Kopfschmerzen
Kopfschmerzen
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Was sind Kopfschmerzen?
Es gibt verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Sog. primäre Kopfschmerzen treten ohne nachweisbare Grunderkrankung auf, während sekundäre Kopfschmerzen im Zusammenhang mit einer anderen Krankheit entstehen. Die dritte Klasse sind Neuropathien und Gesichtsschmerzen, z. B. eine Trigeminusneuralgie. Nach Verlauf unterscheidet man zwischen chronischen und akuten Kopfschmerzen. Von chronischen Kopfschmerzen spricht man bei mehr als 15 Tagen Kopfschmerzen pro Monat über mehr als 3 Monate.
Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten Beratungsanlässen und machen 2–5 % der hausärztlichen Vorstellungen aus. Primäre Kopfschmerzerkrankungen sind häufig, z. B. Migräne mit 10–15 % der Bevölkerung. Sekundäre Kopfschmerzerkrankungen sind seltener und treten in der Hausarztpraxis am häufigsten im Rahmen eines Atemwegsinfekts auf. Nur bei < 1 % der Fälle sind Kopfschmerzen ein Symptom einer ernsthaften und/oder lebensbedrohlichen Erkrankung.
Was kann die Ursache sein?
Primäre Kopfschmerzerkrankungen
- Spannungskopfschmerz
- Die exakten Entstehungsmechanismen von Spannungskopfschmerz sind nicht bekannt, er beruht jedoch vermutlich auf Stress und angespannten Nackenmuskeln. Die Schmerzen können auch durch Veränderungen des Blutflusses oder der schmerzverarbeitenden Strukturen im Kopf bedingt sein.
- Ist chronisch oder kann nur vorübergehend auftreten; eine Episode kann mehrere Tage andauern.
- Tritt beidseitig (oft ring- oder haubenförmig) auf und wird als klemmendes, drückendes oder pressendes Gefühl beschrieben.
- Migräne
- Meist sind junge Menschen und Menschen mittleren Alters betroffen, Frauen häufiger als Männer. Oft liegt eine familiäre Vorbelastung vor.
- Anfälle treten meist mit einseitigen, mittelstarken bis starken Kopfschmerzen auf. Bei ca. 10–15 % der Migränepatient*innen kommt es zu typischen Beschwerden, die vor den eigentlichen Kopfschmerzen auftreten (Aura). Ein Anfall hält in der Regel mehrere Stunden bis Tage an und tritt in unregelmäßigen Abständen auf.
- Oft kennen die Betroffenen auslösende Faktoren für die Migräneanfälle.
- Der Schmerz ist häufig pulsierend, während des Anfalls sind Betroffene geräusch- und lichtempfindlich, und die Kopfschmerzen verschlimmern sich bei körperlicher Aktivität. Oft kommt es zu Übelkeit und Erbrechen.
- Trigeminoautonome Kopfschmerzerkrankungen (TAK)
- TAK sind unvermittelt beginnende, sehr starke einseitige Kopfschmerzen mit typischen Begleitsymptomen wie Augentränen und Schwitzen sowie Bewegungsunruhe und Umherlaufen.
- Die häufigste Form ist der Cluster-Kopfschmerz, andere Formen sind selten.
- Männer sind ca. 3-mal häufiger betroffen als Frauen.
- Es handelt sich um periodische Kopfschmerzen mit täglichen Anfällen, die 15–180 Minuten anhalten, oft in der Nacht.
- Es treten starke Schmerzen auf, meist einseitig hinter einem Auge, und auf der Seite der Kopfschmerzen zusätzlich Symptome wie ein rotes/tränendes Auge, verstopfte/laufende Nase, Schwitzen und ein hängendes Augenlid.
- Daneben gibt es noch andere, weniger häufige primäre Kopfschmerzen, die beispielsweise bei Husten, Anstrengung, sexueller Aktivität, Kälte, äußerem Druck („Pferdeschwanzkopfschmerz”) oder aus dem Schlaf heraus auftreten.
Akute sekundäre Kopfschmerzen
- Atemwegsinfektionen
- Die meisten bakteriellen oder viralen Atemwegsinfektionen verursachen Kopfschmerzen.
