Hypoglykämie (Unterzuckerung)
Hypoglykämie (Unterzuckerung)
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed. Mehr erfahren
Was ist eine Hypoglykämie?
Definition
Um Zellen und Organe mit ausreichend Energie zu versorgen, benötigt der menschliche Körper Zucker in Form von Glukose. Insbesondere das Gehirn, die roten Blutkörperchen und die Nieren sind auf den wichtigen Energielieferanten angewiesen. Glukose wird primär über die Nahrung aufgenommen, kann vom Körper aber auch selbst gebildet werden. Um die vorhandene Glukose allen Zellen des Körpers verfügbar zu machen, wird sie über das Blut transportiert. Der Anteil an Glukose im Blut wird als Blutzucker bezeichnet und ist durch die Hormone Glukagon und Insulin streng reguliert. Während Insulin den Blutzuckerspiegel senkt, kann Glukagon ihn wieder erhöhen. Ist dieses Gleichgewicht gestört, kann es zu gefährlichen Entgleisungen des Blutzuckerspiegels kommen.
Bei einer Hypoglykämie fällt der Blutzuckerspiegel unter den normalen Wert ab, es kommt zu einer Unterzuckerung, die sich durch charakteristische Symptome äußert. Eine milde Hypoglykämie, die Betroffene selbst behandeln können, kann von einer schweren Hypoglykämie, bei der Patient*innen auf fremde Hilfe angewiesen sind, unterschieden werden. Eine schwere Hypoglykämie ist ein Notfall!
Die Hypoglykämie darf nicht mit der Hyperglykämie verwechselt werden, bei der es zu einem unkontrollierten Anstieg des Blutzuckerspiegels kommt.
Symptome
Ist der Blutzuckerspiegel erniedrigt, steht glukoseabhängigen Zellen nicht mehr genügend Energie zur Verfügung, und der Körper leitet eine akute Stressreaktion ein. Dabei wird das Stresshormon Adrenalin ausgeschüttet, das die für eine Hypoglykämie typischen Symptome verursacht. Dazu gehören Schwitzen, Hitzegefühl, Zittern, Heißhunger, Herzklopfen und Übelkeit.
Auch das Gehirn reagiert auf den plötzlichen Nährstoffmangel. Es kann u. a. zu Verwirrtheit, Wortfindungsstörungen, Reizbarkeit, Ängstlichkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Koordinationsschwierigkeiten, Sehstörungen, Krämpfen und Schläfrigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen.
Ursachen
Diabetes mellitus
Die häufigste Ursache von Hypoglykämien stellt eine Diabetes-Erkrankung dar, bei der die körpereigene Blutzuckerregulation gestört ist. Es kommt zu stark erhöhten Blutzuckerwerten, die mit geeigneten Medikamenten therapiert werden müssen. Da diese Medikamente insbesondere darauf abzielen, den Glukosespiegel auf Normalwerte zu senken, bergen sie bei Überdosierung folglich auch das Risiko einer Unterzuckerung.
Hypoglykämien treten insbesondere im Rahmen einer Therapie mit Insulin, Sulfonylharnstoffe und Gliniden auf. Kein oder nur ein sehr geringe Hypoglykämie-Risiko haben Metformin, Alpha-Glucosidase-Inhibitoren, SGLT-2-Inhibitoren, GLP-1-Agonisten und DPP-4-Inhibitoren.
Auch vergessene oder ausgelassene Mahlzeiten, Alkoholkonsum und starke körperliche Aktivität (Sport) können bei an Diabetes Erkrankten zu Hypoglykämien führen.
Besonders gefährlich werden Hypoglykämien, wenn sie von Betroffenen nicht wahrgenommen werden (Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung). Patient*innen mit einer Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung verspüren keinerlei Warnsymptome und werden oft rasch bewusstlos. Ein Risikofaktor für die Entwicklung einer solchen Wahrnehmungsstörung sind wiederkehrende leichte Hypoglykämien.
Allgemeine Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für Hypoglykämien bei Patient*innen mit Diabetes mellitus einhergehen, sind:
- Alter
- strenge medikamentöse Einstellung des Blutzuckers
- Erkrankungsdauer
- Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung
- Nierenerkrankungen
- Lebererkrankungen
- Funktionsstörungen der Nebenniere oder Hirnanhangsdrüse (Hypophyse)
- kognitive Störungen
Andere Ursachen
- Insulinom (Tumor, der Insulin produziert)
- Hypoglykämien nach Operationen zur Gewichtsreduktion (bariatrische Operationen)
- Funktionsstörung der Nebennieren (Nebenniereninsuffizienz)
- Funktionsstörung der Hirnanhangdrüse (Hypophyseninsuffizienz)
- Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
- Leberversagen, Nierenversagen
- Blutvergiftung (Sepsis)
- Medikamente (z. B. Hydroxychloroquin, Lithium)
- Alkohol
