Blinddarmentzündung (Appendizitis)
Blinddarmentzündung (Appendizitis)
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Was ist eine Blinddarmentzündung?
Definition
Bei der akuten Appendizitis handelt es sich um eine plötzlich auftretende schmerzhafte Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendix) des Blinddarms. Der Wurmfortsatz ist ein Anhängsel am eigentlichen Blinddarm, der wiederum eine blind endende Ausstülpung am Anfang des Dickdarms direkt nach dem Dünndarm darstellt. Die Appendix gilt als Reservoir für Darmbakterien, z. B. zur Wiederbesiedelung nach einer Antibiotikaeinnahme oder Darminfektion sowie als Ursprung von Stammzellen im Dickdarm zur Immunabwehr.
Eine Blinddarmentzündung wird eingeteilt in eine unkomplizierte Appendizitis ohne bakterielle Entzündung des Bindegewebes (Phlegmone), absterbendes Gewebe, Eiterflüssigkeit oder Abszess und in eine komplizierte Appendizitis, bei der diese Zeichen vorhanden sind. Eine unkomplizierte Appendizitis kann auch wiederholt vorkommen.
Symptome
Früh im Verlauf zeigen sich meist Schmerzen im Bereich des Bauchnabels. Die Schmerzen verlagern sich typischerweise innerhalb von 12 Stunden in den rechten Unterbauch und verschlechtern sich durch Bewegung und Husten. Weitere übliche Symptome sind Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Durchfall oder Verstopfung können ebenfalls vorkommen. Häufig tritt leichtes Fieber in Höhe von etwa 38 ºC auf.
Je nach Patientenalter und genauer Lage der Appendix in der Bauchhöhle können die Symptome einer akuten Blinddarmentzündung jedoch stark variieren. So können die Schmerzen auch rechts oben, im Flanken-, Rücken- oder Hodenbereich sowie oberhalb des Schambeins auftreten. Bei älteren Patient*innen oder sehr kleinen Kindern sind die Beschwerden häufig weniger ausgeprägt und eher diffus, bei einer Schwangerschaft können die Schmerzen aufgrund der Verschiebung des Blinddarms durch die Gebärmutter an anderer Stelle, meist höher, auftreten.
Ursachen
Eine Blinddarmentzündung entsteht, wenn der enge Eingang zum Wurmfortsatz verstopft ist. Häufig geschieht dies durch Kot, Kotsteine oder übermäßig gewachsenes Lymphgewebe. Dies bewirkt einen Druckanstieg und kann die Blutzufuhr und damit die Sauerstoffversorgung zum Wurmfortsatz herabsetzen, sodass Bakterien ideale Bedingungen für eine Vermehrung und Infektion vorfinden. Zudem können Thrombosen (Blutgerinnsel) entstehen.
Möglicherweise haben Personen, die ballaststoffarme Nahrung zu sich nehmen, sowie Raucher*innen ein erhöhtes Risiko. Auch eine westliche Lebensweise mit höheren Hygienestandards und vermehrtem Antibiotikagebrauch könnten das Darmmikrobiom negativ beeinflussen und so eine Appendizitis auslösen.
Häufigkeit
Die Blinddarmentzündung ist in Deutschland eine der häufigsten Ursachen für ein akutes Abdomen mit 100 Neuerkrankungen pro 100.000 Einw./Jahr. Eine Appendizitis tritt am häufigsten bei Kindern und Jugendlichen sowie bei jungen Erwachsenen bis 29 Jahre auf, wobei Jungen und Männer häufiger betroffen sind. Über das ganze Leben liegt die Wahrscheinlichkeit einer akuten Appendizitis bei 6,7 % für Frauen und 8,6 % für Männer. Das Lebenszeitrisiko für eine Entfernung des Wurmfortsatzes (Appendektomie) liegt entsprechend bei ca. 23 % bzw. 12 %.
Untersuchungen
- Häufig weisen Patient*innen eine typische Krankengeschichte (Anamnese) mit entsprechenden Symptomen auf. Die Diagnose basiert auf einer Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung, Laborbefunden und Bildgebung.
- Die Einteilung in eine unkomplizierte oder komplizierte Appendizitis sollte bereits vor einer insbesondere invasiven Behandlung mittels Bildgebung erfolgen.
- Bei der ärztlichen Untersuchung wird auf Zeichen einer Perforation (Blinddarmdurchbruch), also eine Bauchfellentzündung mit Abwehrspannung, und eine möglicherweise spürbare Raumforderung geachtet.
- Bei einem Blinddarmdurchbruch platzt der Wurmfortsatz, wobei der Inhalt des Darms samt Bakterien in die Bauchhöhle gelangen kann, was in 5 % der Fälle tödlich verläuft.
- Weitere Befunde sind eine erhöhte Temperatur oder Fieber (37,8 °C), erhöhter Puls, gerötetes Gesicht und Mundgeruch sowie je nach Lage der Appendix eine gebeugte Haltung der rechten Hüfte.
- Eine rektale Untersuchung wird nur bei unklarer Diagnose empfohlen.
- Ist der klinische Befund nicht eindeutig, kann eine klinische Verlaufsbeurteilung nach wenigen Stunden hilfreich sein.
- Im Labor wird das Blut der Patient*innen auf eine Erhöhung der weißen Blutkörperchen und der Entzündungswerte untersucht. Auch eine Harnuntersuchung auf Blut im Urin wird durchgeführt sowie bei Frauen im gebärfähigen Alter zusätzlich ein Schwangerschaftstest zum Ausschluss einer Schwangerschaft, insbesondere einer Extrauteringravidität (EUG).
- Bei unklarem Ultraschallbefund und besonders bei Schwangeren kann anschließend eine MRT-, ansonsten auch eine CT-Untersuchung erfolgen.
- Eine Ultraschalluntersuchung des Bauches ist die Bildgebung der ersten Wahl zum Nachweis oder Ausschluss einer Appendizitis.
Behandlung
- Der Wurmfortsatz wird bei einer unkomplizierten Appendizitis möglichst innerhalb von 24 Stunden chirurgisch entfernt, entweder durch eine herkömmliche Operation oder durch eine operative Bauchspiegelung (Laparoskopie).
- Der laparoskopische Eingriff ist heutzutage die bevorzugte Methode.
- Bei Verdacht auf eine Perforation wird sofort operiert.
- Vor einer Operation können bereits Schmerzmittel verabreicht werden.
- Sofort nach der Diagnosesicherung einer akuten Appendizitis kann eine Therapie mit Antibiotika begonnen werden. Nur ausgewählte Patient*innen mit unkomplizierter Appendizitis können zunächst nur mit Antibiotika behandelt werden.
- Eine sofortige chirurgische Therapie bleibt jedoch effektiver und kommt bei erfolgloser konservativer Therapie zum Einsatz.
- Antibiotika vor einer Operation reduzieren die Häufigkeit späterer Wundinfektionen.
- Gegebenenfalls kann die Antibiotikatherapie nach der Operation fortgeführt werden.
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