Venenthrombose im Gehirn
Venenthrombose im Gehirn
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Was ist eine Venenthrombose im Gehirn?
Definition
Bei einer Thrombose bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) im venösen System des Gehirns. Venenthrombosen im Gehirn entstehen durch unterschiedlichste Ursachen, z. B. durch Infektionen mit Bakterien (septische Thrombose) oder hormonelle oder andere Störungen (aseptische Thrombose).
Fachleute bezeichnen die Erkrankung als zerebrale Sinus-/Venenthrombose, kurz CVST.
Die meisten Thrombosen im Hirn sind Sinusthrombosen. Ein Sinus ist ein Hohlraum, der dieselbe Aufgabe hat wie eine Vene: Er leitet sauerstoffarmes Blut zum Herzen zurück. Er hat meist einen breiten und abgeflachten oder eckigen Querschnitt. Am häufigsten betroffen sind:
- Der Sinus sagittalis superior (verläuft direkt unter dem Schädelknochen von vorn nach hinten)
- Der Sinus transversus (verläuft waagerecht am Hinterkopf nach rechts und links)
- Der Sinus rectus (verläuft waagerecht von vorne nach hinten)
Venenthrombosen sind seltener als Sinusthrombosen. Sie betreffen oft die Galen-Vene (Vena cerebri magna). Sie befindet sich tief zwischen der rechten und der linken Hirnhälfte. Manchmal entstehen Thromben auch in Venen der Hirnrinde oder in Brückenvenen, die die Hirnhäute durchqueren.
Symptome
Das erste Symptom sind meist Kopfschmerzen. Fast alle betroffenen Personen leiden im Verlauf darunter. Manchmal setzt der Schmerz urplötzlich ein, aber es gibt auch alle anderen Formen von Kopfschmerzen. Viele Patient*innen leiden unter neurologischen Symptomen, z. B. Muskellähmungen, vollständigen oder unvollständigen Halbseitenlähmungen, Empfindungsstörungen oder Sprachstörungen. Oft kommt es zu epileptischen Anfällen. Auch Übelkeit und Erbrechen sind möglich. Einige betroffene Personen werden schläfrig bis ohnmächtig. Weitere mögliche Beschwerden sind Sehstörungen und eine schmerzhafte Nackensteifigkeit (Meningismus). Manchmal kommt es zu Verwirrtheit und Psychosen.
Die Symptome hängen davon ab, wo genau sich der Thrombus befindet. Die Erkrankung kann akut bis chronisch verlaufen.
Ursachen
Das Gerinnungssystem hilft dem Körper dabei, Blutungen bei Verletzungen zu stoppen. Blut kann aber in bestimmten Situationen auch innerhalb eines Blutgefäßes gerinnen. Dadurch kann das Gefäß komplett verstopft werden. Wenn das im Gehirn passiert, kann Hirngewebe geschädigt werden, und es kann zu Kopfschmerzen oder Symptomen eines Schlaganfalls kommen. Außerdem kann Flüssigkeit oder Blut ins Hirngewebe übertreten und der Hirndruck gefährlich steigen.
Die septische zerebrale Sinus-/Venenthrombose wird durch Infektionen verursacht. Mögliche Ursachen sind:
- Mittelohrentzündung (Otitis media)
- Entzündung des Warzenfortsatzes des Felsenbeines (Mastoiditis)
- Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis), der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) oder der Hirnhäute (Meningitis)
- Eiteransammlung an einem Zahn (Zahnabszess) oder im Hirn (Hirnabszess)
- Offenes Schädel-Hirn-Trauma
Die aseptische zerebrale Sinus-/Venenthrombose hat unterschiedlichste Risikofaktoren:
- Rauchen
- Weibliches Geschlecht
- Hormonelle Empfängnisverhütung, „Pille” (bis zu 13-fach erhöhtes Risiko)
- Schwangerschaft (besonders letztes Schwangerschaftsdrittel und Wochenbett)
- Genetische Erkrankungen der Blutgerinnung wie z. B. Faktor-V-Leiden-Mutation
- Hormonersatztherapie in den Wechseljahren
- Krebserkrankungen
- Tumor des Gehirns, der Hirnhäute, der Hirnnerven oder der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse)
- Sichelzellanämie und andere Erkrankungen des blutbildenden Systems
- In mindestens 10 % der Fälle lässt sich keine Ursache finden.
Häufigkeit
Die Erkrankung tritt selten auf – bei 1–4/100.000 Menschen in Deutschland pro Jahr. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Am häufigsten erkranken Personen zwischen 20 und 40 Jahren. Thrombosen sind aber in jedem Alter möglich.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
Die Beschwerden der betroffenen Person werden festgestellt. Es wird geklärt, ob die Person von einer Grunderkrankung betroffen ist und welche Medikamente sie einnimmt. In der Regel werden Puls, Blutdruck und Atemfrequenz gemessen. Die betroffene Person wird neurologisch untersucht. Auch eine Untersuchung der Augen kann sinnvoll sein.
Bei dem Verdacht auf eine Sinus- oder Venenthrombose im Gehirn erhält die Person eine notfallmäßige Krankenhauseinweisung. Am besten ist ein Krankenhaus mit einer Spezialstation für akute Schlaganfälle und/oder einer Intensivstation.
Im Krankenhaus
Im Krankenhaus geschieht in der Regel Folgendes:
- Blutentnahme
- Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) jeweils mit venöser Angiografie: MRT und CT sind gleichwertig. Eine MRT kommt ohne Strahlenbelastung aus. Sie wird oft bevorzugt eingesetzt in der Schwangerschaft und bei jüngeren Patient*innen.
- Digitale Subtraktionsangiografie (DSA; in Einzelfällen): Dabei werden Aufnahmen mit und ohne Kontrastmittel erstellt.
Weitere Untersuchungen bei Spezialist*innen
Zusätzliche Untersuchungen sind beispielsweise in diesen Fällen sinnvoll:
- Bei Verdacht auf eine septische Sinus- oder Venenthrombose
- Bei unklarer Thromboembolie (verlegtes Gefäß durch einen eingeschwemmten Thrombus)
- Bei unbekannter Ursache
- Bei epileptischen Anfällen
Mögliche Maßnahmen sind z. B. Untersuchungen von Blut und Hirnwasser, Ultraschall-, CT- und Röntgenuntersuchungen sowie eine Messung der Hirnströme (EEG).
Behandlung
Medikamente
Die betroffene Person erhält sofort gerinnungshemmende Medikamente. Zur Akutbehandlung dient meist niedermolekulares Heparin (NMH).
Auf die Akutbehandlung folgt die Erhaltungstherapie mit Tabletten, die die Blutgerinnung hemmen. Die Erhaltungstherapie dauert meist 3–12 Monate. Personen mit einem erhöhten Risiko für erneute Thrombosen müssen teils lebenslang behandelt werden.
Nach einem epileptischen Anfall kann eine Behandlung gegen weitere Anfälle sinnvoll sein. Sie sollte meist 3–6 Monate dauern. Bei einem hohen Risiko kann sie bis zu 1 Jahr oder länger dauern.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
- Operation zur Ausräumung des Infektionsherdes (mit gleichzeitiger Antibiotikatherapie)
- Entfernung des Thrombus durch das Blutgefäß (endovaskuläre Thrombektomie)
- Offene Operation (bei erhöhtem Hirndruck müssen ggf. Teile des Schädelknochens entfernt werden)
- Rehabilitation
Autor
- Vincent Kranz, Cand. med., Hamburg
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