Wernicke-Korsakow-Syndrom
Wernicke-Korsakow-Syndrom
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Was ist das Wernicke-Korsakow-Syndrom?
Definition
Das Wernicke-Korsakow-Syndrom ist eine schwere neurologische Erkrankung, die durch Vitamin-B1-Mangel (Thiamin-Mangel) hervorgerufen wird. Die häufigste Ursache einer solchen Mangelerscheinung ist langzeitlicher Alkoholmissbrauch. In Einzelfällen wird die Krankheit auch bei Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen, Mangelernährung und langwierigem Erbrechen beobachtet.
Der Vitaminmangel verursacht Hirnschäden, die unbehandelt sehr schwere Folgen haben können. Die Wernicke-Enzephalopathie ist durch Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, Augenbewegungsstörungen und Koordinationsstörungen gekennzeichnet. Bei anhaltendem Mangel kommt es zum chronischen Korsakow-Syndrom mit Gedächtnisstörung, Antriebsstörung und kognitiven Einschränkungen.
Symptome
Anfangs treten häufig unbestimmte Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Reizbarkeit auf.
Typische Symptome des Wernicke-Syndroms sind Bewusstseinseintrübung, Augenbewegungsstörungen, Sehstörungen, Koordinationsschwierigkeiten, Gangstörungen und Verwirrtheit.
Im chronischen Stadium (Korsakow-Syndrom) zeigen sich eine Verschlechterung des Neugedächtnisses und Konfabulationen (Gedächtnisstörung, die dazu verleitet, lebhafte Fantasiegeschichten zu erzählen). Dazu kommen kognitive Einschränkungen und Verhaltensauffälligkeiten.
Die Beschwerden sind nicht immer stark ausgeprägt, daher wird die Erkrankung häufig nicht erkannt.
Seltenere Symptome eines Vitamin-B1-Mangels sind u. a. niedriger Blutdruck, beschleunigter Herzschlag und niedrige Körpertemperatur. Auch epileptische Anfälle und Halluzinationen können auftreten.
Ursachen
Die häufigste Ursache für einen Vitamin-B1-Mangel ist übermäßiger Alkoholkonsum und Alkoholabhängigkeit, in deren Folge es zu einer Mangelernährung kommt. In der geschädigten Leber kann auch weniger Vitamin B1 gespeichert werden.
Generell können aber auch eine unzureichende Aufnahme oder erhöhter Verlust zu einem Vitamin-B1-Mangel führen. Ein erhöhtes Risiko besteht z. B. bei chronischer Nierenerkrankung mit Dialyse, chronischen Magen-Darm-Beschwerden, unstillbarem Schwangerschaftserbrechen, Adipositas-Operationen und anderen schweren Grunderkrankungen.
Häufigkeit
- Die Erkrankung wird vermutlich noch zu wenig diagnostiziert. In Autopsiestudien zeigten sich Anzeichen eines Wernicke-Korsakow-Syndroms bei 1–3 % der Verstorbenen.
- Vitamin-B1-Mangel tritt bei rund 50 % der Personen mit Alkoholabhängigkeit auf.
Untersuchungen
- Die Diagnose wird anhand der typischen Krankengeschichte und der Befunde der ärztlichen Untersuchung gestellt. Dabei werden auch Alkoholkonsum und andere Risikofaktoren erfragt.
- Mit speziellen Tests kann das Gedächtnis überprüft werden.
- Um andere Krankheiten auszuschließen, werden Blutuntersuchungen durchgeführt.
- Eine Magnetresonanztomografie (MRT) kann Aufschluss über Veränderungen im Gehirn geben.
Behandlung
- Ziel der Behandlung ist eine Besserung der Symptome und die Vorbeugung von bleibenden Schäden.
- Betroffene sollen möglichst frühzeitig Vitamin B1 in ausreichend hoher Dosierung über Infusionen in die Blutbahn erhalten. Im weiteren Verlauf können sie Vitamin B1 als Tabletten einnehmen.
- Des Weiteren soll die Grunderkrankung, die zur Mangelernährung geführt hat, behandelt werden. In den meisten Fällen bedeutet dies eine Therapie der Alkoholabhängigkeit.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Wernicke-Korsakow-Syndrom. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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