werden: Die Risiken überwiegen wahrscheinlich den Nutzen. Es gibt einige weitere Gegenanzeigen. Dazu zählt eine ausgeprägte arterielle Verschlusskrankheit, aber auch Erkrankungen mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen des Herz-Kreislauf-Systems oder der Lunge.
Maßnahmen nach der Operation
Nach der Operation ist eine Nachbehandlung notwendig. Sie dauert normalerweise einige Wochen.
- Mobilisation im Verbandsschuh oder Vorfußentlastungsschuh für etwa 6 Wochen, zusätzlich Prophylaxe gegen Thrombosen
- Abschwellende Maßnahmen: konsequente Schonung, Hochlagerung, Medikamente (NSAR), Kryotherapie, Lymphdrainage
- Bewegung des Großzehengrundgelenks aus eigener Kraft (aktiv) oder durch eine Hilfsperson (passiv)
- Tragen einer Orthese oder eines Tapeverbands über 8–10 Wochen, um zu verhindern, dass der Hallux valgus zurückkehrt (Rezidivprophylaxe).
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