- Insbesondere bei einer Mitbeteiligung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) sind Kopfschmerzen ein häufiges Symptom, gemeinsam mit typischen Krankheitsssymptomen wie Fieber, Schnupfen, Husten und Halsschmerzen.
- Infektionen des zentralen Nervensystems (ZNS)
- Bei viralen/bakteriellen Infektionen der Hirnhäute (Meningitis) oder des Gehirns (Enzephalitis) treten Kopfschmerzen in Begleitung von Fieber, Übelkeit und Erbrechen auf.
- Ggf. kommt es zu Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, epileptischen Anfällen und neurologischen Defiziten.
- Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke (TIA)
- Kopfschmerzen können bei allen Arten von Schlaganfällen auftreten, am häufigsten bei einer Hirnblutung.
- Die Symptome hängen davon ab, wo und schwer die Schäden auftreten. Typisch sind gemeinsame plötzlich aufgetretene neurologische Defizite.
- Subarachnoidalblutung
- Es handelt sich um eine spontane oder verletzungsbedingte Blutung zwischen den Hirnhäuten, die lebensgefährlich sein kann.
- Der Kopfschmerz tritt im Allgemeinen plötzlich auf und wird als stärkster Kopfschmerz (Donnerschlagkopfschmerz), oft als „schlimmste Kopfschmerzen des Lebens“, oder „Vernichtungskopfschmerz“ beschrieben. Manchmal kommt es zu plötzlichen Kopfschmerzen, die abklingen, bevor die eigentliche Blutung einsetzt.
- Begleitend kommt es oft zu Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinsstörung, Verwirrtheit, Lichtempfindlichkeit, neurologischen Ausfällen oder Krampfanfällen.
- Riesenzellarteriitis (RZA)
- Eine RZA ist eine Gefäßentzündung der großen Gefäße in Kopf, Nacken und Oberkörper.
- Es treten dumpf-brennende Schmerzen im Schläfenbereich und allgemeines Krankheitsgefühl, z. T. eine verdickte und/oder druckschmerzhafte Schläfenarterie, Kauschmerzen oder Sprechschmerzen auf.
- Akutes Glaukom
- Seltene Erkrankung, die v. a. bei älteren, weitsichtigen Patient*innen auftritt und auf eine Abflussstörung der Flüssigkeit im Augapfel zurückgeht, wodurch der Augeninnendruck steigt.
- Es treten in der Regel einseitige Kopfschmerzen mit rotem und akut schmerzendem Auge, Sehminderung und Übelkeit auf.
- Medikamentenbedingte Kopfschmerzen
- Durch Medikamente und Substanzen wie Nitro-Sprays, Phosphodiesterase-Inhibitoren (Sildenafil), Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung, Histamin-Vergiftung oder Kokain können Kopfschmerzen ausgelöst werden.
- Die Ausprägung der Kopfschmerzen ist abhängig von der Substanz.
- Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)
- Bei einem Blutdruckanstieg auf ≥ 180 mmHg systolisch bzw. ≥ 120 mmHg diastolisch können Kopfschmerzen auftreten, die sich bei einer Rückkehr zu normalen Blutdruckwerten wieder bessern. Begleitend können ggf. weitere Symptome wie Sehstörungen, Erbrechen, Atemnot, Schwäche und Benommenheit auftreten.
- Etwa 2–3 % der Vorstellungen mit Kopfschmerzen in der Hausarztpraxis gehen auf erhöhten Blutdruck zurück.
- Kopfschmerzen können zudem u. a. bei Gehirnerschütterung oder anderen Schädelverletzungen, Blutgerinnsel im Gehirn, Schädigung/Riss der Halsschlagader oder der Arterie im Bereich der Wirbelsäule, Hirntumor oder -metastasen, Fehlbildungen der Blutgefäße oder nach Flüssigkeitsmangel/Fasten auftreten.
Chronische und wiederkehrende sekundäre Kopfschmerzen
- Nackenkopfschmerz oder zervikogener Kopfschmerz
- Einseitiger Nackenkopfschmerz, der nach vorne in den Kopf ausstrahlen kann, oft verringerte Beweglichkeit im Nacken.