- Selbst hervorgerufene, sog. faktitielle Hypoglykämie
Häufigkeit
Hypoglykämien treten am häufigsten unter Insulintherapie auf. Durchschnittlich erleiden Patient*innen mit Typ-1-Diabetes, die eine intensivierte Insulintherapie erhalten, 0,6 schwere Hypoglykämien pro Jahr. Dabei ist das Risiko jedoch sehr ungleich verteilt: Ein Großteil der Menschen mit Typ-1-Diabetes erleidet keine/kaum schwere Hypoglykämien, ein kleinerer Teil dagegen mehrmals im Jahr.
Schwere Hypoglykämien treten gehäuft bei älteren Patient*innen sowie bei Patient*innen mit bekannten Vorerkrankungen auf.
Untersuchungen
Berichten Patient*innen von Symptomen einer Hypoglykämie, führen Ärzt*innen in der Regel zunächst einen Blutzucker-Schnelltest durch. Dabei wird mittels einer Einmalstechhilfe ein Tropfen Blut aus der Fingerkuppe entnommen und mithilfe eines Blutzuckermessgerätes ausgewertet. Der Schnelltest kann von Patient*innen mit Diabetes auch zuhause durchgeführt werden.
Treten Hypoglykämien ohne vorbekannte Diabetes-Erkrankung auf, ist eine weitere Abklärung bei Spezialist*innen notwendig. Diese können weiterführende Untersuchungen durchführen, um andere Ursachen für eine Unterzuckerung ausfindig zu machen.
Kommt es im Rahmen einer Diabetes-Erkrankung zu wiederkehrenden Hypoglykämien, sollte eine Überweisung zu Diabetolog*innen erfolgen. Diese können die Therapie entsprechend anpassen.
Eine Klinikeinweisung ist dann notwendig, wenn Patient*innen mit schweren Hypoglykämien nicht sofort auf die Notfalltherapie zuhause oder in der Hausarztpraxis ansprechen.
Behandlung
Da Hypoglykämien schwere Folgen haben können, ist eine rasche Behandlung entscheidend. Oberstes Ziel ist es, den Blutzuckerspiegel zu normalisieren und zukünftige Hypoglykämien zu vermeiden.
Vorgehen im Notfall
Milde Hypoglykämie (Selbsttherapie durch Patient*in möglich)
- Einnahme von ca. 20 g Kohlenhydrate, vorzugsweise in Form von Glukose- oder Fruktosetabletten
- Mögliche Alternativen: andere Zuckerprodukte wie Süßigkeiten, Zuckerwürfel, Geleebonbons oder ein Glas Orangensaft
- Nach 15 min Blutglukose messen.
- Bei weiterhin geringer (50–60 mg/dl bzw. 2,8–3,3 mmol/l) Blutglukosekonzentration Therapie wiederholen.
- Nach erfolgreicher Therapie Mahlzeit oder Snack einnehmen, um wiederkehrende Hypoglykämie zu vermeiden.
Schwere Hypoglykämie (keine Selbsttherapie mehr möglich), Patient*in bei Bewusstsein
- Verabreichung von ca. 30 g Kohlenhydrate (Glukose) durch Anwesende
- Nach 15 min Blutglukose messen.
- Bei weiterhin geringer (50–60 mg/dl bzw. 2,8–3,3 mmol/l) Blutglukosekonzentration Therapie wiederholen.
- Nach erfolgreicher Therapie Mahlzeit oder Snack einnehmen, um wiederkehrende Hypoglykämie zu vermeiden.
Schwere Hypoglykämie, Patient*in bewusstlos
Bei Versorgung durch Anwesende
- Wenn vorhanden, Anwendung eines Glukagon-Notfallsprays (wie Nasenspray) oder einer Glukagon-Notfallinjektion unter die Haut oder in den Muskel.
- Fehlendes Ansprechen nach spätestens 5 min: Therapie wiederholen.
- Nach erfolgreicher Therapie Mahlzeit oder Snack einnehmen, um wiederkehrende Hypoglykämie zu vermeiden.
Bei Versorgung durch Ärzt*innen
- Verabreichung einer 40-prozentigen Glukoselösung direkt über die Vene
- Fehlendes Ansprechen nach spätestens 5 min: Therapie wiederholen.
- Nach erfolgreicher Therapie Mahlzeit oder Snack einnehmen, um wiederkehrende Hypoglykämie zu vermeiden.
Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed.
Lesen Sie hier den vollständigen Originalartikel.
Die Inhalte auf team-praxis.de stellen keine Empfehlung bzw. Bewerbung der beschriebenen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Sie ersetzen nicht die fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Apotheker*in und dürfen nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Lesen Sie dazu mehr in unseren Haftungshinweisen.
In unserer Gesundheitsdatenbank suchen
Inhaltsverzeichnis anzeigenWissenswertes aus den hausärztlichen Praxen

Wissen, wann genug ist
Über Suchterkrankungen sprechen die meisten Menschen nicht gern.
Zum Beitrag

Juckende Augen und triefende Nasen: Hilfe bei Heuschnupfen
Leichte Symptome lassen sich oft durch einfache Maßnahmen lindern.
Zum Beitrag

Sind das die Wechseljahre?
Warum die Wechseljahre auch in der hausärztlichen Praxis Thema sind
Zum Beitrag