Plattfuß (Knick-Senk-Fuß)

Plattfuß (Knick-Senk-Fuß)

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Was ist ein Plattfuß (Knick-Senk-Fuß)?

Definition

Ein Plattfuß (Knick-Senk-Fuß, Knick-Platt-Fuß oder auch Pes planus genannt) ist eine angeborene oder im Lauf des Lebens erworbene Fußfehlstellung.

Beim Senkfuß ist die natürliche Längswölbung des Fußes abgeflacht, beim Plattfuß ist die Fußwölbung so stark abgeflacht, dass die gesamte Fußsohle im Stehen Kontakt mit dem Boden hat.

Zwei Formen der Fußfehlstellung werden unterschieden:

  • Der flexible Plattfuß tritt bei Belastung auf und bildet sich bei Entlastung wieder zurück.
  • Beim starren Plattfuß bleibt das Fußgewölbe auch ohne Belastung flach auf dem Boden.

Bei Kleinkindern (bis 6 Jahre) tritt der flexible Plattfuß häufig auf und bildet sich in aller Regel von allein zurück.

Tritt ein Plattfuß im Erwachsenenalter auf, ist das meist Folge einer neurologischen oder verschleißbedingten Erkrankung, etwa wenn die Tibialis-posterior-Sehne (wichtiger Stabilisator der Innenseite des Fußes) geschädigt ist.

Symptome

Plattfüße bei Kindern verursachen nur selten Beschwerden. Es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass ein flexibler Plattfuß Einfluss auf die sportliche Leistung oder die motorischen Fähigkeiten hat.

Bei Erwachsenen mit Plattfüßen können nach langem Gehen oder Stehen Schmerzen auftreten. Auch können sich Drucksstellen an den Füßen bilden, die auf eine Fehlbelastung hinweisen. Hinken und schnellere Ermüdbarkeit sind ebenso möglich.

Starre Plattfüße können übermäßige Belastungen verursachen, mit Folge von z. B.:

  • Rückenschmerzen
  • Hallux valgus
  • Hammerzehen
  • Schmerzen zwischen Kniegelenk und Kniescheibe (patellofemorales Schmerzsyndrom)

Ursachen

Bei Kindern

Ein flexibler Knick-Senk-Fuß im Kindesalter ohne zusätzliche Erkrankungen (z. B. Trisomie 21, infantile Zerebralparese) ist kein Grund zur Sorge. Er tritt bei 97 % der Kleinkinder auf und bildet sich von allein wieder zurück.

Ein starrer Knick-Senk-Fuß kann sich aufgrund einer knöchernen Fehlbildung oder durch eine neurologische Erkrankung (z. B. Schädigung des zentralen Nervensystems) entwickeln.

Bei Erwachsenen

Ein Charcot-Fuß aufgrund von Diabetes oder einer neurologischen Erkrankung kann die Ursache sein. Ebenso können Verletzungen oder Verschleißerscheinungen der Fußknochen sowie Rheuma zur Fußfehlstellung führen.

Eine Schädigung der Tibialis-posterior-Sehne (verbindet den hinteren Schienbeinmuskel mit dem Fuß) ist eine häufige Ursache für den erworbenen Plattfuß. Auch eine kurze Achillessehne erhöht die Belastung des Mittelfußes, sodass sich die Fußwölbung abflacht.

Risikofaktoren

Häufigkeit

Bei Kindern

Der flexible Knick-Senk-Fuß tritt bei 97 % aller 19 Monate alten Kinder auf und ist bis zu einem Alter von ca. 6 Jahren kein Grund zur Sorge.

Bis zum Alter von 10 Jahren bildet sich die Fußlängswölbung zunehmend aus, und nur bei einem kleinen Anteil der 10-jährigen Kinder (4 %) bleibt die Fußfehlstellung bestehen.

Bei Erwachsenen

Mit zunehmendem Alter tritt häufiger ein erworbener Plattfuß auf. Besonders betroffen sind Frauen über 40 Jahre (ca. 10 %).

