Pest

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Was ist die Pest?

Definition

Der Schwarze Tod: Schon das Alte Testament erwähnt die Pest, im Mittelalter tötete sie jeden vierten Europäer, doch in Europa spielt die Pest seit Längerem keine Rolle mehr. Auslöser ist das Bakterium Yersinia pestis, das nach seinem Entdecker Alexandre Yersin benannt ist.

Die Krankheit erscheint in drei Hauptformen: Als Beulenpest auf der Haut mit schwarzen Pestbeulen (Bubonen), als Lungenpest und als Blutvergiftung (Pestsepsis).

Symptome

Die Bubonenpest auf der Haut ist die häufigste Form der Pest. Der Ausbruch der Krankheit erfolgt spätestens 1 Woche nach der Ansteckung. Schnell entstehen Fieber, Unwohlsein, Herzklopfen. Es kommt zu heftigen Kopf- und Muskelschmerzen. Häufig treten Bauchschmerzen auf, auch Durchfall ist möglich. Die Lymphknoten werden dick und schmerzen. Solche beulenartig geschwollenen Lymphknoten, die Bubonen, befinden sich oft in der Leiste, in den Achselhöhlen und am Hals. Manchmal platzen diese Beulen. Im späten Stadium können Hautstellen absterben und sich schwarz verfärben – daher rührt der Name „Schwarzer Tod“.

Die Lungenpest setzt schlagartig ein und hat einen äußerst schweren Verlauf. Sie zeigt sich zunächst mit Fieber, Schüttelfrost, und Husten. Atemnot und Bluthusten treten auf. Zur Lungenpest kommt es auch bei Ausbreitung einer Hautpest. Die Lungenpest verläuft ohne Behandlung tödlich – eine frühe Behandlung verbessert aber die Prognose.

Die Pestbakterien gelangen manchmal von Haut und Lymphknoten ins Blut und verursachen so eine Pestsepsis. Eine derartige Ausbreitung der Bakterien in den Adern führt letztendlich zum Multiorganversagen.

Ursachen

Die Krankheit wird durch eine Infektion mit dem Bakterium Yersinia pestis verursacht. Ratten und andere Tiere tragen die Bakterien in sich und stecken entweder durch direkten Kontakt oder über Flöhe Menschen an. Flöhe übertragen die Pest an Menschen, indem sie erst eine infizierte Ratte und dann einen Menschen befallen. Die Pest entsteht in Verbindung mit schlechten hygienischen Bedingungen, unter denen sich Ratten und Flöhe ausbreiten. Pestbakterien überstehen lange Zeit in Flöhen und ihrem Kot. Die Bakterien können über die Haut in den Körper gelangen, außerdem ist eine Übertragung über die Luft möglich, auch von Mensch zu Mensch. Unbehandelte Personen, die unter Symptomen leiden, können andere anstecken.

Häufigkeit

In Europa spielt die Pest schon lange keine Rolle mehr, auch Importe nach Deutschland hat es schon seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.

In Afrika, Amerika und Asien kommt sie aber noch vor. Stellenweise tritt sie in Madagaskar auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) registriert jährlich bis zu 3.000 Fälle.

Untersuchungen

Die Pest ist eine seltene Erkrankung und kann nur durch eine Untersuchung im Labor bewiesen werden. Geschwollene Lymphknoten kommen bei einigen Krankheiten vor und sind kein sicheres Zeichen für eine Pestinfektion. Beschwerden der Lunge können auf andere Bakterieninfektionen hinweisen. Außerdem gibt es gerade in den Tropen einige Krankheitserreger, etwa Malaria, die sich ähnlich äußern können wie die Pest.

Ein Hinweis darauf, dass tatsächlich eine Pestinfektion vorliegt, ist die Reise in eine Region außerhalb Europas, in der die Pest noch vorkommt. Verdächtig ist es, wenn die Person Kontakt zu Ratten oder anderen Nagern hatte oder von Flöhen gestochen wurde. Ein Aufenthalt unter mangelhaften Hygienebedingungen kann ein Indiz sein.

Die Ärztin/der Arzt untersucht die Haut: Bei der Bubonenpest findet sich an der Bissstelle eine Wunde. Die Lymphknoten sind zu Beulen vergrößert und empfindlich. Es bildet sich in einigen Fällen Eiter in den Beulen. Bei schweren Verläufen sind schwarze Hautverfärbungen feststellbar.

In den Regionen, in denen die Pest heute noch existiert, gibt es Schnelltests, um eine Infektion sicher festzustellen. Der Test erkennt sowohl die Bubonenpest als auch die Lungenpest sowie Pestbakterien in Tieren.

Behandlung

Bei hochgradigem Verdacht auf Pest erfolgt eine sofortige Klinikeinweisung.

Bei Verdacht auf eine Pestinfektion wird sofort eine Behandlung mit Antibiotika begonnen. Außerdem müssen die Betroffenen bis zu 3 Tage nach Beginn der Antibiotikabehandlung isoliert werden. Kontaktpersonen müssen für 7 Tage in Quarantäne.

Es ist wichtig, dass die Behandlung auch bei einem Verdacht rasch begonnen wird. Daher wartet man das Laborergebnis nicht ab.

Autor

  • Vincent Kranz, Cand. med., Hamburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Pest. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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