- Der Schmerz wird durch eine Erkrankung oder Verletzung der Halswirbelsäule (HWS) hervorgerufen und geht bei einer Besserung der Erkrankung wieder zurück.
- Medikamenteninduzierter Kopfschmerz
- Paradoxerweise kann der regelmäßige Gebrauch von Schmerzmitteln oder Medikamenten gegen Migräne nach einiger Zeit selbst zu zusätzlichen Kopfschmerzen führen. Dies ist sogar die häufigste Ursache für chronische sekundäre Kopfschmerzen – Schätzungen gehen von 0,7–1 % der Bevölkerung aus.
- Je nach Art der Schmerzmittel spricht man ab 10–15 Tagen pro Monat mit Schmerzmittelgebrauch von einem Übergebrauch.
- Die Kopfschmerzcharakteristik hängt von der primären Kopfschmerzerkrankung (Migräne, Spannungskopfschmerz) und der übergebrauchten Substanz ab.
- Oft leiden die Betroffenen zusätzlich an einer Depression.
- Chronische posttraumatische Kopfschmerzen
- Anhaltende Beschwerden 7–10 Tage nach neu aufgetretenen Kopfschmerzen aufgrund einer Kopf-/HWS-Verletzung werden als postkommotionelles Syndrom bezeichnet.
- Es handelt sich um Kopfschmerzen mit vielseitigen Begleitsymptomen (z. B. Benommenheit, Konzentrationsstörung, psychomotorische Verlangsamung, Schlafstörungen, Ängstlichkeit, Reizbarkeit), die sich in den meisten Fällen nach 1–3 Monaten bessern.
- Idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH)
- Dabei handelt es sich um eine Erkrankung mit einer Drucksteigerung der Hirn-Rückenmark-Flüssigkeit ohne Nachweis einer Raumforderung im Schädel oder einer Thrombose.
- Die Kopfschmerzen pulsieren häufig hinter den Augen und gehen mit Sehstörungen, Verschwommensehen, Schatten und Gesichtsfelddefekten, z. T. Tinnitus und einer Lähmung des für die Augenbewegung nach außen zuständigen Hirnnervs einher.
-
Weitere Ursachen können Fehlsichtigkeit, Dialyse, Schilddrüsenunterfunktion, Herpes Zoster, chronische Rhinosinusitis und Fehlbildungen im Schädel-/Wirbelsäulenbereich sein.
Gesichtsschmerzen und Neuropathien
- Trigeminusneuralgie
- Eine Trigeminusneuralgie tritt in erster Linie bei Personen über 50 Jahren auf, Frauen sind häufiger betroffen.
- Der Nervus trigeminus ist der Nerv, der das Gesicht versorgt. Der Schmerz tritt damit meist an der Wange und am Kiefer auf.
- Es handelt sich um anfallsartig einschießende, sehr starke, stechende Gesichtsschmerzen, die oft nur Sekunden andauern.
- Der Schmerz kann spontan oder als Reaktion auf harmlose Reize wie Luftzug, Kauen, Sprechen, Schlucken oder Berührung auftreten.
- Anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz
- Diese seltene chronische Schmerzerkrankung wird auch als „Persistent Idiopathic Facial Pain” (PIFP) oder „atypischer“ Gesichtsschmerz bezeichnet.
- Dabei kommt es zu anhaltenden Schmerzen im Mund-Gesichts-Bereich, die als dumpf und drückend beschrieben werden. Die Schmerzen halten stetig, in teils auf- und abnehmender Stärke für mehr als 2 Stunden täglich an und nehmen durch Stress zu. Der Nachtschlaf ist in der Regel nicht gestört.
- Krankheitsursache und -mechanismus sind unklar.
Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?