Untersuchungen

Bei der ärztlichen Untersuchung wird nach Beschwerden und Einschränkungen durch die Fußfehlstellung gefragt. Außerdem werden die Schuhe beurteilt: Druckstellen beim Tragen weisen auf Fehlbelastungen hin.

Wesentlich bei Kindern ist die Unterscheidung zwischen der flexiblen und der starren Form von Knick-Senk-Fuß. Bei der kinderärztlichen Untersuchung wird nach Fußfehlstellungen in der Familie, nach der Gewichts- und Größenentwicklung des Kindes, nach den „Meilensteinen der Entwicklung“ (insbesondere Laufenlernen), nach Begleiterkrankungen und den sportlichen Aktivitäten gefragt. Das Gangbild wird beobachtet und Kraft und Koordination beurteilt.

Unter Umständen schließen sich (kinder-)orthopädische Untersuchungen und spezielle Tests an. Bildgebende Verfahren (z. B. Röntgen und MRT) sind nur in besonderen Fällen angezeigt.

Behandlung

In den meisten Fällen ist keine Therapie nötig.

Bei Kindern unter 6 Jahren ohne zusätzliche Erkrankungen oder Fehlbildungen und einem flexiblen schmerzlosen Knick-Senk-Fuß ist keine Behandlung erforderlich. Bei Erwachsenen werden Plattfüße nur behandelt, wenn sie Beschwerden verursachen.

Allgemeine Maßnahmen bei Kindern

Kinder unter 6 Jahren mit Knick-Senk-Fuß sollten weiche Schuhe mit ausreichender Längenzugabe und genügender Weite zum Schutz tragen, sobald sie sicher laufen.

Unterstützen Sie den natürlichen Bewegungsdrang Ihres Kindes ebenso wie Barfußlaufen auf wechselnden Untergründen, Rennen und Klettern.

Nicht förderlich sind Lauflern-Hilfen und vorzeitiges passives Hinstellen vor Beginn des freien Gehens.

Einlagen/Fußorthesen

Einlagen sollten z. B. bei einem schmerzhaften Knick-Senk-Fuß oder bei instabilen Fußgelenken getragen werden.

Fußorthesen, die nachts getragen werden, können in speziellen Fällen zur Unterstützung sinnvoll sein.

Physiotherapie

Eine physiotherapeutische Behandlung ist angezeigt bei:

  • unzureichender Aufrichtung des Fußgewölbes
  • Bewegungseinschränkungen in den Sprung- und Fußgelenken
  • Fehlstellung der Beinachsen
  • Belastungsschmerzen im Fuß

Eine Physiotherapie kommt erst ab dem Schulkindalter infrage, Ausnahmen bilden rheumatische Erkrankungen.

Operation

In seltenen und schweren Fällen kann eine Operation nötig sein. Die Operationstechnik hängt von den operierten Strukturen (u. a. Muskeln, Bänder, Knochen und Sehnen) ab.

Autorin

  • Ulrike Boos, Redakteurin von Deximed, Freiburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Knick-Senk-Fuß (Plattfuß). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e. V. (DGOOC). Kindlicher Knick-Senkfuß. AWMF-Leitlinie Nr. 187-053. S2k. Stand 2022. www.awmf.org
  2. Kohls-Gatzoulis J, Angel JC, Singh D, Haddad F, Livingstone J, Berry G. Tibialis posterior dysfunction: a common and treatable cause of adult acquired flatfoot. BMJ 2004; 329: 1328-33. www.ncbi.nlm.nih.gov
  3. Poll LW, Chantelau E. Charcot-Fuss: Auf die frühe Diagnose kommt es an. Deutsches Ärtzeblatt 2010; 107(7): A-272. www.aerzteblatt.de
  4. Tudor A, Ruzik L, Sestan B, Sirola L, Prpic T. Flat-footednesss is not a disadvantage for athletic performance in children aged 11 to 15 years. Pediatrics 2009; 123: 386-92. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
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