Atembeschwerden bei Krebserkrankung
Atembeschwerden bei Krebserkrankung
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Palliativmedizin und Atembeschwerden
Palliativmedizin ist die aktive Behandlung, Pflege und Betreuung von unheilbar erkrankten Patient*innen mit reduzierter Lebenserwartung mit dem Ziel einer bestmöglichen Lebensqualität. Dies gilt vor allem für an Krebs erkrankte Patient*innen, aber auch in anderen Fällen wie beispielsweise bei Vorliegen einer neurodegenerativen Erkrankung sowie schweren Herz- und Lungenkrankheiten.
Atemnot (Dyspnoe) ist eine subjektive Empfindung von Atembeschwerden und -unbehagen, die in ihrer Ausprägung schwanken können. Andere Begriffe für „Atemnot” sind Luftnot, erschwertes Atmen oder Kurzatmigkeit. Atemnot kann in zwei Hauptkategorien unterteilt werden: kontinuierliche Atemnot und Atemnotattacken.
Mehr als die Hälfte aller Krebspatient*innen, die in Palliativ- und Hospizeinrichtungen stationär behandelt werden, leidet an Atembeschwerden. Am häufigsten kommt es bei (Lungen-)Krebs sowie anderen Lungen- oder Herzerkrankungen zu derartigen Symptomen.
Ursachen
Atembeschwerden können verschiedene Ursachen haben. Sie können in direktem Zusammenhang mit der Krebserkrankung stehen und beispielsweise durch blockierendes Tumorgewebe in den Atemwegen oder der Brustwand hervorgerufen werden. Auch Flüssigkeitsansammlungen im Pleuraspalt (Pleuraerguss), im Herzbeutel (Perikarderguss) oder in der Bauchhöhle (Aszites) sowie ein angeschwollener Hals infolge einer oberen Einflussstauung (OES, Vena-cava-superior-Syndrom) können auf den Tumor zurückgehen und Atemnot verursachen. Der Nerv des Zwerchfellmuskels kann sowohl durch das Karzinom selbst als auch durch die Therapie geschädigt werden. Andere behandlungsbedingte Ursachen für Atembeschwerden in einer Palliativsituation sind Strahlenpneumonitis (Lungenentzündung), Lungenfibrose oder Pneumothorax.
Darüber hinaus können Blutarmut (Anämie), Lungenentzündung (Pneumonie), Angst (Hyperventilation, Panikattacken), Herzversagen, neuromuskuläre Erkrankungen (z. B. amyotrophe Lateralsklerose) und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) Atembeschwerden hervorrufen.
Untersuchungen
- Welche diagnostischen Maßnahmen in der Palliativsituation durchgeführt werden, sollte sich an den praktischen Konsequenzen und dem Nutzen für die Patient*innen sowie an deren Wunsch orientieren.
- Benötigt werden Informationen über die Intensität und den Charakter der Atembeschwerden, eventuelle Veränderungen im Laufe des Tages und bei Anstrengung sowie darüber, ob weitere Symptome wie Husten oder Schmerzen vorhanden sind. Auch mögliche frühere Herz- oder Lungenerkrankungen, auslösende Faktoren oder Auswirkungen auf den Schlaf werden erfasst.
- Neben einer körperlichen Untersuchung insbesondere von Lunge, Herz und Atemwegen werden Blutwerte, Herz- und Atemfrequenz, Blutdruck und die Sauerstoffsättigung im Blut bestimmt.
- Oftmals wird überdies ein Lungenröntgen oder eine Computertomografie des Brustkorbs (CT-Thorax) angeordnet.
- Andere ggf. relevante Untersuchungen sind die Spirometrie (Lungenfunktionstest), lungenmedizinische Untersuchung mit Bronchoskopie, arterielle Blutgasanalyse und Elektrokardiografie (EKG).
- In der Sterbephase eines Menschen, der seine Atembeschwerden nicht mehr selbst einschätzen und sich nicht mehr dazu äußern kann, sollten Angehörige und Personal auf körperliche Zeichen achten: Schwitzen, Blaufärbung der Lippen, schnelle und flache Atemzüge, mimische Ausdrucksformen von Unwohlsein und Anstrengung.
Behandlung
- Die Palliativtherapie zielt auf die Linderung, Beschränkung und Vorbeugung von Atembeschwerden ab. Wünschenswert ist die Behebung der zugrunde liegenden Ursachen; oftmals ist jedoch lediglich eine Linderung der Symptome möglich.
- Falls eine Hormon-, Chemo- oder Strahlentherapie zur Reduktion der Tumorgröße grundsätzlich möglich ist, sollte eine entsprechende Behandlung frühzeitig erwogen werden.
- Auch das Legen eines Stents bei einer Blockade der Luftröhre oder Bronchien sowie Laserbehandlungen können für einige Patient*innen infrage kommen.
- Bei vorhandenem Pleuraerguss kann das Absaugen der Flüssigkeit aus der Pleurahöhle (Pleurapunktion) gewisse Erleichterung verschaffen.
- Morphin
- Morphin oder andere starke Opioide gelten als Mittel der ersten Wahl, wenn es um die Behandlung schwerer Atemnot ohne zugrunde liegenden Verschluss der Atemwege geht.
- Patient*innen, die zuvor noch kein Morphin erhalten haben, werden oft mit einer Anfangsdosis von 6 x tgl. 2,5–5 mg in Tablettenform behandelt; ältere Menschen und Patient*innen mit mildem bis moderatem Nierenversagen sollten beispielsweise eine niedrigere Dosis erhalten.
- Wird Morphin bereits eingesetzt, kann die tägliche Dosis um 25 % erhöht werden.
- Benzodiazepine
- Auch Benzodiazepine wirken angstlösend und beruhigend. Sie gelten als Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von Angstzuständen infolge einer Atemnot, die nicht auf Opioide anspricht.
- Die Verabreichung erfolgt z. B. bei Lorazepam in Tablettenform (0,5–1,0 mg alle 6–8 Stunden).
- Spritzen und Infusionen
- Im Endstadium der Erkrankung kann die Behandlung intravenös mit einer mittels Schmerzpumpe verabreichten Mischung aus Morphin und Midazolam erfolgen.
- Die Dosis wird an den jeweiligen Bedarf angepasst und soll keine tiefe Betäubung bewirken, sondern die Symptome lindern.
- Lagerungsmethoden
- Bei Rasselatmung sollte keine künstliche Flüssigkeitszufuhr erfolgen und eine geeignete Lagerungsmethode zur Sekretmobilisation und -ablauf eingesetzt werden.
- Kortikosteroide
- Kortikosteroide (z. B. 4–8 mg Dexamethason) können bronchiale Ödeme und somit Atemwegsblockaden lindern.
- Schleimlösende Medikamente
- Bei Schleimbeschwerden können verschiedenen schleimlösende Medikamente oder Salzwasserinhalationen kombiniert mit Physiotherapie eingesetzt werden.
- Sauerstofftherapie
- Eine Sauerstofftherapie ist nur bei geringer Sauerstoffsättigung (partieller Sauerstoffdruck unter 55 mmHg) des Blutes (Hypoxie) in Ruhe oder bei Belastung angezeigt.
- Von kühler, frischer Luft im Gesicht können auch Patient*innen profitieren, bei denen eine Sauerstofftherapie nicht hilft.
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