- Es gibt bestimmte Warnsymptome beim Auftreten von Kopfschmerzen. Liegen diese vor, ist eine sehr rasche ärztliche Untersuchung nötig. Dazu gehören z. B.:
- plötzlich auftretende, innerhalb von Minuten maximal ausgeprägte starke Kopfschmerzen (Donnerschlagkopfschmerz)
- Kopfschmerzen, die von Funktionsstörungen (Taubheitsgefühl, Lähmungen), einem Krampfanfall, neuen Sehstörungen oder Persönlichkeitsveränderungen begleitet werden
- Kopfschmerzen nach einer Kopfverletzung (auch bis zu 3 Monate danach)
- Kopfschmerzen, die durch Lagewechsel, bestimmte Bewegungen oder erhöhten Druck (Husten, Niesen, Pressen) ausgelöst werden
- Kopfschmerzen mit Fieber > 38,5 °C
- Kopfschmerzen mit Hautausschlägen, Bläschen oder Schmerzen im Gesicht
- allmählich zunehmende (neu aufgetretene) Kopfschmerzen oder mit vorausgegangenen ähnlichen Ereignissen vor weniger als 4 Wochen
- neue oder stärkere Kopfschmerzen bei bekannter Krebserkrankung, geschwächter Immunabwehr oder mit Erbrechen (Diagnostik innerhalb von 24 Stunden erforderlich).
- Akut entstandene Kopfschmerzen einer Art oder Stärke, die Sie zuvor noch nicht hatten, oder Kopfschmerzen, die sich in ihrer Art ändern, erfordern eine dringende ärztliche Versorgung.
- Besonders bei kleinen Kindern (3–4 Jahre), die von sich aus über Kopfweh klagen, sollte unverzüglich eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Untersuchungen
- Zur Einordnung der Kopfschmerzen werden Ihnen einige Fragen gestellt, z. B. seit wann, wie oft und wo (einseitig, gesamter Kopf, an der Schläfe, hinter dem Auge, über den Nebenhöhlen) die Kopfschmerzen auftreten, wie stark sie sind und welchen Charakter sie haben (pulsierend, drückend, schneidend).
- Begleitsymptome (Sehstörungen, Übelkeit, Erbrechen, allgemeine Krankheitssymptome, Reizbarkeit und verstärktes Reagieren auf Licht und Geräusche) und auslösende Faktoren (bestimmte Tageszeiten, Bewegungen der Halswirbelsäule, Husten, Anstrengung etc.) werden abgefragt.
- Vor- und Grunderkrankungen, bisherige Kopfschmerzbehandlungen, die Einnahme von Medikamenten oder (illegalen) Drogen, vorhandene Verwandte mit Kopfschmerzen und neurologischen Erkrankungen sowie mögliche funktionelle und psychosoziale Auswirkungen der Kopfschmerzen können Hinweise auf die Art der Erkrankung geben.
- Sie können auch gebeten werden, einen Kopfschmerzkalender oder Kopfschmerzfragebogen auszufüllen.
- Sie werden im Hinblick auf allgemeine Krankheitszeichen, Fieber und besonders Symptome und Beschwerden an Kopf, Augen, Hals-Nase-Ohren und Nebenhöhlen untersucht.
- Angst und Depression sind häufige Begleiterkrankungen von Kopfschmerzen.
- Es werden Kiefergelenke, Zähne und die Kaumuskulatur untersucht.
- Wichtige Untersuchungen betreffen die Nackenmuskulatur und die Beweglichkeit des Nackens.
- Die Symmetrie der Beweglichkeit und Mimik beim Sprechen sowie der Muskelkraft in den oberen und unteren Extremitäten wird überprüft.
- Neurologische Ausfälle sind die wichtigsten Leitsymptome einer Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Dazu werden auch die Reflexe und das normale Stehen und Gehen getestet.
- Einfache Blutuntersuchungen wie Blutbild, Blutsenkungsgeschwindigkeit und C-reaktives Protein können ggf. Hinweise geben.
- Bei Verdacht auf bestimmte Erkrankungen können andere Untersuchungen wie eine Bilddiagnostik (z. B. CT, MRT) infrage kommen.
- Bei Verdacht auf eine ernste Grunderkrankung ist eine Überweisung zu Spezialist*innen oder eine Einweisung ins Krankenhaus notwendig.
- Chronische Kopfschmerzen, die schwierig zu behandeln sind, sollten von Spezialist*innen beurteilt und behandelt werden.
Behandlung
- Die Therapie erfolgt in Abhängigkeit der jeweiligen Kopfschmerzerkrankung.
- Da Kopfschmerzen Angst auslösen können, wird die Diagnose der Kopfschmerzerkrankung und ggf. der Ausschluss anderer Ursachen besprochen.
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