Amnesie (Gedächtnisverlust)

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Was ist eine Amnesie?

Eine Amnesie ist eine plötzlich auftretende Gedächtnisstörung, die mit dem Verlust neuer oder weiter zurückliegender Erinnerungen und einer Störung des Lernens einhergeht. Andere Fähigkeiten, wie z. B. die Sprache, bleiben hingegen komplett erhalten.

Man unterscheidet bei der Amnesie die retrograde und anterograde Amnesie. Die retrograde Amnesie betrifft das Gedächtnis für Erinnerungen vor dem auslösenden Ereignis, während die anterograde Amnesie das Gedächtnis für neue Inhalte betrifft. Sind sowohl alte als auch neue Gedächtnisinhalte betroffen, spricht man von einer globalen Amnesie. Bei einer akuten Gehirnschädigung (z. B. Schädel-Hirn-Trauma) sind häufig vor allem Gedächtnisinhalte betroffen, die kurz vor dem schädigenden Ereignis liegen.

Auch nach traumatischen oder belastenden Ereignissen kann eine Amnesie auftreten. Dies bezeichnet man als dissoziative Amnesie.

Transiente globale Amnesie

Die transiente globale Amnesie ist ein Krankheitsbild, bei dem Betroffene unter einer vorübergehenden anterograden und manchmal auch retrograden Amnesie leiden. Vor allem das Kurzzeitgedächtnis ist stark beeinträchtigt. Meist tritt zusätzlich eine Orientierungsstörung oder Verwirrtheit auf, erstaunlicherweise stellen aber komplexe Handlungen, wie z. B. Autofahren, in den meisten Fällen kein Problem dar. Diese Form der Amnesie hält laut Definition höchstens 24 Stunden an, wonach die Betroffenen meist eine Erinnerungslücke für diese Episode zurückbehalten. Die genaue Ursache ist unklar. Bei 12–27 % der Betroffenen können wiederholte Episoden auftreten.

Was kann die Ursache sein?

Eine Amnesie kann viele verschiedene Ursachen haben. So kann es nach Unfällen mit Kopfverletzungen, beispielsweise bei einem Schädel-Hirn-Trauma oder einer Gehirnerschütterung, zu einer Gedächtnisstörung kommen. Auch eine Epilepsie, eine Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) oder des Gehirns (Enzephalitis), eine Hirnblutung oder ein Schlaganfall können einer Amnesie zugrunde liegen. Stoffwechselentgleisungen wie z. B. Unterzuckerung bei einem insulinpflichtigen Diabetes können ebenfalls zu Erinnerungslücken führen. Auch einige psychische Erkrankungen können mit Amnesien einhergehen. Traumatische Erlebnisse und Stresszustände können eine Amnesie auslösen.

Als weitere mögliche Ursache sollten Vergiftungen in Betracht gezogen werden. Neben Medikamenten und Drogen kann auch Alkohol für eine Amnesie verantwortlich sein. Dies betrifft vor allem den langjährigen Alkoholmissbrauch, der zu einem sog. Wernicke-Korsakow-Syndrom führen kann. 

Eine weitere mögliche Ursache für Gedächtnisstörungen ist die Demenz. Diese nimmt jedoch meist schleichend zu und betrifft häufig auch andere Fähigkeiten, die für den Alltag von Bedeutung sind.

Wann sollten Sie ärztlichen Rat suchen?

  • Ein plötzlicher Gedächtnisverlust ist meist die Folge einer Verletzung oder schweren Erkrankung des Gehirns und erfordert sofortige ärztliche Hilfe.
  • Wenn bei Betroffenen eine Epilepsie mit Gedächtnisstörungen bekannt ist oder die Person offensichtlich alkoholisiert ist, handelt es sich nicht um einen derart dringlichen Notfall.

Untersuchungen

  • Wichtig ist hierbei zunächst das Gespräch mit den Betroffenen und insbesondere Augenzeugen und Angehörigen, um möglichst viele Informationen über das auslösende Ereignis und das Ausmaß des Gedächtnisverlustes zu erhalten.
  • Die betroffene Person wird sorgfältig untersucht, auch um andere eventuelle Verletzungsfolgen zu erkennen. Besonders wichtig ist auch eine neurologische Untersuchung.
  • Zudem wird Blut abgenommen und im Labor untersucht.
  • Abhängig von der vermuteten Ursache sollte eine bildgebende Untersuchung des Kopfes, beispielsweise eine Computertomografie, erfolgen. Zusätzlich können weitere Untersuchungen sinnvoll sein.
  • Wenn eine Epilepsie als Ursache in Betracht gezogen wird, ist eine Hirnstrommessung mittels EEG sinnvoll. 
  • Für die Diagnose einer Demenz mit zunehmendem Gedächtnisverlust gibt es standardisierte Tests, die Ärzt*innen mit Patient*innen durchführen können.

Behandlung

  • Die Therapie der Amnesie unterscheidet sich abhängig von der zugrunde liegenden Ursache entscheidend.
  • Bei Unfällen mit Schädel-Hirn-Trauma können operative Schritte und eine Überwachung auf Intensivstation notwendig sein.
  • Eine transiente globale Amnesie bedarf keiner Therapie und bildet sich nach kurzer Zeit zurück.
  • Eine langsam voranschreitende Gedächtnisstörung ist kein Notfall, sollte aber im Verlauf sorgfältig neurologisch abgeklärt werden.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Amnesie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. S2e-Leitlinie Diagnostik und Therapie von Gedächtnisstörungen bei neurologischen Erkrankungen. AWMF-Leitlinie Nr. 030-124, Stand 2020. register.awmf.org
  2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Diagnostik und Therapie von Aufmerksamkeitsstörungen bei neurologischen Erkrankungen. AWMF-Leitlinie Nr. 030-135, S2e, Stand 2012 (abgelaufen). dgn.org
  3. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2023, Stand 16.09.2022. www.dimdi.de
  4. Hacke W (Hrsg.): Neurologie. Berlin, Heidelberg: Springer, 2016.
  5. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. S1-Leitlinie Transiente globale Amnesie. AWMF-Leitlinie Nr. 030-083, Stand 2022. register.awmf.org
  6. Tampi R. Assessment of memory deficit. BMJ Best Practice; last reviewed: 11 Aug 2023, last updated: 02 Jun 2023. bestpractice.bmj.com
  7. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. S2e-Leitlinie Diagnostik und Therapie von exekutiven Dysfunktionen bei neurologischen Erkrankungen. AWMF-Leitlinie Nr. 030-125, Stand 2019. register.awmf.org
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